FC Bayern - Rätsel um Ryan Gravenberch: Warum der Neuzugang unter Julian Nagelsmann (noch) nicht zum Zug kommt
Der FC Bayern verpflichtete im Sommer mit Ryan Gravenberch ein umworbenes Talent von Ajax Amsterdam. 18,5 Millionen Euro überwies der deutsche Rekordmeister für die Dienste des Niederländers. Bisher kommt der Neuzugang allerdings noch nicht zum Zug. Verständlich, dass Gravenberch mit seiner Situation hadert. Die seltenen Berücksichtigungen kommen aber nicht von ungefähr.
Ryan Gravenberch vom FC Bayern
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Ryan Gravenberch war im Anschluss an den 5:0-Sieg des FC Bayern über den SC Freiburg einigermaßen bedient. "Die Situation ist nicht einfach für mich, natürlich will ich spielen", sagte er im Gespräch mit der "Abendzeitung".
Trotz des souveränen Vorsprungs war der 20-Jährige von Trainer Julian Nagelsmann mit keiner einzigen Einsatzminute bedacht worden. Selbiges war Gravenberch eine Woche zuvor beim Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund (2:2) widerfahren.
"Ich kenne natürlich meine Qualität, aber es ist, wie es ist", ergänzte der niederländische Nationalspieler nach dem Duell mit Freiburg. "Bayern ist ein großer Klub mit vielen guten Spielern. Ich muss ruhig bleiben", so sein abschließendes Fazit.
Seither sind zwei weitere Begegnungen ins Land gegangen, unter der Woche spielte der deutsche Rekordmeister in der zweiten Runde des DFB-Pokals in Augsburg (5:2), am vergangenen Samstag ging es gegen die TSG 1899 Hoffenheim (2:0). Gravenberchs Arbeitsnachweis: 90 Minuten Bank bei den Fuggerstädtern, 17 Minuten Spielzeit im Kraichgau.
Kimmich-Lob: "Ryan hat mich am meisten begeistert"
Verständlich, dass der Youngster, der bei Ajax zu den Leistungsträgern zählte und somit europaweites Interesse geweckt hatte, mit dem Start in der bayrischen Landeshauptstadt nicht sonderlich zufrieden sein kann. Dabei sah es zunächst recht vielversprechend aus. Im Rahmen der USA-Tour avancierte Gravenberch zu einem der Gewinner der Vorbereitung.
"Von Ryan bin ich ehrlich gesagt am meisten begeistert", schwärmte Teamkollege Joshua Kimmich nach dem Trainingslager in Übersee. Der DFB-Star führte aus: "Der verliert fast keinen Ball, der wird uns viel Freude bereiten." Warum sich die Freude mittlerweile in Grenzen hält, hat mehrere Gründe.
Beraterin: "Bayern hat zu viele gute Spieler"
Zunächst, das ist das offensichtlich, ist die Konkurrenz im Münchner Mittelfeld hochkarätig. Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Marcel Sabitzer, der vor allem zu Saisonbeginn in bestechender Form war, buhlen neben Gravenberch um zwei vakante Positionen im Zentrum.
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Ryan Gravenberch hofft auf mehr Spielzeit
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Beraterin Rafaela Pimenta, die nach dem Tod von Star-Agent Mino Raiola dessen Klienten, unter anderem Gravenberch, übernommen hatte, fasste die derzeitige Lage überraschend nüchtern zusammen: "Der FC Bayern hat zu viele gute Spieler." Mit Blick auf den engmaschigen Spielplan und Nagelsmanns zwischenzeitliche Rotationsaffinität überrascht es dennoch, dass der Neuankömmling bis dato lediglich zweimal in der Startelf stand.
"Er ist ein ganz feiner Junge"
Ende August durfte Gravenberch im DFB-Pokal bei Drittligist Viktoria Köln 80 Minuten ran (5:0, ein Treffer, eine Vorlage), Anfang Oktober spielte er in der dritten Champions-League-Gruppenpartie gegen Viktoria Pilsen über die volle Distanz (5:0). Und das, obwohl der gebürtige Amsterdamer dem Vernehmen nach stets mit ansprechenden Trainingsleistungen zu gefallen weiß.
