Nun also doch. Auch der 3:1-Arbeitserfolg in der vierten Runde des FA Cups gegen Zweitligist Luton Town konnte die Verantwortlichen des FC Chelsea nicht mehr davon überzeugen, an eine sportliche Wende unter der Leitung von Frank Lampard zu glauben.
Am Montagmittag zogen die Blues die Reißleine und trennten sich nach den enttäuschenden Auftritten der vergangenen Wochen und Monaten mit sofortiger Wirkung von der Klub-Ikone.
Der 42-Jährige stand zuletzt arg in der Kritik, nachdem die Blues in der Premier League auf Platz neun abgestürzt waren. Zweifelsohne zu wenig für die hohen Ansprüche des Klubs, der nach einer millionenschweren Transferoffensive im vergangenen Sommer (247 Millionen Euro) Richtung Titel angreifen wollten.
Premier League
Offiziell! Lampard muss bei Chelsea gehen - Tuchel soll übernehmen
25/01/2021 AM 10:32
"Die jüngsten Ergebnisse und Leistungen haben nicht die Erwartungen des Vereins erfüllt, der nun im Tabellenmittelfeld steckt ohne klar ersichtliche Perspektive einer nachhaltigen Verbesserung", wird Klub-Boss Roman Abramowitsch in einer Pressemitteilung zitiert.

Tuchel soll bereit stehen

Der 54-Jährige sprach dennoch von einer "sehr schwierigen Entscheidung, nicht zuletzt, weil ich ein exzellentes Verhältnis zu Frank und größten Respekt vor ihm habe".
Anders als angeblich Klub-Chefin und Abramowitschs rechte Hand Marina Granovskaia, die sich aufgrund von Transferangelegenheiten gleich mehrfach mit Lampard beharkt haben soll.
Der Ex-Profi reagierte in einem Statement am Montagabend "enttäuscht, dass ich nicht die Zeit bekommen habe, den Klub nach vorne zu bringen." Er habe um die Schwere der Aufgabe gewusst und sei "stolz über unsere Entwicklung, darüber, dass Spieler unserer Akademie den Sprung ins Profiteam geschafft haben. Sie sind die Zukunft des Vereins."
Die Hoffnung, Lampard könnte "seinen" FC Chelsea als Trainer in ähnlich erfolgreiche Sphären führen wie noch als Spieler, als er unter anderem drei Mal die Meisterschaft und einmal die Champions League holte, zerschlugen sich somit bereits nach etwas mehr als 18 Monaten.
Jene durchaus ambitionierte Aufgabe wird nun laut übereinstimmenden Medienberichten Thomas Tuchel übernehmen. Wie "Sky" und "The Athletic" berichteten, soll der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund bereits Gewehr bei Fuß stehen und angeblich in Kürze einen entsprechenden Kontrakt in der englischen Hauptstadt unterzeichnen.

Tuchel: Große Erfolge beim BVB und PSG

Tuchel wurde bereits nach seinem Aus bei Paris Saint-Germain an Heiligabend mit einem Engagement bei den kriselnden Blues in Verbindung gebracht.
Doch könnte er Chelsea wieder zurück in die Erfolgsspur führen?
Zunächst einmal steht es außer Frage, dass Tuchel ein ausgewiesener Fachmann ist. Der 47-Jährige avancierte während seiner Zeit bei Borussia Dortmund mit einem Schnitt von 2,12 Zählern pro Partie zum punktbesten Trainer und holte in der Spielzeit 2016/17 den DFB-Pokal.
Zuletzt machte er sich bei Paris Saint-Germain auf europäischer Bühne einen Namen, als er mit dem französischen Vorzeigeklub in rund zweieinhalb Jahren sechs Titel gewann. Im vergangenen Sommer führte Tuchel PSG sogar erstmals ins Champions-League-Finale, wo man sich in Lissabon dem FC Bayern nur knapp geschlagen geben musste (0:1).
Der Erfolgscoach stand bei seinen vorherigen Stationen für attraktiven Offensivfußball und bewies obendrein, dass er ein Star-Ensemble wie in Paris durchaus zu einem gut funktionierenden Kollektiv formen kann.
So wurde Tuchel speziell zu dem nicht immer einfach zu händelnden Superstar Neymar ein gutes Verhältnis nachgesagt.

Zerwürfnisse in Dortmund und Paris kosten ihn den Job

Im Gegensatz zu den jeweiligen Klubbossen, mit denen sich der Ex-Bundesliga-Coach dem Vernehmen nach immer wieder überwarf.
Schon bei seiner ersten Trainerstation, dem FSV Mainz 05, sorgte Tuchel mit seiner Art für Ärger. Genau wie in Dortmund, als er letztlich nach einem handfesten Streit mit BVB-Boss Hans-Joachim Watzke von seinen Aufgaben entbunden wurde. Und auch in Paris soll der Übungsleiter immer wieder mit Sportdirektor Leonardo aneinandergeraten sein.
Fußbal-Experte Maxime Dupuis von Eurosport in Paris hat daher Zweifel, ob Tuchel der richtige Mann für den FC Chelsea ist.
"Am Ende des Tages hat Tuchel seinen Job in Paris wegen seiner Fehde mit Sportdirektor Leonardo verloren, aber auch, weil er nie das getan hat, was er sollte: PSG eine klare Identität zu geben. Das Hauptproblem bestand darin, dass hinter dem Plan A, nämlich Kylian Mbappé und Neymar den Ball geben und sehen, was passiert, kein Plan B stand", bemängelt der Fachmann.

Holt Tuchel Werner, Havertz und Co. aus dem Formtief?

Anstelle von Mbappé und Neymar würde Tuchel bei Chelsea nun auf Timo Werner, Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Christian Pulisic treffen, die er aus seiner Zeit als Bundesliga-Trainer bereits kennt. Primäres Ziel für den Ex-PSG-Coach wird es dabei sein, das Quartett aus ihrem gegenwärtigen Formtief zu holen und sie auf die nächste Stufe ihrer Entwicklung zu hieven.
Dass Tuchel das Handwerk dazu hat, hat der in der Vergangenheit durchaus eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Trotzdem wird für den zukünftigen Erfolg des FC Chelsea entscheidend sein, ob Tuchel und Alphatier Abramowitsch dauerhaft an einem Strang ziehen können.
Sollte dies der Fall sein, steht einer erfolgreichen Zukunft nichts mehr im Wege.
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