Emma Aicher - Lernprozess statt Pleite: Warum das verpatzte Weltcup-Wochenende im Val di Fassa so wertvoll war
VonLukas Fegers
Update 09/03/2026 um 17:59 GMT+1 Uhr
Zweimal Olympiasilber, zwei exzellente Super-G beim Weltcup in Soldeu: Emma Aicher war mit reichlich Rückenwind und einer großen Portion Selbstvertrauen in die Speed-Rennen im Val di Fassa gegangen - im Visier gleich drei Kristallkugeln. Nach einem verkorksten Wochenende herrscht beim deutschen Shootingstar nun ordentlich Frust. Warum die jüngsten Rückschläge jedoch ein wichtiger Lernprozess sind.
Highlights: Aicher patzt bei italienischen Festspielen
Quelle: Eurosport
"Ich bin einfach nur angepisst auf mich!" Rumms, Emma Aicher nahm kein Blatt vor den Mund. Nach Wochen, in denen die 22-Jährige auf der Erfolgswelle gesurft war, entpuppte sich der Weltcup im italienischen Val di Fassa als herber Dämpfer für den aufstrebenden Stern des Deutschen Skiverbandes (DSV).
Nur Platz zwölf in der zweiten Abfahrt am Samstag, eine Nullnummer im Super-G am Sonntag: Gleich zweimal verpasste Aicher das Podium am vergangenen Wochenende deutlich und verspielte damit wertvolle Punkte im Kampf um drei Kristallkugeln.
Immerhin: Am Freitag war sie bei der nachgeholten Abfahrt für Crans-Montana mit nur einer Hundertstelsekunde Rückstand auf Platz zwei geprescht.
Dann aber riss die Serie hervorragender Resultate. "Dumme Fehler" seien es gewesen, haderte die Allrounderin, die sie die Mini-Chance auf die kleine Kugel im Super-G und auch die mögliche Führung in der Abfahrtswertung kosteten. Der Traum vom Gesamtweltcupsieg, den ihr so mancher durchaus zutraute, scheint ebenfalls passé.
- Blick auf Weltcupwertungen: So liegt Aicher derzeit im Rennen
Sie werde sich "schon ein bisschen Zeit zum Schlecht-drauf-sein" geben, sagte Aicher nach ihrem Wochenende zum Vergessen im "ZDF", betonte aber auch: "Das muss man abhaken."
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Val di Fassa könnte für Emma Aicher ein Lernprozess sein.
Fotocredit: Getty Images
Damit zog die Skirennläuferin ein wichtiges Fazit. Denn so bitter die zweite Abfahrt und der Super-G von Val di Fassa waren, kann Aicher diese Pleiten auch positiv sehen: Als Lernprozess, aus dem sie für den weiteren Verlauf ihrer erfolgversprechenden Karriere viel Positives mitnehmen kann.
Aicher im Weltcup besser denn je
Fakt ist zwar, dass sich Aicher im Val di Fassa mehr erhofft hatte. Fakt ist aber auch, dass die Saison 2025/26 selbst ohne mögliche Kristallkugeln ein voller Erfolg für die Sportsoldatin ist.
Vor den abschließenden beiden Weltcupstationen im schwedischen Are (14./15. März) und in Kvitfjell/Norwegen (21. bis 25. März) rangiert Aicher im Super-G auf Rang drei, in der Abfahrt auf Platz zwei und in der Gesamtwertung auf Position zwei - Resultate, mit denen sie drauf und dran ist, ihre bisherigen Bestwerte (9. im Abfahrtsweltcup, 15. im Super-G- und Gesamtweltcup) aus der Vorsaison um Längen zu egalisieren.
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"Ist das bitter!" Rückschlag für Aicher im Kampf um den Gesamtweltcup
Quelle: Eurosport
Zum ersten Mal in ihrer Karriere kämpft Aicher bis zum Schluss in der Abfahrt und im Gesamtweltcup um die beiden wichtigsten Kristallkugeln des alpinen Skisports.
Eine Leistung, die schon jetzt nicht hoch genug zu bewerten ist - und ein Wettkampfgefühl, mit dem sie sich für die kommenden Jahre rüsten kann.
