Erling Haaland schlug die Hände verzweifelt vor sein Gesicht.
Als Schiedsrichter Manuel Gräfe exakt um 17:23 Uhr die Partie zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt beendete, wusste jeder im Lager der Schwarz-Gelben, dass der Traum von der Champions League und somit einem versöhnlichen Saisonabschluss so gut wie ausgeträumt ist.
Stattdessen nimmt das sowohl sportlich als auch finanzielle Worst-Case-Szenario - das erstmalige Verpassen der Königsklasse seit sechs Jahren - langsam aber sicher Gestalt an.
Bundesliga
Hummels rechnet mit Konsequenzen beim BVB: "Großes Loch gegraben"
03/04/2021 AM 17:25
Satte sieben Zähler Rückstand hat der BVB nach der 1:2 (1:1)-Heimpleite im viel zitierten "Endspiel" gegen Frankfurt nun auf ebenjene Mannschaft von Trainer Adi Hütter.

Hummels schreibt Champions League ab

"Die Chance, dass wir die Champions League noch erreichen, ist klein. Wir müssen jetzt schauen, dass wir unsere Siege einfahren. Wir haben uns mit den Spielen in Köln (2:2) und gegen Frankfurt ein großes Loch gegraben", erklärte ein sichtlich niedergeschlagener Mats Hummels am "Sky"-Mikrofon und ergänzte:
"Wenn man realistisch ist, dürfte es selbst mit sechs oder sieben Siegen sehr schwer werden, noch auf Platz vier zu kommen. Von daher wird das jetzt erst mal nicht mehr unser Thema sein."
Viel Zeit, um über den neuerlichen Rückschlag nachzudenken, haben die BVB-Stars aber ohnehin nicht. Schließlich steht am kommenden Dienstag bereits das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Manchester City (21:00 Uhr im Liveticker) an. Allerdings muss das Team von Trainer Edin Terzic dann ein anderes Gesicht zeigen als in der Bundesliga gegen die Eintracht, wie Hummels verdeutlichte.
"Wir haben locker ein Dutzend gefährliche Situationen nicht gut ausgespielt. Es war zu unsauber, zu unkonzentriert, technisch nicht gut genug. Da sind uns andere Mannschaften voraus", legte der ehemalige Nationalspieler den Finger gnadenlos in die Wunde.

Silva zerstört Dortmunds Hoffnungen

So überrascht es kaum, dass der einzige Treffer einer aus dem Spiel heraus insgesamt fahrigen Borussia aus einer Standardsituation resultierte. Nach der Ecke von Marco Reus und einer eher unkonventionellen Ablage von Emre Can konnte Hummels den frühen Rückstand - verursacht durch ein Eigentor von Nico Schulz (11.) - egalisieren (45.).
Dass es letztlich jedoch nicht einmal für einen Punkt reichte, lag an Eintracht-Torjäger André Silva, der die Hausherren für deren Unkonzentriertheit in der Defensive mit dem späten Knockout bestrafte (87.).
"Wir brauchen nicht groß drumherum zu reden und irgendwelche Durchhalteparolen zu schmettern. Es sind jetzt sieben Punkte, aber auch noch sieben Spiele. Es ist definitiv nicht leichter geworden, aber es ist noch möglich", konstatierte Terzic.

André Silva (Eintracht Frankfurt) erzielt den 2:1-Siegtreffer gegen Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Kehls Kampfansage geht nach hinten los

Dabei waren die Verantwortlichen der Schwarz-Gelben vor dem Topspiel gegen Frankfurt noch mit ungewohnt forschen Tönen vorgeprescht.
"Wir sind in der Lage, die Frankfurter zu schlagen", schickte Lizenzspielerberater Sebastian Kehl eine Kampfansage in Richtung der Gäste und betonte: "Ich möchte mich mit keinem Negativszenario beschäftigen."
Nun, nach der vierten Heimpleite in der laufenden Bundesliga-Spielzeit, wird er es jedoch müssen. Schließlich hätte das Verpassen der Champions League für den BVB gerade in Zeiten der Corona-Pandemie gravierende Folgen.
"Das wäre eine Katastrophe", schlug Hummels Alarm und begründete: "Logischerweise hat es finanziell Konsequenzen: Dass man einen nicht kaufen kann, den man will oder einen verkaufen muss."
Die Rede dürfte selbstverständlich von Haaland sein, dessen Vater Alf-Inge und Berater Mino Raiola in den vergangenen Tagen mit Stippvisiten in Spanien und England für mächtig Wirbel gesorgt hatten.

Haaland wohl nur die Spitze des Eisbergs

"Sky"-Experte Dietmar Hamann ging sogar noch einen Schritt weiter und attackierte den Tross des 20-Jährigen für jenes Verhalten scharf.
"Natürlich verunsichert das die Mannschaft, wenn der Vater eines Mitspielers in Barcelona verhandelt und überall in der Presse darüber berichtet wird. Das kann mir keiner erzählen, dass das beim BVB keine Rolle spielt", schimpfte der Ex-Bayern-Profi und nahm diesbezüglich auch die Verantwortlichen der Borussia in die Pflicht:
"Mich wundert, dass da kein Kehl oder Zorc mal ein Machtwort spricht und sagt: 'So geht das nicht. Du hast hier noch drei Jahre Vertrag und wenn wir wollen, dann spielst du noch drei Jahre hier.'"
Jedoch dürfte Haaland nur die Spitze des Eisbergs sein. Auch andere begehrte Spieler wie Jadon Sancho, der bereits im vergangenen Sommer vor einem Wechsel zu Manchester United stand, werden mit der Perspektive der Europa League vermutlich das Weite suchen.
Eingebrockt hat sich der BVB jene Situation, nicht zuletzt aufgrund der Niederlage am Samstag, jedoch selbst.
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