Es lief die 84. Minute am Samstagabend im Signal-Iduna-Park, als Borussia Dortmunds Kapitän Marco Reus zu seiner letzten Tat im Heimspiel gegen Hertha BSC schritt.
Sichtlich angeschlagen humpelte der 31-Jährige in Richtung Emre Can, um ihm vor seiner bevorstehenden Auswechslung die Spielführer-Binde auszuhändigen.
Obwohl es sich bei jener Übergabe lediglich um eine Randnotiz beim 2:0-Erfolg des BVB über die Berliner Hertha handelte, war es doch ein Bild mit Symbolcharakter.
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Wie so häufig in den vergangenen Wochen ging Can auch im Heimspiel gegen die Alte Dame voran und trug erneut seinen Teil dazu bei, um die Dortmunder Aufholjagd in der Bundesliga am Leben zu halten.

BVB schüttelt die Krise ab

Nachdem die Mannschaft von Trainer Edin Terzic gerade zu Beginn des Jahres ordentlich kriselte, konnten die Schwarz-Gelben zuletzt drei Siege in der Liga einfahren. Einzig bei der dramatischen 2:4-Pleite im Topspiel beim FC Bayern ging der BVB leer aus. Der zwischenzeitliche Rückstand von sechs Zählern auf die Champions-League-Plätze konnte so auf zwei Pünktchen eingedampft werden.
Zwischen den Erfolgen in der Bundesliga konnte die Borussia zudem den Einzug in die Vorschlussrunde des DFB-Pokals sowie das Erreichen des Viertelfinals in der Königsklasse bejubeln.
"Wir fühlen uns gut, haben in den vergangenen Wochen meist wieder guten Fußball gespielt. Und auch wenn wir mal nicht gut gespielt haben, haben wir gut gearbeitet und gewonnen. So muss es weitergehen", erklärte Can nach dem jüngsten Sieg gegen die Hertha und betonte:
"Wir müssen jedes Spiel als K.o.-Spiel sehen, denn wir wollen nächstes Jahr auf jeden Fall in der Champions League dabei sein. Das wird nicht einfach, aber wir haben alles selbst in der Hand. Wir müssen einfach von Spiel zu Spiel schauen".

Mats Hummels (links) und Emre Can - Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Dortmunds Defensive auch dank Can ein Bollwerk

Auch wenn jene Phrase etwas abgedroschen klingt, tut der BVB in der Tat weiter gut daran, den Ball flach zu halten und sich auf die Grundtugenden wie eine solide Defensivarbeit zu besinnen - womit man schnell wieder bei Can angelangt wäre.
Der deutsche Nationalspieler musste aufgrund der Ausfälle von Dan-Axel Zagadou und Manuel Akanji (beide Muskelfaserriss) als eine Art Notnagel den Platz in der Abwehrzentrale an der Seite von Mats Hummels einnehmen. Jedoch machte er seine Sache bislang mehr als ordentlich, wie Terzic bestätigt:
"Wir sind sehr froh, einen Spieler wie Emre zu haben, der seine Qualität auf jeder Position einbringen kann. Er ist einer unserer absoluten Führungsspieler und macht seine Sache seit Wochen sehr gut. Egal ob im Mittelfeld, als rechter Außenverteidiger oder rechts innen."
Auch ein Blick in die Statistiken belegt das.
Die nicht immer sattelfeste Defensive kassierte in den vergangenen fünf Partien, in denen Dortmund mit einer Viererkette auflief, einzig beim Remis in der Champions League gegen den FC Sevilla zwei Gegentreffer (2:2). In den anderen vier Spielen behielt der BVB dagegen eine weiße Weste.
Dass dies nicht zuletzt auch ein Verdienst von Can ist, weiß Terzic, der seinen Schützling nach dem 1:0-Erfolg im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Mönchengladbach ein Sonderlob ausstellte.
"Er nimmt wirklich jede Position so an, wie es das Team benötigt, und er macht es auf jeder Position gut. Wir wissen, dass es nicht seine Lieblingsposition ist, das ist klar. Aber die Situation war verletzungsbedingt so, dass wir basteln mussten", sagte der 38-Jährige dem "Kicker": "Wir sind unendlich glücklich, dass wir jemanden wie Emre haben, der die Aufgabe so annimmt, sich so in den Dienst der Mannschaft stellt und sein Ego zurückschiebt, um ihr zu helfen."

Can sucht beim BVB weiter seine Rolle

Trotzdem lässt sich die Tatsache, dass Can nach wie vor keine Stammposition gefunden hat, nicht von der Hand weisen. Schon zu Saisonbeginn wurde er - noch von Lucien Favre - immer wieder hin und hergeschoben.
Mittlerweile sind sowohl Zagadou als auch Akanji wieder von ihren Zwangspausen zurück und melden - berechtigte - Ansprüche in der Abwehrzentrale an.
Im defensiven Mittelfeld, wo der 27-Jährige eigentlich beheimatet ist, glänzten Mahmoud Dahoud und Jude Bellingham zuletzt mit wiederholt starken Auftritten. Gegen offensivstarke Teams durfte zudem häufig Thomas Delaney ran, der seine Sache ebenfalls souverän machte.
Somit dürfte sich Terzic schon bald wieder mit der Frage konfrontiert sehen, auf welcher Position er denn mit Can plant. Zumal sich das Wechselspiel beim BVB für den Abräumer bereits negativ ausgewirkt hat.
Für die Länderspiele Ende des vergangenen Kalenderjahres gegen Tschechien (1:0), Ukraine (3:1) und Spanien (0:6) wurde er von Bundestrainer Joachim Löw durchaus überraschend nicht berücksichtigt - lediglich eine Momentaufnahme oder schon ein Fingerzeig Richtung EM?
Fakt ist, Can muss endlich seine Rolle in Dortmund finden, um sich sowohl Löw als auch im Hinblick auf die neue Saison bei Neu-Coach Marco Rose unverzichtbar zu machen.
Terzic will Cans Position derweil "von Spiel zu Spiel entscheiden". Die Suche geht also weiter...
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