Jannik Sinner geht mit Verzicht auf Davis-Cup-Heimspiel unpopulären Weg - warum die Entscheidung nachvollziehbar ist

Jannik Sinner hat mit seiner Entscheidung, seine Teilnahme am Davis Cup in Bologna abzusagen, eine Debatte losgetreten. Italiens Tennis-Prominenz pendelt zwischen Kritik und Verständnis. Der Verzicht des 24-Jährigen ist ebenso bemerkenswert wie nachvollziehbar. Sinner hat seine Einzelkarriere auf den maximalen Erfolg ausgerichtet und entsprechend gehandelt. Dafür nimmt er Gegenwind in Kauf.

Sinner will Spiel anpassen: "Geht nicht nur um Carlos"

Quelle: Perform

Der Davis Cup kehrt nach Italien zurück. 27 Jahre nach dem Finale von Mailand 1998 wird der wichtigste Team-Titel in Bologna vergeben. Die Azzurri schlagen als amtierender Champion auf, die Unipol Arena dürfte zum Hexenkessel werden.
Nur: Der beste Tennisspieler in der Geschichte Italiens fehlt. Nicht, weil er verletzt ist, sondern weil er die Woche vom 18. bis 23. November zur Regeneration benötigt, um die Saison 2026 möglichst gut vorbereiten zu können.
Es sei "keine leichte Entscheidung" gewesen, teilte Sinner mit, aber nach den ATP Finals in Turin sei es "das Ziel, in Australien einen guten Start hinzulegen". Eine schlüssige Erklärung, aber keine populäre. "Denk noch mal darüber nach", forderte die "Gazzetta dello Sport". Einstige Davis-Cup-Helden gingen den viermaligen Grand-Slam-Turniersieger wesentlich schärfer an.
"Das ist ein schwerer Schlag ins Gesicht der italienischen Sportwelt", nahm Nicola Pietrangeli im Interview mit der Nachrichtenagentur "Ansa" kein Blatt vor den Mund. Der 92-Jährige führte Italien 1976 als Teamkapitän zum ersten Davis-Cup-Titel.

Bertolucci stärkt Sinner den Rücken

Einer seiner damaligen Spieler war Adriano Panatta - und auch der zählte Sinner an. "Wenn es aus meiner Mannschaft jemand getan hätte, hätten ihn die Kollegen und der Kapitän auf die härteste Art und Weise zur Rede gestellt", befand der 75-Jährige im Gespräch mit dem "Corriere della Sera".
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Jannik Sinner verzichtet auf das Davis Cup Final 8 in Bologna

Fotocredit: Getty Images

Paolo Bertolucci, ebenfalls einer der Champions von 1976, sprang Sinner dagegen bei. "Jannik ist ein freischaffender Profi, der keinem Verein oder Verband angehört."
Der Südtrioler sei "auf eigene Kosten der Spieler geworden, der er jetzt ist". Das Nationaltrikot sei zwar wichtig, "aber im Tennis ist es nicht so wie beispielsweise im Fußball", führte Bertolucci aus. Sinner habe überdies "einen großen Teil dazu beigetragen, dass Italien zwei Mal den Davis Cup für sich entscheiden konnte".

Sinner: Warum die Match-Statistik nicht relevant ist

Rein statistisch betrachtet erscheint es auf den ersten Blick verwunderlich, dass der Weltranglistenzweite in Bologna nicht am Start ist. Sinner kommt in der laufenden Saison - ohne Hinzunahme der Teilnahme am Six Kings Slam in Riad - nur auf 50 Matches. Der Grund liegt auf der Hand: Der Superstar war nach den Australian Open aufgrund seiner positiven Dopingproben aus der Saison 2024 für drei Monate gesperrt.
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Der Matchball: Sinner macht Titel gegen Zverev perfekt

Quelle: Eurosport

Aufgrund der niedrigeren Zahl an Einsätzen und Turnieren wirkt es natürlich unglücklich, wenn andere Topspieler wie Alexander Zverev (70 Partien) oder Carlos Alcaraz (74 Spiele) ihre Teilnahme am Davis Cup zugesagt haben.
Sinner aber geht es um die Zeit, die zwischen dem Ende dieser Spielzeit und dem Beginn der kommenden liegt. Würde er in Bologna aufschlagen, blieben danach nur fünf Wochen bis zu den ersten ATP-Events der Saison 2026.
"Ich brauche eine Extra-Woche Pause, um mich auf die neue Saison vorzubereiten. Eine Woche scheint auf den ersten Blick nicht viel zu sein, macht in Wirklichkeit aber einiges aus", erklärte der amtierende Australian-Open- und Wimbledonsieger.

Alcaraz contra Sinner - Duell um Platz eins spitzt sich zu

Tatsächlich dürfte es im Kampf um Platz eins im ATP-Ranking gleich zu Beginn des Jahres 2026 spannend werden. Sinner, aktuell 1340 Zähler hinter Branchenprimus Alcaraz zurück, muss bei den Australian Open als Titelverteidiger 2000 Punkte verteidigen. Der Spanier, der im Viertelfinale ausschied, dagegen nur 400.
Theoretisch besteht sogar die Chance für Sinner, noch zum Ende dieser Saison Alcaraz vom Thron zu stoßen. Dafür muss bei den ausstehenden Wettbewerben in Wien, beim Masters in Paris und bei den ATP Finals in Turin alles für den Südtiroler laufen.

Sinner startet standegemäß in Wien

Immerhin: Während die Nummer eins der Welt in dieser Woche pausiert, hat Sinner in Wien die Möglichkeit, ein wenig Boden gutzumachen. Zum Auftakt gelang dem Favoriten ein souveräner 6:0, 6:2-Erfolg gegen Daniel Altmaier.
"Ich habe im ersten Satz kaum Fehler gemacht", zeigte sich der 24-Jährige hochzufrieden mit seiner Leistung. Im Achtelfinale ließ er seinem Landsmann Flavio Cobolli beim 6:2, 7:6 (7:4) auch kaum eine Chance.
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Es bleibt dabei: Sinner behält weiße Weste gegen Landsmänner

Quelle: Perform

Die gute Form will er noch bis mindestens 16. November, wenn steht das Endspiel der Finals von Turin ansteht, konservieren. Danach ist das "Geschäftsjahr" abgeschlossen. Und so ergibt Sinners Entscheidung - insgesamt betrachtet - durchaus Sinn, auch wenn er für den unpopulären Schritt noch eine gewisse Zeit lang mit Gegenwind rechnen muss.
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Sinner macht kurzen Prozess mit Altmaier

Quelle: SNTV


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