Rafael Nadal gewinnt in Acapulco und mischt die ATP-Tour auf - doch wie lange hält der fragile Höhenflug an?

Titel gewonnen, Startrekord ausgebaut und in der Weltrangliste auf dem Vormarsch: Rafael Nadal ist zweifelsohne der Mann der Stunde auf der ATP-Tour. In Acapulco holte der Grand-Slam-Rekordchampion bereits seinen dritten Titel des Jahres und bleibt 2022 weiter ungeschlagen. In Anbetracht seiner Vorgeschichte grenzt dies fast an ein Tennis-Wunder. Dennoch ist die Euphorie mit Vorsicht zu genießen.

Rafael Nadal - ATP Acapulco

Fotocredit: Getty Images

Selbst der gigantische Sombrero konnte Rafael Nadals breites Grinsen nicht verdecken, als er mit der berühmten Trophäe von Acapulco, der silbernen Birne, in der Hand für die Siegerfotos posierte.
Der 35-jährige Grand-Slam-Rekordchampion hat es schon wieder getan und bereits seinen dritten Titel in diesem Kalenderjahr geholt.
"Ich bin sehr zufrieden. Es war ein sehr wichtiger Titel für mich, deshalb kann ich nicht glücklicher sein. Die Energie, die die Menschen in Mexiko mir verleihen, ist einzigartig. Es war schon immer ein ganz besonderer Ort", freute sich der Spanier nach dem 6:4, 6:4-Finalsieg gegen den Briten Cameron Norrie, mit dem er eine nahezu perfekte Woche krönte.
Ohne einen einzigen Satzverlust marschierte Nadal in dominanter Art und Weise zum vierten Sieg in Acapulco und zum 91. ATP-Titel in seiner Karriere - nur Ivan Lendl (94), Roger Federer (103) und Jimmy Connors (109) haben mehr. Gleichzeitig baute er seinen persönlichen Startrekord im Jahr 2022 auf 15:0 Siege aus.

Nadal: "Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel"

Auf seinen historischen Lauf angesprochen, entgegnete Nadal auf der anschließenden Pressekonferenz: "Ich habe immer gesagt, dass ich diese Rekorde nach meiner Karriere zu schätzen werden weiß. Heute ist für mich am wichtigsten, dass ich ein sehr wichtiges und angesehen Turnier im Tenniszirkus gewonnen habe. Dazu waren bei diesem Turnier noch fünf der sechs besten Spieler der Welt vertreten. Das bedeutet, es war ein schwieriges Turnier. Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel."
In der Tat schlug einzig Novak Djokovic, der am Montag seine Spitzenposition in der Weltrangliste an Daniil Medvedev abtreten musste, aufgrund seiner verweigernden Haltung gegen das Coronavirus beim ATP-Turnier in Duabi auf, wo er etwas überraschend im Viertelfinale am Tschechen Jiri Vesely scheiterte. Ansonsten hatte sich die Tennis-Weltelite in Mexiko versammelt.
Auf dem Weg zum Titel nahm Nadal unter anderem den topgesetzten Medvedev in der Neuauflage des Australian-Open-Endspiels im Halbfinale höchstpersönlich aus dem Turnier und setzte damit ein dickes Ausrufezeichen.
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Nadal kann Erfolgsserie kaum fassen: "Genieße jeden Moment"

Quelle: Perform

Nadal rückt in der Weltrangliste vor

Nach dem Doppelschlag zu Jahresbeginn in Down Under, als er nacheinander das ATP-Turnier in Melbourne und die Australian Open gewann, sorgte er nun in Acapulco für den vorläufigen Höhepunkt seines imposanten Comebacks.
Auch in der Weltrangliste pirscht sich Nadal langsam, aber sicher wieder an die Spitzengruppe heran. Dank seines jüngsten Erfolgs rückt der 35-Jährige, der Ende des vergangenen Jahres aus den Top Fünf gefallen war, auf Rang vier vor hinter dem in Acapulco so unrühmlich gescheiterten Alexander Zverev.
"Es ist wirklich unglaublich, das Jahr so zu starten. Daran hätte vor anderthalb Monaten niemand gedacht", gestand Nadal.

Nadal schmettert Gerüchte um Karriereende ab

Ganz im Gegenteil: Nachdem der Routinier im vergangenen Jahr aufgrund einer hartnäckigen Fußverletzung monatelang außer Gefecht gesetzt war und sowohl Wimbledon als auch die US Open und die Olympischen Spiele in Tokio absagen musste, wurde bereits über ein drohendes Karriereende gemunkelt.
Die Ursache für Nadals Probleme ist die sogenannte Müller-Weiss-Krankheit, die bei ihm bereits im Alter von 19 Jahren diagnostiziert wurde. Dabei handelt es sich um eine degenerative Erkrankung des Kahnbeins im Mittelfuß, die zu einer Deformierung dieses Knochens führt. Bei Nadal ist der Knochen in zwei Hälften gespalten, wie er in der jüngeren Vergangenheit verriet: "Es ist ein Problem ohne Lösung."
Umso eindrucksvoller war seine Rückkehr auf die große Tennis-Bühne Anfang diesen Jahres. "Vor ein paar Wochen schien all das unmöglich zu sein. Ich war beinahe nicht in der Lage zu trainieren und jetzt bin ich hier. Es stimmt, dass ich in dieser Zeit eine positive Einstellung beibehalten habe und fleißig war, aber ich hätte mir nie vorstellen können, in dieser Situation zu sein", bekräftigte der 21-fache Grand-Slam-Champion.
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So holte sich Nadal den Titel in Acapulco

Quelle: SNTV

Nadal: Fokus auf Sandplatz-Saison

Dennoch ist die Euphorie mit Vorsicht zu genießen, wie der Mallorquiner während der Australian Open selbst betonte: "Man weiß nie, wie es läuft, wenn man von Verletzungen zurückkommt. Du musst immer von Tag zu Tag schauen."
Es wäre daher kaum verwunderlich, wenn sich Nadal, der auch auf der Meldeliste für das ATP-Masters in Indian Wells (10. bis 20. März) steht, in diesem Kalenderjahr immer wieder Auszeiten gönnen würde.
Schließlich dürfte der Fokus des 35-Jährigen auf der kommenden Sandplatz-Saison und allen voran den French Open (22. Mai bis 5. Juni live bei Eurosport mit Joyn+!) liegen, wo er seinen 13. Triumph und damit seinen 22. Grand-Slam-Titel ins Visier nimmt. In der Form, in der sich der Dominator auf der roten Asche gegenwärtig befindet, stehen die Chancen für jenes Unterfangen zweifelsohne nicht schlecht.
Bis dahin erfreut sich Nadal aber einfach daran, wieder auf dem Tennisplatz zu stehen: "Ich bin sehr glücklich und genieße jeden Moment."
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Nadal dreht gegen Medvedev auf: Genialer Konter und frecher Stopp

Quelle: Perform

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