Patzer in Val di Fassa: "Das Beste rausnehmen"
"Sie muss einfach bei sich bleiben, ihr Ding weiter durchziehen und nicht über das Drumherum nachdenken. Dass sie das kann, hat sie auch bei den Winterspielen unter Beweis gestellt." Diesen Ratschlag hatte Eurosport-Expertin Viktoria Rebensburg vor dem Weltcup in Val di Fassa in Richtung Aicher geäußert.
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Aicher reagiert auf bitteres Ausscheiden im Super-G
Quelle: Eurosport
Die finalen Saisonwochen werden zumeist im Kopf entschieden, für diese sah Rebensburg die Deutsche gewappnet. Trotz oder gerade wegen der jüngsten Patzer könnte das dank des Lernprozesses im Val di Fassa auch zukünftig für Aicher gelten, denn: "Es ist wie immer im Leben, man muss aus der Situation das Beste rausnehmen", wie DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier im "ZDF"-Interview betonte.
Maze exklusiv: Aicher "kann nächste Höfl-Riesch werden"
Im Ski alpin mischt Aicher nicht nur bei den Speed-Disziplinen weit vorne mit, sondern ist auch technisch versiert. Als einzige Topfahrerin geht die fünfmalige Weltcupsiegerin bei allen Disziplinen an den Start - also in der Abfahrt, im Super-G sowie im Slalom und Riesenslalom. Ein großer Vorteil in Sachen Gesamtweltcup, wie diese Saison eindrucksvoll belegt.
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Emma Aicher in der Abfahrt von Val di Fassa
Fotocredit: Getty Images
Selbst wenn Aicher in den verbleibenden sechs Saisonrennen (je zweimal Slalom und Riesenslalom, je einmal Abfahrt und Super-G) den 125-Punkte-Vorsprung von Mikaela Shiffrin im Gesamtweltcup nicht mehr aufholt, sollten ihr die vergangenen Monate Zuversicht verleihen, dass ihr dies zukünftig gelingen könnte.
"Emma fährt als Einzige alle Disziplinen. Und wenn du alles fährst und dabei auch noch gut bist, haben die anderen keine Chance - auch Mikaela Shiffrin nicht", betonte diesbezüglich auch Ski-Ikone Tina Maze zuletzt im exklusiven Eurosport-Interview.
Es sei "toll, dass es mit Emma noch so eine Rennläuferin im Weltcup gibt. Wenn sie es in dieser Saison nicht schafft, wird sie es vielleicht in der nächsten schaffen. Ihr stehen alle Tore offen, den Gesamtweltcup zu gewinnen", prognostiziert Maze.
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Highlights: Pirovano gewinnt nächsten Hundertstel-Krimi - Aicher patzt
Quelle: Eurosport
Aicher habe "eine gute Mentalität, sie ist noch jung, sie macht die Dinge einfach und sie kann die nächste Maria Riesch werden. Auch mein Punkterekord im Gesamtweltcup (2414 Zähler, d. Red.) ist möglich, wenn sie weiterhin alle Disziplinen fährt."
Neureuther lobt Aichers Entwicklung: "Das ist ein Brett"
Die nächste Maria Höfl-Riesch könnte Aicher sogar in dieser Saison noch werden. Denn eine Abfahrt bleibt ihr noch, um die nun führende Italienerin Laura Pirovano, die beide Abfahrten im Val di Fassa gewann, im Disziplin-Weltcup zu überholen.
Vor der finalen Abfahrt am 21. März in Kvitfjell (ab 12:30 Uhr live im TV bei Eurosport 1 und im Stream bei HBO Max) liegt Aicher nur 28 Punkte hinter Pirovano. Noch ist alles möglich, um als erste Deutsche seit Höfl-Riesch in der Saison 2013/2014 die kleine Kristallkugel in der Abfahrt zu gewinnen.
"Die Emma hat im Speed-Bereich eine enorme Entwicklung gemacht (…) Das ist schon ein Brett, eine fantastische Entwicklung in so kurzer Zeit", fasste Felix Neureuther die Leistungsexplosion des deutschen Shootingstars zusammen.
Der Lernprozess aus dem Val di Fassa dürfte diese Entwicklung weiter befeuern.
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Rückschlag im Kampf um Kristallkugel: Aicher patzt in Abfahrt
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