Vierschanzentournee: Halvor Egner Granerud fürchtet nur sich selbst - die Lehren aus Garmisch-Partenkirchen
Halvor Egner Granerud macht bei der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen den zweiten Schritt zum Grand Slam, blickt aber schon ein wenig bange nach Innsbruck. Karl Geiger verspielt wohl alle Chancen auf einen Podiumsplatz in der Tourneewertung. Philipp Raimund etabliert sich derweil hinter Andreas Wellinger als Nummer drei im DSV-Team. Die Lehren von der Großen Olympiaschanze.
Schmitt-Analyse nach Garmisch: "Es ist noch nicht vorbei!"
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Selbstbewusst ist er, das muss man ihm lassen. Mit dem zweiten Sieg zur Halbzeit der Vierschanzentournee unter Dach und Fach ließ sich Halvor Egner Granerud nach dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen in den Schneidersitz fallen und setzte an zur meditativen Jubelgeste.
Wie sein Fußball spielender Landsmann Erling Haaland posierte der 26-Jährige so im Schnee, ehe er jubelnd die Auslaufzone verließ.
Wie schon in Oberstdorf dominierte Granerud die Konkurrenz und geht nun nach 2020/21 zum zweiten Mal als Tourneeführender nach Innsbruck - und das mit einem satten Polster von 26,8 Punkten Vorsprung auf Dawid Kubacki (Polen).
Den Deutschen war derweil nicht nach großen Jubelgesten zumute. Andreas Wellinger zeigte als Achter einen ordentlichen Wettkampf, verlor in der Gesamtwertung jedoch weiter Boden auf die Top drei. Karl Geiger (11.) verabschiedete sich ebenfalls aus dem Rennen.
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Buddha-Jubel in Garmisch: Granerud macht den Haaland
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Die Lehren aus Garmisch-Partenkirchen.
1.) Granerud fürchtet nur sich selbst
Die Vierschanzentournee hat für Halvor Egner Granerud bislang nur zwei kleine Makel: An Silvester verpasste der Norweger als Sechster den Siegerscheck bei der Qualifikation in Garmisch-Partenkirchen (die Dawid Kubacki gewann), am Neujahrstag sprang dann der Slowene Anze Lanisek im ersten Durchgang einen halben Meter weiter als er (140,5 m) - es reichte dennoch zur Führung.
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"Ein richtiges Brett!" Granerud gelingt Traumstart ins neue Jahr
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Nach vier Wertungsdurchgängen der Tournee ist Granerud der dominierende Mann: stets in Führung, stets die höchste Punktzahl, immerhin dreimal die Bestweite. "Es fällt mir zurzeit nicht schwer, gut zu springen, aber die Qualifikation hat schon auch gezeigt, dass ich dranbleiben muss", berichtete Granerud nach dem Neujahrsspringen.
"Die ersten Drei hatten ein Wahnsinnsniveau, aber er konnte sich nochmal ein bisschen abheben", staunte Eurosport-Experte Martin Schmitt angesichts von Graneruds Tagesbestweite von 142,0 Metern im zweiten Durchgang: "Er hat sein Potenzial ausgeschöpft, das war schon sehr beeindruckend."
Beeindruckend vor allem, dass der Norweger stets Lösungen findet. In der Qualifikation hatte er noch Probleme mit der "holprigen" Spur - die waren am Neujahrstag behoben. Im ersten Durchgang erwischte ihn dann ein fieser Wind schräg von hinten - Granerud bestand dennoch.
"Der hat so ein Selbstvertrauen", sagte Konkurrent Karl Geiger anerkennend: "Er springt zum Teil oben schief raus, aber er hat so ein Gefühl, der weiß genau, wo er hin will. Wenn das System einklinkt, fliegt er einfach geradeaus, das ist schon irre und spektakulär."
Schmitt lobte besonders Graneruds ersten Sprung: "Er hat das super gemacht - mit aller Energie, aller Überzeugung. Er hat einen fantastischen Wettkampf geliefert und verdient gewonnen."
Wie 2020/21 kommt der Norweger nun als Führender nach Innsbruck, wo er vor zwei Jahren die Tournee durch einen enttäuschenden 15. Platz verspielte. Weil der Wettkampf 2021/22 am Bergisel dem Wind zum Opfer fiel, ist das bei Granerud offenbar immer noch sehr präsent und ein eindeutiger Hemmschuh auf der Jagd nach dem Grand Slam.
"Es ist nicht das erste Mal, dass ich nach Garmisch führe", beschlichen ihn im Gespräch mit Eurosport bereits ungute Erinnerungen. 2021 verpasste er am Ende sogar noch das Tourneepodest um Haaresbreite (0,4 Punkte hinter Kubacki), 2022 wurde er ohne Springen in Innsbruck Dritter.
Der Bergisel werde nun "eine Herausforderung, aber mein Traum ist es, als Führender nach Bischofshofen zu kommen", sagt er. Schlagen kann er sich eh nur noch selbst.
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Mit Bestweite zum zweiten Sieg: Granerud dominiert auch in Garmisch
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2.) Geigers leise Hoffnung zerplatzt
Karl Geiger hatte vor der Tournee sicher nicht mit dem Gesamtsieg gerechnet, ein Platz auf dem Podest war nach zuletzt aufsteigenden Leistungen aber schon das Ziel - vor allem nach Rang vier in Oberstdorf zum Auftakt.
In Garmisch-Partenkirchen zerplatzte diese Hoffnung. Mit Sprüngen auf 131,5 und 131,0 Meter zeigte der 29-Jährige zwar eine Verbesserung gegenüber dem 30. Rang in der Qualifikation (119,0 m), es reichte aber nur zu Platz elf. In der Gesamtwertung fiel er hinter Anze Lanisek auf Rang fünf zurück; Piotr Zyla (3.) ist bereits 17,5 Punkte voraus, Granerud an der Spitze sogar 57,6 Zähler.
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Zu wenig für ganz vorne: Geiger verpasst Steigerung im zweiten Sprung
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Sogar der Status als bester Deutscher wackelt nun - Andreas Wellinger schloss als Tages-Achter bis auf 0,2 Punkte zu Geiger auf.
"Nach Oberstdorf waren wir ein bisschen euphorischer. Jetzt sind wir wieder weiter weg gewesen. Es ist schon enorm, der Abstand heute ist schon ziemlich zäh", musste Bundestrainer Stefan Horngacher eingestehen und kritisierte seine Spitzenleute:
"Die Sprünge waren nicht auf hohem Niveau. Der erste Sprung von Andi (137,0 m, Anm. d. Red.) war in Ordnung, der zweite (133,0 m, Anm. d. Red.) schon nicht mehr so. Der Karl hat hier leider gar keinen Sprung auf die Kante gebracht."
So sah es auch Martin Schmitt. "Er hat momentan nicht das Niveau der Allerbesten. Es sind viele kleine Fehler, die sich aufsummieren und dann reicht es am Ende nicht. Aber er wird sich im Laufe der Saison zurückkämpfen", meinte der Eurosport-Experte über Geiger.
"Es war definitiv besser als gestern, aber das letzte Gefühl hat mir gefehlt", musste der Springer selbst eingestehen: "131 Meter ist gut, aber eben nicht Fisch, nicht Fleisch. Es gibt doch noch einiges zu tun. Wir sind immer noch im Arbeitsprozess. Die Saison geht noch bis April."
Die Tournee scheint fast schon abgehakt, der Fokus richtet sich bereits voraus, auf die Nordische Ski-WM in Planica (ab 21. