Australian Open 2025: Alexander Zverev nach klarer Finalniederlage gegen Jannik Sinner - raus aus der Opferrolle

Im Finale der Australian Open gegen einen überragenden Jannik Sinner verliert Alexander Zverev sein drittes Grand-Slam-Finale. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt, doch es gibt Hoffnung. Spielerisch hat er die richtigen Erkenntnisse längst gezogen und arbeitet hart an einer Verbesserung. Die mentale Einstellung gegen die besten Spieler der Welt ist allerdings noch verbesserungswürdig.

Finale: Zverev beißt sich an Sinner die Zähne aus - Highlights

Quelle: Eurosport

Am Sonntag gab es nichts, was Alexander Zverev hätte aufbauen können. "Ich habe noch mit niemandem ein Wort gesprochen", sagte er auf der Pressekonferenz und winkte enttäuscht ab.
Zu sehr schmerzte die dritte Niederlage in einem Grand-Slam-Finale nach 2020 bei den US Open und vergangenes Jahr bei den French Open.
Damals brachte er jeweils eine Führung nicht über die Ziellinie. Am Sonntag, im Finale der Australian Open gegen einen überragenden Jannik Sinner, wurde er, und das stellte Zverev selbst klar und deutlich fest, vom besseren Spieler besiegt.
So kurz nach dem erneut geplatzten Lebenstraum erschien das aus Spielersicht fast unmöglich, aber: Zverev muss aus dieser Niederlage einmal mehr gestärkt hervorgehen. Dass er das kann, hat er bereits zweimal bewiesen, zudem kehrte er nach einer schlimmen Sprunggelenksverletzung zu alter Leistungsfähigkeit zurück.
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Weltklasse-Rally in der Crunchtime: Zverev und Sinner zaubern

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Das hätte längst nicht jeder Spieler geschafft. Dennoch wird der Schmerz der Enttäuschung noch lange anhalten. Mut machen könnte Zverev bald der Blick auf sein weibliches Äquivalent.

Keys als Vorbild für Zverev

Madison Keys hatte bis zum Samstag - in abgeschwächter Form - eine vergleichbare Karriere sowie eine ähnliche Bürde zu tragen. Ein Grand-Slam-Finale sowie fünf Halbfinals verlor die 29-Jährige, die einst als kommender Superstar gehandelt wurde.
Zwar war sie viel weniger konstant auf der Tour als Zverev, aber den Makel als Unvollendete trug sie ebenso mit sich. Am Samstag gewann sie ihren ersten großen Titel und gab im "ESPN"-Interview einen ungewohnt tiefen Einblick in ihr Seelenleben.
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Top 5 shots from the Australian Open final as Keys stuns Sabalenka

Quelle: Eurosport

Sie habe hart an sich gearbeitet, damit sie diesen Grand-Slam-Titel nicht mehr brauche, erklärte Keys. "Ich wollte es wirklich. Aber es war nicht mehr länger die Sache, die mich als Person definiert. Diese Bürde in einer Art loszulassen, hat mit endlich die Fähigkeit gebracht, um einen Grand-Slam-Sieg zu spielen."
Wer die Enttäuschung Zverevs am Sonntag sah, wer exakt auf seine Wortwahl hörte, der konnte sich zumindest ansatzweise vorstellen, wie groß die Bürde auch für den besten deutschen Spieler seit Boris Becker mittlerweile sein muss.

Zverev und die negative Kommunikation

Es folgt ein Ausschnitt seiner Aussagen vom Sonntag. Mit Blick zu seinem Team um Vater Alexander senior sagte er während der Finalzeremonie mit stockender Stimme: "Danke an mein Team. Wir versuchen, all die richtigen Dinge zu tun. Ich bin aber einfach nicht gut genug." Bruder Mischa rang in diesem Moment mit den Tränen.
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Zverev nach Final-Pleite gegen Sinner: "Das beschissenste Gefühl"

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In der Pressekonferenz erklärte Zverev später: "Beim Grand Slam in einem Finale zu verlieren, ist das beschissenste Gefühl, dass es auf der Welt gibt." Er wolle "auch so ein Ding gewinnen und nicht nur im Finale stehen". Und am Ende: "Ich möchte nicht als bester Spieler in die Geschichte eingehen, der nie einen Grand-Slam-Titel gewann."
Spielerisch hat er die richtigen Schlüsse aus der Vergangenheit bereits gezogen. Er ist keineswegs mehr der defensiv orientierte Spieler, gefangen im Körper eines fast zwei Meter großen Sportlers, von dem die Tenniswelt schon in jungen Jahren eher brutales, offensives und volleyorientiertes Tennis erwartete.
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Becker exklusiv zum Finale: "Es war Sinners bestes Match"

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Mit seiner Fehlervermeidung bei gleichzeitigem hohen Grundtempo kam Zverev ja sehr weit, besiegte mit einer beeindruckenden Grundfitness selbst an durchschnittlichen Tagen nahezu jeden Profi außerhalb der Top fünf der Weltrangliste. Auch die besser platzierten Akteure hat er im Best-of-three-Modus bei zwei Gewinnsätzen alle schon mehrmals geschlagen.

