Die Wind-Gate-Kompensation macht es im Skispringen möglich, alle Springer unabhängig von den Bedingungen fair zu bewerten.
So weit die Theorie.
In der Praxis aber zeigt sich, dass ungünstige Windbedingungen trotz der daraus resultierenden Bonuspunkte ein eklatanter Nachteil sind.
Garmisch-Partenkirchen
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02/01/2022 AM 15:42
So gelang es beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen nicht einmal einem Weltklassemann wie Karl Geiger, bei schlechterem Wind den Anschluss an die Spitze zu halten.
Der "Absturz" auf 130 sowie 127,5 Meter und der damit verbundene siebte Platz entschieden die Tournee wohl vorzeitig gegen den Allgäuer.

Eisenbichler gegen Regelanpassung

Muss das Regelwerk also auf den Prüfstand gestellt werden?
"Nein", sagt Markus Eisenbichler. "Es ist gut, wie es ist. Man könnte eventuell ein wenig verfeinern, aber wir sind eine Freiluftsportart und jeder von uns hat mal schlechte Bedingungen", so der 30-Jährige, der auf der Großen Olympiaschanze bei passenden Windverhältnissen auf Platz zwei segelte und sich nur um die Winzigkeit von 0,2 Punkten Tournee-Leader Ryoyu Kobayashi geschlagen geben musste.

Zehntel-Entscheidung: Kobayashi hält dem Druck von Eisenbichler stand

Er fühle natürlich mit seinem Zimmerkollegen und Kumpel Geiger - chancenlos sei der in Garmisch trotz allem nicht gewesen.
"Karl hat nicht die Granaten gebracht, die er gebraucht hätte, sonst wäre er bei uns ganz vorne gelandet", erläuterte der sechsmalige Weltmeister, schränkte aber auch ein: "Wenn man gut in Form ist, kann man schlechte Bedingungen bis zu einem gewissen Grad kompensieren, aber nicht ganz vorne angreifen."

Eisenbichler stellt Forderung an die Jury

Eisenbichler machte sich indes weniger über das Reglement Gedanken, als vielmehr über den Ablauf des Wettkampfs.

Geiger schreibt Tournee-Sieg ab: "Frust ist ganz schön groß"

Der Jury mangele es da mitunter an Geduld. "Im Hinblick auf den Wind war der Korridor ziemlich groß. Das ging von mehr als zehn Pluspunkten bei der Kompensation bis hin zu mehr als zwei Minuspunkten", erklärte der DSV-Adler.
Dies sei durchaus zu verhindern. "Die Jury könnte manchmal länger warten und sollte sich nicht von den TV-Übertragungen, die wohl nach einer bestimmen Zeit enden müssen, unter Druck setzen lassen. Es dauert eben, so lange es dauert", stellte Eisenbichler klar.

Horngacher zieht positive Halbzeitbilanz

Bundestrainer Stefan Horngacher war dagegen bemüht, die positiven Aspekte in den Vordergrund zu stellen. "Es ist außergewöhnlich, dass wir mit Markus und Karl zwei Springer haben, die siegfähig sind. Es sind derzeit nur die beiden und ein, zwei andere Springer in der Lage, Kobayashi zu schlagen", ließ der Österreicher wissen.

Eisenbichler: "Was Kobayashi macht, ist mir egal"

"Der einzige Wermutstropfen ist das zweifache Windpech von Karl. Ich weiß auch nicht, warum ihm das ausgerechnet bei der Tournee passiert", sagte Horngacher und hofft nun auf "ausgleichende Gerechtigkeit" in Innsbruck und Bischofshofen.
Geiger habe indes seine Leistung "nüchtern eingeordnet" und lasse sich vom Pech am Neujahrstag sicher nicht unterkriegen. Der Tournee-Mitfavorit reist als Sechster der Gesamtwertung mit einer dicken Hypothek von 32,2 Punkten Rückstand auf Überflieger Kobayashi nach Innsbruck, der viertplatzierte Eisenbichler hat 21,1 Zähler weniger auf dem Konto als der Japaner.

Bittere Pille für Geiger: Zweimal Windpech und Riesenrückstand

"Was Kobayashi macht, ist mir egal"

Zumindest Eisenbichler wird maximal entspannt auf der Bergisel-Schanze an den Start gehen. "Mir ist wichtiger, dass ich im Gesamtweltcup weiter nach oben klettere. Das Tournee-Klassement ist mir relativ egal", will der Siegsdorfer seiner bisherigen Herangehensweise treu bleiben.
Und die Jagd auf Kobayashi? "Wir verstehen uns sehr gut und haben uns in Garmisch vor dem zweiten Sprung Glück gewünscht - aber was Kobayashi macht, ist mir egal."
WER GEWINNT DIE VIERSCHANZENTOURNEE?
Eurosport zeigt alle Springen der Vierschanzentournee in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen inklusive der Qualifikation LIVE im Free-TV. Werner Schuster kommentiert mit Gerhard Leinauer, Martin Schmitt analysiert mit Birgit Nössing im Studio. Alle Springen LIVE gibt's auch bei Eurosport mit Joyn+!
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