French Open: Italien auch ohne Jannik Sinner groß: Flavio Cobolli und Matteo Arnaldi haben die Chance ihres Lebens
Publiziert 05/06/2026 um 10:05 GMT+2 Uhr
Der Weltranglistenerste Jannik Sinner ist bei den French Open überraschend früh ausgeschieden, doch die Italiener trumpfen auch ohne ihren größten Star auf. Drei Spieler aus Italien standen im Viertelfinale von Roland-Garros, das gab es noch nie. Flavio Cobolli und Matteo Arnaldi sind noch immer dabei, einer wird es ins Finale schaffen. Das Mittelmeerland erlebt einen wahren Tennis-Boom.
Viertelfinale: Cobolli dreht Viertelfinale gegen Auger-Aliassime - Highlights
Quelle: Eurosport
Er streckte seinen Zeigefinger aus Richtung Trainerbank, bevor er die Faust ballte und grinste. Damit hatte Flavio Cobolli wohl selbst nicht gerechnet.
Es sei "der beste Court", auf dem er je gespielt habe, sagte der 24-Jährige nach seinem Viersatzsieg gegen den Kanadier Félix Auger-Aliassime.
"Ich habe gespürt, das ist die Chance meines Lebens", betonte Cobolli und fügte an, dass es "die beste Woche meines Lebens" sei.
Im Halbfinale (Freitag ab 19:00 Uhr im Liveticker und im Stream bei HBO Max) trifft der Italiener auf seinen Landsmann Matteo Arnaldi, ebenfalls überraschend unter den Top vier in Roland-Garros. Sein Gegner Matteo Berrettini hatte im Viertelfinale aufgegeben.
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Cobolli komplett geflasht: "Die beste Woche meines Lebens"
Quelle: Eurosport
Drei Italiener im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers: Das hat es seit Beginn der Open Era 1968 nicht gegeben. Dabei ist der Weltranglistenerste, der Südtiroler Jannik Sinner, bereits in der zweiten Runde ausgeschieden. Das italienische Tennis erlebt eine beeindruckende Phase der Stärke.
Sinners Aus motiviert die Landsleute
Er werde sicher "glücklich" sein darüber, dass ein Italiener im Finale des zweiten Grand Slam des Jahres steht, sagte Cobolli im Interview nach seinem Viertelfinale und grüßte damit den Präsidenten des italienischen Tennisverbands (FITP), Angelo Binaghi.
Tatsächlich kann sich der Verband über diesen Umstand freuen - vielleicht noch mehr als in den vergangenen Monaten und Jahren, als mit Sinner die Galionsfigur des Sports konstant gewann.
Spätestens jetzt aber zeigt sich, wie sich die gute Nachwuchsarbeit der Italiener im Tennis auszahlt. Dass Sinner in der zweiten Runde gegen Juan Manuel Cerúndolo ausschied, dürfte seine Landsleute umso mehr angespornt haben.
"Die Art und Weise, wie sie alle einen Gang zugelegt haben - das ist wirklich unglaublich inspirierend", sagte der frühere britische Topspieler Tim Henman bei Eurosport.
Italien investiert Talentförderung
Dass das italienische Tennis strukturell boomt, zeigt sich unter anderem durch die Masse an guten Spielern: Neben Sinner (Weltranglistenplatz 1) und Cobolli (14) spielen auch Lorenzo Musetti (12) und Luciano Darderi (17) weit oben mit. Matteo Berrettini (aktuell 105) ist ebenfalls ein früherer Top-Ten-Spieler und Wimbledon-Finalist. Matteo Arnaldi (104) schaffte es schon in die Top 30. Die letzten drei Davis-Cup-Titel gingen allesamt an die Squadra Azzurra.
Der italienische Tennis-Verband hat massiv in den Ausbau der Strukturen sowie in kleinere ITF-, Challenger- und größere Turniere investiert. Ab 2028 gibt es ein neues ATP-Rasenturnier im Norden des Landes.
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Flavio Cobolli hat in Paris das Halbfinale erreicht
Fotocredit: Getty Images
Laut der italienischen Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" generiert Tennis in Italien inzwischen mehr Einnahmen als der Fußball, was nicht zuletzt vom Erfolg und Misserfolg der Spieler und Teams abhängt.
Auch in der Breite erlebt Tennis einen Boom. "Rai" berichtet, dass sich die Anzahl der Tennisspielenden seit 2020 vervierfacht hat auf über sechs Millionen Aktive.
Cobolli, Arnaldi: Wer sind die beiden Halbfinalisten?
Der Weg des Favoriten im italienischen Halbfinale der French Open zeigt wohl am schönsten, dass sich Italien von der Fußball- zur Tennisnation gewandelt hat. Denn Flavio Cobolli soll als kleiner Junge sowohl einen Tennisschläger als auch ein Trikot von AS-Rom-Legende Francesco Totti geschenkt bekommen haben.
Der heute 24-Jährige spielte lange beides, entschied sich dann aber mit 13 Jahren für den kleinen gelben Filzball und ist damit erfolgreich gefahren. 2025 schaffte es der Mann mit der beeindruckenden Athletik und der starken Vorhand in die Top 20 der Weltrangliste.
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Matteo Arnaldi
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Ausdauernder dürfte Matteo Arnaldi sein, der von Medien als "Marathonmann" betitelt wird. Bis zum Viertelfinale hat kein anderer Spieler mehr Zeit auf dem Platz verbracht hat. Gegen Frances Tiafoe spielte er fünf Stunden bis zum Sieg.
"Er kann dich mit der Rückhand schlagen, er kann dich mit der Vorhand schlagen. Am meisten beeindruckt mich wahrscheinlich seine Fähigkeit, extremer Erschöpfung standzuhalten", urteilte US-Tennis-Legende Jim Courier bei Eurosport.
Wie auch immer das Halbfinale ausgeht: Das italienische Tennis hat schon jetzt gewonnen.
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Abergläubischer Cobolli verrät: "Nutze die gleiche Dusche wie Nadal"
Quelle: Perform
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