"Er ist natürlich traurig, dass er wenig spielt, aber überhaupt nicht gefrustet oder sauer", erklärte Nagelsmann unlängst. Er schob nach: "Er ist ein ganz feiner Junge, der seine Entwicklung nehmen wird." Es sei vor allem Geduld gefragt: "Ich habe ihm gesagt: Er wird einer der besten Mittelfeldspieler der Welt, da lege ich mich fest. Er muss einfach ein paar Stellschrauben drehen und die wird er drehen", so Nagelsmann weiter.
Nagelsmann bennent Defensivverhalten als Problem
Besagte Stellschrauben, die es zu drehen gilt, wurden vom Coach ein ums andere Mal näher definiert. Der 35-Jährige ist noch nicht vollumfänglich zufrieden mit Gravenberchs Defensivverhalten. "Defensiv muss er noch ein paar Schritte gehen", sagte Nagelsmann vor einigen Wochen und führte aus: "Das ist der Grund, warum er etwas weniger spielt. Er spielt am liebsten auf der Sechs und weiß, dass er in der Defensive manchmal noch mehr zupacken muss."
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Julian Nagelsmann (l.) im Gespräch mit Ryan Gravenberch
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Trotzdem sind sie sich in München sicher, dass die 18,5 Millionen Euro, die im Sommer für Gravenberch in die Grachtenmetropole flossen, gut angelegt sind. Dies unterstrich auch Sportvorstand Hasan Salihamidzic zuletzt: "Ryan ist ein hervorragender Spieler. Wir wissen, dass wir an ihm viel Freude haben werden. Es gibt Phasen, in denen man ein bisschen weniger spielt. Aber auf ihn kann sich jeder freuen."
Beraterin Pimenta, die "zu viele gute Spieler" bei den Bayern ausgemacht hatte, ist ebenfalls optimistisch, dass sich das Blatt für ihren Schützling zeitnah zum Besseren wendet. "Für die Spieler ist es frustrierend, wenn sie nicht spielen. Nach dem Wechsel zum FC Bayern ist es eine große Umstellung, aber ich bin sicher, dass seine Zeit bald kommen wird", sagte sie im Gespräch mit "Sky"-Journalist Gianluca Di Marzio.
Chance gegen den FC Barcelona?
Vielleicht bereits am Mittwochabend, wenn die Bayern im Camp Nou auf den FC Barcelona treffen (21 Uhr im Liveticker). Während der katalanische Riese zum Siegen verdammt ist, um überhaupt noch eine Chance auf ein Weiterkommen in der Königsklasse zu wahren, haben die Münchner mit der maximalen Punkteausbeute von zwölf Zählern aus vier Spielen das Achtelfinalticket schon gelöst.
Obwohl Nagelsmann in Anbetracht dessen, dass nur ein Dreier für den sicheren Gruppensieg reicht, voraussichtlich nicht in den ganz großen Experimentierkasten greifen wird, könnte sich für Gravenberch eine Chance auftun. Die Möglichkeit, Werbung in eigener Sache zu betreiben, die Eigenschaften zu zeigen, die sämtliche Protagonisten bei den Bayern regelmäßig loben.
Gravenberch träumt von WM-Teilnahme
Spielzeit wäre aus Gravenberchs Sicht nämlich nicht nur hilfreich, um bei seinem neuen Verein durchzustarten, das Top-Talent will unbedingt mit den Niederlanden zur Weltmeisterschaft nach Katar. "Jeder Spieler möchte zur Weltmeisterschaft fahren, das ist ein Kindheitstraum. Wenn ich bei Bayern mehr Minuten bekomme, werde ich vielleicht dabei sein", sagte er im September im Interview mit "NOS".
In den vorläufigen Elftal-Kader hat er es zumindest schon einmal geschafft. Eine tragende Rolle dürfte er jedoch nur dann spielen, wenn er sich bei seinem Arbeitgeber auf dem Platz empfiehlt.
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"Extrem wichtig": Nagelsmann feiert Choupo-Moting
Quelle: Perform
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