WM 2022 - Kroatien wütet nach Elfmeterpfiff gegen Daniele Orsato: "Was Pepe gesagt hat, ergibt Sinn"

Kroatien hat die zweite Finalteilnahme in Folge bei der WM 2022 verpasst. Die Mannschaft um Luka Modrić unterlag im Halbfinale Argentinien 0:3 (0:2). Nach dem Aus schäumte der Vizeweltmeister vor Wut über eine Elfmeterentscheidung von Daniele Orsato. "Der Elfmeter hat uns geschlagen", schimpfte Matteo Kovacic. Auch ein Vorwurf, den Portugals Pepe zuletzt aufgebracht hatte, wurde in Kroatien laut.

Kroatien tobt nach Halbfinalaus wegen Schiedsrichter Daniele Orsato

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Mit einem letzten Verzweiflungsschuss aus 30 Metern stemmte sich Innenverteidiger Dejan Lovren gegen die Hilflosigkeit des bevorstehenden Aus. Dann pfiff Daniele Orsato das Halbfinale der WM 2022 in Katar gegen Argentinien (0:3) ab - und beendete endgültig alle kroatischen Träume vom zweiten Endspiel in Folge.
Mit leeren Augen erhoben sich die bereits ausgewechselten Marcelo Brozović und Luka Modrić langsam und niedergeschlagen von ihrer Auswechselbank. Der 1,93 Meter lange Bruno Petković, der im Viertelfinale gegen Brasilien (4:2 i.E.) mit seinem Ausgleichstreffer in der 117. Spielminute noch zum heimlichen Helden neben Dominik Livaković avanciert war, sank ernüchtert zu Boden.
Inmitten der argentinischen Jubelarien platzte die Hoffnung auf den ersten WM-Titel der Historie - und damit auch die Revanche für das verlorene Endspiel vor vier Jahren gegen Frankreich (2:4). "Es fällt mir schwer, überhaupt etwas zu sagen", stammelte Matteo Kovacić nach dem Aus gegenüber kroatischen Medien.
Doch in die Trauer der Vatreni mischten sich schnell Frust und Wut. "Der Elfmeter hat uns geschlagen", sagte der 30 Jahre alte Zagreber. Und auch Mittelfeldspieler Lovro Majer wurde deutlich: "Dieser Elfmeter hat uns tatsächlich erlegt."

Elfmeter stellt Spielverlauf auf den Kopf

Der Ärger des Vizeweltmeisters richtete sich allen voran gegen eine Person: Schiedsrichter Orsato. Der 47 Jahre alte Italiener hatte nach 32 Minuten einen Zusammenprall zwischen Torhüter Livaković und dem argentinischen Angreifer Julián Álvarez mit einem Elfmeter geahndet. Eine durchaus streitbare Entscheidung, denn der Schlussmann von Dinamo Zagreb hatte bereits gestanden und sich nicht in Richtung des 22-Jährigen bewegt.
"Das ist kein Elfmeter", urteilte der frühere englische Nationalspieler Gary Neville bei "ITV". Ein Wendepunkt im Spiel. Denn nach einer starken kroatischen Anfangsphase stellte Lionel Messi den Spielverlauf mit seinem Rekordtor zum 1:0 auf den Kopf - und leitete somit das Aus der Kroaten ein.
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Luka Modric (r.) diskutiert mit WM-Schiedsrichter Daniele Orsato

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"In der ersten halben Stunde waren wir besser, wir hatten Kontrolle und Ballbesitz. Und dann kommt dieser Elfmeter, der gelinde gesagt umstritten war", sagte Bundesligaprofi Borna Sosa: "Wo soll unser Torwart da hingehen?"
Collinas Erben nahmen Orsato am Dienstagabend aber in Schutz. "Manche argumentieren nun: Der Keeper könne sich nicht in Luft auflösen, er stehe nur dort, Álvarez laufe in ihn hinein, das sei allenfalls eine Kollision", nahmen sie auf die kritischen Stimmen Bezug, erklärten aber: "Wenn der Ball nicht gespielt wird und der Gegner über ein herausgestelltes Bein fällt, ist das ein Beinstellen."

