Nach 4:07 Stunden Spielzeit verwandelte Rafael Nadal (Spanien/Nr. 6) bei Temperaturen jenseits der 30 Grad seinen ersten Matchball und reckte beide Fäuste in den Himmel.
Denis Shapovalov (Kanada/Nr. 14) zertrümmerte dagegen seinen Schläger und ließ ihn einfach am Netz liegen - so knapp war er am Halbfinale vorbei geschrammt.
"Ich weiß nicht, wie ich das geschafft haben. Ich war komplett zerstört", schilderte Nadal: "Es war sehr warm. Ich hatte zu Beginn des fünften Satzes ein bisschen Glück. Shapovalov hat sehr stark aufgeschlagen, er ist sehr talentiert. Ich hätte es vielleicht im dritten Satz schaffen können, danach bin ich müde geworden. Es ist unglaublich, im Halbfinale zu stehen."
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Wimbledon wie nie zuvor: "Die ganze Situation ist ein Chaos"
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Nadal enthüllte zudem, dass er nach seiner Fußverletzung vor Kurzem noch das Karriereende fürchtete: "Die komplette Wahrheit ist, dass ich vor zwei Monaten nicht wusste, ob ich überhaupt wieder auf die Tour zurückkehren kann. Jetzt bin ich hier - das ist für mich ein Geschenk. Und ich genieße es einfach."
Zum Nachlesen - so lief das Spiel zwischen Nadal und Shapovalov

Viertelfinale: Nadal ringt Shapovalov nieder - Highlights

Denis Shapovalov sorgt für Skandal

Shapovalov sorgte im Duell gegen Nadal nach dem ersten Satz für einen Aufreger, als er Schiedsrichter Carlos Bernardes Junior aus Brasilien wegen dessen nach Ansicht des Kanadiers zu laxen Umgangs mit der Shot Clock anfuhr.

"Ihr seid alle korrupt!" Shapovalov sorgt für Skandal

Nadal hatte nach dem Seitenwechsel für Shapovalov zu lange gebraucht, Bernardes Junior den Spanier aber nicht verwarnt. "Ihr seid alle korrupt", raunte der 22 Jahre alte Hitzkopf dem Schiedsrichter dann zweimal zu. Bernardes Junior verwarnte aber auch Shapovalov dafür nicht.
"Wenn der Schiedsrichter sich streng an die Regeln hält, hat Shapovalov Recht", meinte Eurosport-Experte Boris Becker: "Aber Spieler wie Nadal und auch Novak Djokovic oder Roger Federer haben sich einen gewissen Status erarbeitet - das muss man weiter verfolgen."

Shapovalov kritisiert Bevorzugung der Top-Stars - Becker: "Hat einen Punkt"

Shapovalov legt nach

Shapovalov meinte später auf der Pressekonferenz, er habe sich falsch ausgedrückt, legte aber nach: "Es ist einfach so frustrierend. Man hat das Gefühl, dass man nicht nur gegen seinen Gegner spielt, sondern auch gegen die Schiedsrichter." Er stehe zu seiner Meinung, "Ich denke, es ist unfair, mit wieviel Rafa davonkommt".
Auf die Frage, ob Grand-Slam-Rekordsieger Nadal von Schiedsrichtern bevorzugt behandelt werde, antwortete Shapovalov: "Ja, natürlich. Zu 100 Prozent."

Shapovalov kritisiert Bevorzugung von Nadal: "Ein großer Witz"

Nadal sah dies völlig anders. "Ich hatte nie das Gefühl, dass ich auf dem Court bevorteilt wurde. Ich glaube, in diesem Fall liegt Denis falsch", sagte der 35-Jährige: "Aber ich denke, er wird es ein wenig später verstehen, dass man ein bisschen mehr Zeit braucht, wenn man seine Klamotten wechselt."

"Ihr seid alle korrupt!" Was Shapovalov genau zum Schiedsrichter sagte

Rafael Nadal geht 2:0 in Führung - dann kommt Shapovalov auf

Zuvor hatte der Zverev-Bezwinger überhaupt nicht gut ins Match gefunden. Nadal breakte ihn bereits zum 3:1 und cruiste danach zum 6:3 durch. Nach Shapovalovs bewusst gesetztem Stilbruch brauchte der 35-Jährige im zweiten Durchgang ein wenig, um wieder zur Top-Form zu finden.
Der Kanadier kam besser in die Ballwechsel, doch wieder war es Nadal, der zum 4:3 breakte und so die Vorentscheidung zum Satzgewinn schaffte. Shapovalov hatte sich bis dato noch überhaupt keine Breakchance erarbeitet.

