Transfer-Poker um Erling Haaland: Es bahnt sich ein Dreikampf zwischen Liverpool, Manchester City und PSG an

Der Transfer-Poker um Borussia Dortmunds Erling Haaland geht langsam, aber sicher in die heiße Phase. Zuletzt sorgte Mino Raiola, der Berater des Stürmers, mit offensiven Aussagen für Aufsehen. Doch welcher Verein hat die besten Karten für eine Verpflichtung? Eurosport.de zeigt die Transfer-Optionen des BVB-Stars auf und schätzt die Chancen der einzelnen Klubs mit Experten aus ganz Europa ein.

Erling Haaland - Borussia Dortmund

Fotocredit: Imago

Mino Raiola ist kein Mann der leisen Töne.
Äußert sich der Star-Berater zu einem seiner Klienten, hinterlässt er in der Regel ein großes mediales Echo - so auch zuletzt im Fall Erling Haaland.
Darauf angesprochen, wann bei Borussia Dortmunds Topstürmer der nächste Karriereschritt kommen werde, antwortete der 54-Jährige im "Sport1"-Interview: "Vielleicht diesen Sommer, vielleicht im Sommer danach. Es ist aber eine große Chance, dass Erling diesen Sommer schon geht. Er kann und wird den nächsten Schritt machen. Bayern, Real, Barcelona, City - das sind die großen Vereine, zu denen er gehen kann."
Auch wenn Raiola wenige Tage später im Twitch-Stream des spanischen Journalisten Gerard Romero seine Aussagen revidierte ("Ich meinte nicht, dass Haaland zu einem dieser vier Klubs gehen wird. Ich kann auch noch andere Klubs aufzählen: Madrid, Barça, Atlético, Chelsea, Liverpool"), war seine Botschaft klar: Es bahnt sich im Sommer ein Wettbieten der europäischen Schwergewichte um die Dienste des Stürmers an.

Haaland-Abschied aus Dortmund bahnt sich an

Haalands Kontrakt beim BVB ist noch bis 2024 datiert, jedoch kann der 21-Jährige dank einer Ausstiegsklausel, die laut übereinstimmenden Medienberichten zwischen 75 und 90 Millionen Euro liegen soll, bereits im kommenden Sommer den Verein verlassen.
Ein Szenario, das laut Raiola mehr und mehr Konturen annimmt. "Die großen Deals werden ein oder zwei Jahre im Vorfeld sorgfältig vorbereitet. Wir sind seit zwei Jahren am Denken, Tun und Machen. Wir haben klare Vorstellungen, wohin es mal für Erling gehen soll und schauen natürlich, was der Markt hergibt", sagte der Italiener gegenüber "Sport1".
Es stellt sich jedoch nach wie vor die Frage, wohin es den Ausnahmestürmer ziehen könnte. Eurosport.de zeigt die Transfer-Optionen des 21-Jährigen und schätzt die Chancen der jeweiligen Klubs mithilfe von Experten aus ganz Europa ein.
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Erling Haaland ratlos nach Unentschieden in Bochum

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FC Liverpool

Anders als in den vergangenen Spielzeiten, als die Reds fast regelmäßig mindestens einen großen Namen aus dem Hut zauberten, (Virgil van Dijk, Alisson Becker, Thiago) fuhr der Champions-League-Sieger von 2019 in der vergangenen Transferperiode nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie einen Sparkurs. Einzig Ibrahim Konaté (RB Leipzig/40 Millionen Euro) fand den Weg an die Anfield Road.
Laut Fußball-Experte Pete Sharland von Eurosport in London könnte dies jedoch nur die Ruhe vor dem Sturm gewesen sein.
"Ein Haaland-Transfer würde für Liverpool sehr viel Sinn machen. Obwohl die Mannschaft von Jürgen Klopp aktuell zu den besten Teams der Welt gehört, könnte man noch immer einen Weltklasse-Stürmer gebrauchen. Haaland hat in den vergangenen 12 Monaten enorm an seinem Spiel gearbeitet und ist jetzt ein viel kompletterer Angreifer, weshalb er mit Offensivgrößen wie Sadio Mané und Mohamed Salah gut harmonieren würde", analysiert er.
Der Eurosport-Experte sieht bei den Verhandlungen außerdem einen Vorteil für Liverpool: "Die Ablösesumme ist festgelegt, daher kann der Preis nicht von Teams wie Manchester City in die Höhe getrieben werden."