Zverevs Horror-Bilanz

Bei Grand Slams dagegen liegt eine vernichtende Bilanz vor. Bei 14 Versuchen besiegte Zverev nur einmal einen Top-5-Spieler - im Vorjahr bei den Australian Open gegen Carlos Alcaraz. Im November 2024 blieb Zverev im Moment einer bitteren Niederlage zum ersten Mal seiner spielerischen Neuausrichtung treu. Zverev war nach unbefriedigenden Ergebnissen in Paris und New York aus seiner Wohlfühlzone entwischen, wechselte seinen Schläger und arbeitet seit geraumer Zeit, offensiver zu agieren und dabei näher an der Grundlinie zu verharren.
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Frustabbau im Finale: Zverev malträtiert Schläger

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Trotz der so bitteren, weil knappen Halbfinal-Niederlage gegen Taylor Fritz, bekannte er sich zu der Veränderung. Mit Blick auf die Australian Open 2025 sagte der Weltranglistenzweite damals: "Diese Änderungen sind keine Sache von ein paar Tagen oder ein oder zwei Wochen. Es wird ein Prozess sein. Hoffentlich kann ich dann in Australien dieses aggressivere Tennis auch in den ganz wichtigen Momenten bestätigen - ohne die Fehler. Dass ich nicht sofort erfolgreich sein werde in den wichtigsten Momenten, das ist okay."
Mit Blick auf das Turnier und das Finale am Sonntag muss konstatiert werden: Zverev hat große Fortschritte gemacht, spielt deutlich offensiver. Es gibt immer noch Momente wie im Viertelfinale gegen die Nummer elf der Welt, Tommy Paul, in denen er in alte Muster zurückfällt. Diese korrigiert er aber schneller als früher. Im Finale allerdings ließ er sich vom - zugegeben - außerirdischen Niveau Sinners schnell beeindrucken. Die große Schwäche Zverevs, der Vorhandreturn sowie die offensiv geschlagene Vorhand im Allgemeinen, an denen er viel gearbeitet hat, wurden von Sinners Grundtempo offengelegt. Zu Beginn des dritten Satzes hatte Zverev 19 Fehler mit der Vorhand angesammelt. Doch an den technischen und sportlichen Baustellen arbeitet er bereits hart.

Fragezeichen hinter Zverevs mentaler Verfassung

Fragezeichen stehen noch hinter seiner mentalen Verfassung. Während er gegen Spieler außerhalb der Top fünf auf jedem Platz dieser Welt selbstbewusst auftritt und in engen Momenten fantastisches Tennis abrufen kann, gelingt ihm das gegen die besten Spieler bei den Major-Turnieren zu selten.
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Sinner punktet wunderbar, Zverev kontert spektakulär

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Bis Zverev sein herausragendes Niveau der vergangenen zwei Wochen erreichte, war der erste Satz im Finale bereits vorbei. Sinner breakte Zverev zum 5:3. Bezeichnend: In den Sekunden vor Beginn des Aufschlagspiels gab es Verzögerungen und Unstimmigkeiten bei der Anlieferung eines frisch gespannten Schlägers für Zverev. Sinner nutzte die Situation eiskalt aus.
In der Folge blickte Zverev immer öfter hilfesuchend in seine Box, die Körpersprache veränderte sich. Von einem durch eine brutale Vorbereitung und einigen Siegen gestählten Zverev hin zu einer, zugegeben vom besten Spieler der Welt und dessen Niveau, verunsicherten Person, die ohne Überzeugung agiert. Das zeigten auch einfachere Fehler mit der sonst so starken Rückhand.

Zverev kann sich nur selbst helfen

Wenn Zverev in diesen großen Matches durch ein hervorragendes Level der Kontrahenten Druck verspürt, muss er in Zukunft nicht nur spielerisch und kämpferisch dagegenhalten. Was er am Sonntag zweifelsfrei bis zum Ende versuchte. Aber er muss auch länger sein selbstbewusstes Ego präsentieren, selbst, wenn es im Inneren anders aussieht. Unsicherheiten wie nach den Problemen bei der Saitenbespannung nutzen Überspieler wie Sinner sofort aus.
Helfen kann sich Zverev nur selbst, wenn er dem eingeschlagenen Weg treu bleibt und an der offensiveren Grundausrichtung arbeitet und zwar gegen jeden Gegner und die mentale Komponente verinnerlicht. Das kann an einem schlechteren Tag auch mal schief gehen. Gegen die besten Gegner der Welt, die Sinners, die Alcaraz' und die Djokovic', ist das aber der Schlüssel zum ersehnten Grand-Slam-Erfolg. Die nächste Chance bietet sich bei Zverevs Lieblingsturnier auf Sand - den French Open im Mai.
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Zverev zeigt Größe nach Finale: "Sinner mit Abstand der Beste"

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