Kovacic schimpft: "Unglaublich"

Dennoch sprach das Sportmagazin "Sportske novosti" sogar von einem "skandalösen Elfmeter". Doch nicht nur das vermeintliche Foulspiel von Livakovic erzürnte die Gemüter, sondern auch, dass Orsato den Kroaten vor der Entstehung des Strafstoßes einen Eckball verweigerte.
Denn obwohl Rodrigo de Paul einen Abschluss von Ivan Perisić abgefälscht hatte, entschied der Italiener auf Abstoß für die Albiceleste. Wenige Sekunden später kam Álvarez im Sechzehner der Südosteuropäer zu Fall.
"Beide Situationen sind für mich unglaublich", schimpfte Kovavić: "Zuerst, dass es keine Ecke war, und dann ein Elfmeter. Ich habe die Schiedsrichter nie kommentiert, aber das sind Kardinalfehler, die uns das Finale gekostet haben."
Schon unmittelbar nach der Entscheidung hatte der in Linz geborene Mittelfeldspieler vehement protestiert - ohne Erfolg. Im Gegenteil: Der Chelsea-Profi wurde noch vor der Ausführung mit der Gelben Karte verwarnt. Assistenztrainer Mario Mandzukić echauffierte sich nach dem 0:1 lautstark und sah dafür abseits der Fernsehkameras sogar den Roten Karton.
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Daniele Orsato stellt Mario Mandzukic (nicht im Bild) vom Platz. Trainer Zlatko Dalić versteht die Welt nicht mehr.

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Schiedsrichter gibt Pepe Recht

In der Mixed Zone schimpfte auch Routinier Modrić gegen den Italiener: "Ich spreche nicht gerne über Schiedsrichter, aber es ist unmöglich, es nicht zu tun. Er ist einer der schlechtesten." Selbst der kroatische Referee Bruno Marić bezeichnete die Entscheidung von Orsato während der Begegnung als "unglaublich" und polterte: "Unfair und inakzeptabel."
Gegenüber "Sportske Novosti" unterstrich er einen schweren Vorwurf, den der Portugiese Pepe vergangene Woche machte. "Nach dem, was ich heute gesehen habe, können sie Argentinien gleich den Titel geben", hatte der 39-jährige Routinier der Seleção nach dem 0:1 (0:1) gegen Marokko gewütet.
"Auch wenn ich keine Verschwörungstheorien unterstütze: Was Pepe gesagt hat, ergibt Sinn, dass Argentinien wirklich bevorzugt wird", so Marić. Auch das kroatische Sportmedium "24 Sata" polterte: "Wenn Sie sich entschieden haben, Leo Messi die Trophäe zu geben, tun Sie es!"
Zwar hatten die Kroaten nach dem 1:0 durch Messi noch rund eine Stunde Zeit, wie gegen Brasilien zum Ausgleich zu kommen. Doch anders als gegen die Seleção drehte sich der Spielverlauf nach dem Rückstand nicht zugunsten der Kroaten. "Die großen Probleme kamen nach dem Elfmeter", analysierte Sosa in der "ARD".
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Ekstase pur: Argentinien-Fans gehen nach Finaleinzug steil

Quelle: Perform

Kroatien richtet Blick nach vorne

Denn nur fünf Minuten später folgte der nächste Nackenschlag durch Álvarez (39.) nach einem Sololauf, ehe er in der 69. Minute mit seinem vierten Turniertor quasi für die Entscheidung sorgte und das Halbfinalaus der Kroaten besiegelte. Unter dem Strich eine verdiente Pleite des Vizeweltmeisters von 2018, wie Trainer Zlatko Dalic nach dem Spiel auch eingestand.
"Wir waren in der Offensive nicht gut, uns fehlte eine bessere Lösung im Angriff", so der 56-Jährige. Denn von zwölf Schüssen kamen in 90 Minuten nur zwei auf den Kasten von Emiliano Martínez. Dennoch überwog beim Coach der Kroaten der Stolz über die erneute Halbfinalteilnahme: "Hätte uns vorher jemand ein solches Ergebnis bei der WM angeboten, hätten wir es akzeptiert. Das ist ein toller Erfolg, auf den wir stolz sind."
Veredeln können die Kroaten ihre Weltmeisterschaft am Samstag (20:00 Uhr im Liveticker) im Spiel um Platz drei, auf das Kovacić und Co. trotz der Enttäuschung am Dienstagabend den Fokus legten: "Wir müssen jetzt unsere Kräfte sammeln und kämpfen für diesen dritten Platz."
Der kroatische Frust über das Aus bei der WM 2022 und den Elfmeter überwogen im Lusail Iconic Stadium dennoch.
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