Was für eine Rückhand: Nadal passiert Shapovalov

Die bekam der 22-Jährige erst bei 3:2 im dritten Durchgang, Nadal wehrte aber beide Breakbälle des Kanadiers ab. Bis 5:4 Shapovalov blieb alles in der Reihe, dann aber sah sich Nadal bei eigenem Aufschlag plötzlich einem 0:40 ausgesetzt - Shapovalov nutzte seinen zweiten Satzball und verkürzte auf 1:2-Sätze.

Nadal baut ab - Shapovalov holt sich Satz drei mit toller Rückhand

Nadal kämpft mit Magenproblemen

Im vierten Durchgang machte sich dann bei Nadal der Bauch bemerkbar; der Spanier bewegte sich langsamer, ging nicht mehr jedem Ball hinterher und nahm sich nach einem abermaligen Break des Kanadiers beim Stand von 1:4 ein "medical time out". Dabei deutete Nadal an, dass er Probleme mit seinem Magen habe.
"Ich habe mich nicht mehr gut gefühlt mit meinem Magen. Ich habe ein paar Tabletten genommen", erklärte der Spanier später. Zudem habe er Atemprobleme gehabt.

Magenprobleme! Nadal braucht einen Arzt

Nadal kämpfte sich bei 3:5 nochmal zu zwei Breakchancen, Shapovalov blieb jedoch nervenstark und erzwang den Satzausgleich. Bei den Seitenwechseln ließ sich Nadal immer wieder kalte Luft aus einem Kühlschlauch ins Gesicht blasen.

Shapovalov diskutiert erneut - Nadal zieht es durch

Als Nadal nach Satz vier in der Kabine verschwand und länger als fünf Minuten brauchte - wie nach der neuen "toilet rule" vorgeschrieben -, diskutierte Shapovalov abermals mit dem Schiedsrichter. Eine Verwarnung blieb aber erneut aus.
Zu Beginn des Entscheidungssatzes bäumte sich der Mallorquiner nochmal auf. Trotz nachlassender Kräfte ging Nadal 2:0 in Führung, hatte dann aber erneut beim eigenen Service Probleme. Shapovalov hatte zweimal die Chance zum Rebreak, vergab die Breakchancen aber durch eigene Fehler. So konnte Nadal doch noch durchziehen.

Nadal belohnt sich für großen Kampf - der Matchball

"Nach der Tablette war es nicht wirklich besser, aber ich bin froh, dass ich im fünften Satz so stark serviert habe", meinte Nadal hinterher erleichtert.
"Das habe ich zu Beginn des fünften Satzes so nicht mehr gedacht", gab Eurosport-Experte Becker zu: "Rafa konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, aber er findet immer einen Weg. Seine mentale Stärke ist schon bemerkenswert. Am Ende tat mir Shapovalov ein bisschen leid. Er konnte den Ball nicht mehr spielen, war zu nervös, zu hektisch."

Nadal macht weniger Fehler als Shapovalov

"Das war ein unglaublicher Kraftakt, er war mehr als auf Reserve", meinte Eurosport-Expertin Barbara Rittner: "Ich habe immer gedacht: Schafft er es durchzuspielen oder fällt er um? Er konnte wirklich nicht mehr. Und er ist alles andere als ein Schauspieler. Hut ab vor diesem unglaublichen Kämpfer Rafael Nadal. Ich hatte wirklich Gänsehaut."

Nadal war am Ende: "Ich wollte einfach nur überleben"

Am Ende gaben 13 Punkte mehr für Nadal den Ausschlag (148:135). Der Spanier machte dabei auch deutlich weniger unerzwungene Fehler als sein Gegenüber (28:51) bei leicht weniger Gewinnschlägen (41:53). Während Shapovalov sechs seiner acht Breakchancen ungenutzt ließ, verwandelte Nadal drei von sieben - das reichte zum Matchgewinn (Match-Statistik).
"Shapovalov hat eine große Chance nicht genutzt, weil er leichte Fehler gemacht und das Spiel damit auch Anfang des fünften Satzes ein wenig hergegeben hat", so Rittner.