Manchester City

Sage und schreibe 117,5 Millionen Euro ließ sich der amtierende englische Meister im August diesen Jahres die Dienste von Jack Grealish (Aston Villa) kosten und sorgte damit für den teuersten Einkauf des Sommers.
Auch in der kommenden Transferperiode könnten die Skyblues das prall gefüllte Festgeldkonto wieder anzapfen. Immerhin gilt City als heißer Kandidat für eine Haaland-Verpflichtung.
"Manchester City ist in vielerlei Hinsicht die Option, die am meisten Sinn ergibt. Gabriel Jesus hat sich noch nicht zu einem Top-Torjäger entwickelt und auch seine Qualitäten kommen eher zum Vorschein, wenn er über die Flügel kommt. Haaland könnte unter Pep Guardiola auch in der Premier League für Furore sorgen - immerhin klingt diese Konstellation mehr als vielversprechend. Die Frage ist jedoch, ob er bereit ist, die Arbeit zu leisten, die Guardiola von seinen Stürmern abseits des Balles verlangt", konstatiert Sharland.
Als Pluspunkt könnte sich dagegen die City-Vergangenheit von Vater Alf-Inge herausstellen, der während seiner aktiven Karriere drei Jahre lang (2000-2003) die Schuhe für die Skyblues schnürte.
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Erling Haaland (r.) mit Vater Alf-Inge

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Paris Saint-Germain

Nachdem der französische Vorzeigeklub im vergangenen Sommer mit der Verpflichtung von Lionel Messi für einen Paukenschlag sorgte, könnte PSG mit einem Haaland-Transfer gleich das nächste Ausrufezeichen setzen.
Fußball-Experte Vincent Bregevin von Eurosport in Paris rechnet dem Hauptstadtklub hierfür gute Chancen aus. "Es war etwas überraschend, dass Raiola im Hinblick auf Haalands Transferoptionen PSG nicht einmal erwähnt hat. Haaland scheint definitiv die erste Wahl von Paris zu sein, um Mbappé zu ersetzen, sollte dieser im Sommer an Real verkauft werden. Außerdem hat Raiola in der Vergangenheit viel mit Sportdirektor Leonardo zusammengearbeitet und weiß deshalb, wie viel Geld er bekommen würde, wenn Haaland am Ende in Paris landet. PSG ist definitiv ein Anwärter auf die Verpflichtung von Haaland", erklärt der Franzose.
Obwohl Haaland das perfekte Profil habe, um neben Messi und Neymar an vorderster Front zu spielen, könnte es dennoch einen großen Haken geben. "Möglicherweise ist Paris nicht die erste Wahl des Spielers, wenn man bedenkt, dass alle großen Klubs an ihm interessiert sind", führt Bregevin aus.

Real Madrid

Auch die Königlichen mischen angeblich seit geraumer Zeit im Transfer-Poker mit. Ganz unwahrscheinlich scheint ein Wechsel des 21-Jährigen in die spanische Hauptstadt nicht. Zumal der La-Liga-Tabellenführer laut Fußball-Experte Felix Martin von Eurosport in Madrid einen Großangriff auf dem Transfermarkt plant.
"Ich erwarte, dass Real im Sommer ein paar namhafte Neuverpflichtungen bekannt geben wird. Einer von ihnen muss Kylian Mbappé sein. Die Tatsache, dass PSG das 200-Millionen-Euro-Angebot von Real Madrid im vergangenen September abgelehnt hat, ermöglicht es Real, ihn für die kommende Saison ablösefrei zu verpflichten. Das gesparte Geld wird Real höchstwahrscheinlich in einen anderen Star investieren, womit wir bei Haaland angelangt wären. Trotzdem habe ich meine Zweifel, da die Provisionen, die Raiola angeblich verlangt, extrem hoch sein sollen", so der Eurosport-Experte.
Laut einem Bericht der spanischen "Sport" soll alleine Raiola rund 40 Millionen Euro bei einem Transfer seines Klienten verdienen. Hinzu kämen offenbar 20 Millionen Euro für Haalands Vater Alf-Inge.
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Erling Haaland klatscht mit Kylian Mbappé ab

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Manchester United

Bei den Red Devils hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Der ehemalige Bundesliga-Trainer Ralf Rangnick ist seit der Entlassung von Ole Gunnar Solskjaer der neue starke Mann beim englischen Rekordmeister und soll den zuletzt sportlich arg gebeutelten Klub wieder nach oben führen.
Im Hinblick auf einen Haaland-Transfer ist Manchester United für Sharland auch aufgrund der ungewissen Zukunft jedoch eine große Wundertüte.
"Selbst mit Rangnick ist es bei United aktuell etwas chaotisch, wenn es darum geht, wer denn in Zukunft die Geschicke leiten wird. Sollten die Red Devils aber erneut in die Champions League einziehen und mit ihrem neuen Trainer einen klaren Plan verfolgen, dann könnten sie eine attraktive Option sein", prophezeit der Fachmann.
Allerdings könnte laut Sharland ausgerechnet Superstar Cristiano Ronaldo einen Wechsel des BVB-Torjägers verhindern: "Er hat bis 2023 einen Vertrag und wenn Haaland kommen sollte, stellt sich die Frage, wo er dann spielt?"