Nadal gerade erst zurück auf der Tour

Der Wimbledon-Halbfinalist hatte im Achtelfinale überraschend deutlich die deutsche Hoffnung Alexander Zverev (Hamburg/Nr. 3) bezwungen. Der Kanadier war in Melbourne zuvor bei vier Auftritten nie über die dritte Runde hinausgekommen - der Viertelfinal-Einzug bedeutete für ihn also schon eine persönliche Bestmarke.

Wahnsinn! Nadal gewinnt Punkt aus schier aussichtsloser Position

Im Halbfinale geht es nun am Freitag gegen Matteo Berrettini (Italien/Nr. 7).
Nadal hatte 2021 Wimbledon sowie die US Open wegen einer ihn schon seit 2005 begleitenden Fußverletzung verpasst und war erst zu den Australian Open wieder auf die große Tennisbühne zurückgekehrt.

Klasse reagiert: Nadal bärenstark am Netz

Nadal träumt weiter vom Grand-Slam-Rekord

Der 35 Jahre alte Spanier hatte vergangenes Jahr nach seiner Halbfinal-Niederlage bei den French Open gegen Novak Djokovic nur noch im August in Washington aufgeschlagen, danach aber die Saison wegen der Fußverletzung, die letztlich sogar operiert werden musste, beendet.
Nach seinem Comeback nach einem Showkampf gegen Shapovalov im Dezember find sich der Spanier zudem noch eine COVID-Infektion ein. Zu Jahresbeginn 2022 meldete sich der 20-fache Grand-Slam-Sieger dann allerdings gleich bärenstark mit dem Titel beim 250er-Turnier von Melbourne zurück.
"Er hat selbst gesagt, er hat sich so müde gefühlt, war dafür nicht vorbereitet", meinte Eurosport-Expertin Rittner: "Er hatte im Vorfeld Corona - da kommt dann vieles zusammen. Am Ende ist das Adrenalin pur, Wille pur, das Herz pur. Er hat alles reingelegt. Das ist das, was wir alle so an ihm lieben in den letzten 20 Jahren."

Nadal freut sich auf zwei Tage Pause

Nadal steht zum siebten Mal im Halbfinale der Australian Open. Der Spanier könnte in Melbourne seinen 21. Grand-Slam-Titel schaffen - das wäre Rekord vor Djokovic und Roger Federer (alle je 20), die beide in Melbourne nicht am Start sind.
Durch seinen Sieg gegen Shapovalov ist Nadal der viertälteste Spieler im Halbfinale der Australian Open. Bei allen vier Grand-Slam-Turnieren steht der Spanier zum 36. Mal unter den besten Vier - nur Federer (46 Halbfinals) und Djokovic (42) ist dies öfter gelungen.
Die Australian Open hat Nadal erst einmal gewinnen können (2009) - viermal verlor er im Finale (2012, 2014, 2017, 2019). Nach der kräfteraubenden Partie gegen Shapovalov freut sich der Spanier auf zwei Tage Pause bis zum Halbfinale.

Nadal enthüllt: Karriereende stand zur Debatte

"Ich bin keine 21 mehr, das ist jetzt wirklich gut, dass ich zwei Tage Pause habe. Ich habe mich eigentlich körperlich gut gefühlt, war beweglich, aber die Bedingungen hier verlangen einem alles ab", sagte Nadal: "Das war ein großer Test und ich glaube fest daran, dass ich fürs Halbfinale bereit sein werde.
Becker: "Jetzt geht es darum, das Match abzuhaken und sich auf die neuen Aufgaben vorzubereiten. Er ist körperlich noch nicht bei alter Stärke, dafür war er zu lange verletzt. Er spielt erst sein zweites Turnier in sechs Monaten. Es stellt sich die Frage, wie das Wetter wird ..."
Australian Open 2022: Ergebnisse Herren-Einzel

Weltklasse gespielt: Nadal düpiert Shapovalov mit Passierschlag

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Herren - Viertelfinale:

  • M. Berrettini (ITA/7) - G. Monfils (FRA/17) 6:4, 6:4, 3:6, 3:6, 6:2
  • R. Nadal (ESP/6) - D. Shapovalov (CAN/14) 6:3, 6:4, 4:6, 3:6, 6:3
  • S. Tsitsipas (GRE/4) - J. Sinner (ITA/11) 6:3, 6:4, 6:2
  • D. Medvedev (RUS/2) - F. Auger-Aliassime (CAN/9) 6:7 (4:7), 3:6, 7:6 (7:2), 7:5, 6:4
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