FC Barcelona

Zuletzt machten Gerüchte die Runde, dass sich Raiola im Rahmen der Ballon-d'Or-Verleihung in Turin kürzlich mit Barça-Präsident Joan Laporta getroffen haben soll. Laut dem italienischen Transferexperten Fabrizio Romano habe der Tross der Katalanen vorgefühlt, ob sich Haaland grundsätzlich einen Wechsel zu den Katalanen vorstellen könne.
Fußball-Experte Martin zweifelt trotz der angeblichen Gespräche zwischen den beiden Parteien an einem Wechsel des Norwegers nach Barcelona: "Ich bin nicht sicher, ob Barça die wirtschaftliche Kraft hat, um einen solchen Transfer stemmen zu können."
Angesichts einer Schuldenlast in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro scheint eine Verpflichtung Haalands fast ausgeschlossen. Die jüngere Vergangenheit lieferte jedoch genügend Beispiele, wie Barça trotz finanzieller Schieflage zahlreiche Stars locken konnte.
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Gerard Pique - FC Barcelona

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FC Chelsea

Teammanager Thomas Tuchel sorgte vor wenigen Wochen für Aufsehen, als er bekannt gab, dass sich die Blues bereits im vergangenen Transferfenster ernsthaft mit Haaland beschäftigt hatten.
Wirklich realistisch schätzt Sharland die Chancen des amtierenden Champions-League-Siegers jedoch nicht ein. "Für mich ist Chelsea die am wenigsten wahrscheinliche Option aus der Premier League. Der Grund dafür ist, dass sie erst im August Romelu Lukaku verpflichtet haben", sagt er und betont:
"Für mich war es keine Überraschung, dass Raiola im vergangenen Sommer einem Haaland-Wechsel zu den Blues abgelehnt hat, weil Chelsea offensichtlich der einzige Verein war, der sich zu diesem Zeitpunkt ernsthaft mit einer Verpflichtung beschäftigte und daher kein Wettbieten stattgefunden hätte. Sollte der Gehaltspoker in den kommenden Wochen ins Unermessliche steigen, wird sich Chelsea aus dem Transfer-Poker vermutlich zurückziehen. Außer den Verantwortlichen gelingt es Timo Werner in ein Tauschgeschäft zu verwickeln."

FC Bayern München

Der deutsche Rekordmeister musste bereits mehrfach am eigenen Leib erfahren, welche außergewöhnlichen Fähigkeiten der Norweger besitzt (fünf Tore in sechs Partien gegen Bayern). Auch beim letzten Aufeinandertreffen Anfang Dezember traf Haaland sehenswert bei der 2:3-Pleite des BVB.
Einen potentiellen Wechsel nach München erteilte Karl-Heinz Rummenigge dennoch eine klare Absage. "Der FC Bayern wird sich nicht um Haaland bemühen. Und das nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern aus Respekt und Anerkennung gegenüber Lewandowski", erklärte der 66-Jährige gegenüber der "Bild" und betonte: "Die beste Nummer neun der Welt spielt bereits beim FC Bayern."
Lewandowski besitzt noch einen Vertrag bis 2023. Zu jenem Zeitpunkt wäre der Pole allerdings 35 Jahre alt. Trotzdem warb Oliver Kahn sogar für eine Vertragsverlängerung. "Uns kann nix Besseres passieren, als so einen Spieler langfristig bei uns zu haben", unterstrich Bayerns Vorstandsvorsitzender.
Sollte es jedoch zu keiner Einigung mit dem Polen kommen, wären die Münchner laut "Sport Bild" bereit, ihn im Sommer ziehen zu lassen. Sollte jener Fall eintreffen, werde sich der FCB dem Bericht zufolge intensiv um Haaland bemühen.
Dennis Melzer von Eurosport in München, Fußball-Experte und langjähriger Bayern-Korrespondent, hält einen Wechsel des BVB-Stürmers zum FC Bayern dennoch für unwahrscheinlich: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Haaland im Sommer zum FC Bayern wechseln wird. Zum einen kann sich der Verein ihn schlichtweg nicht leisten. Schließlich hängt ein Transfer nicht nur an der Ausstiegsklausel des Norwegers, sondern auch den exorbitanten Gehaltsforderungen, die Haaland mutmaßlich stellen wird. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Bayern derart exorbitante Gehälter nicht bezahlt - erst recht nicht, wenn jemand noch nicht arriviert ist, sondern neu zum Verein stößt."
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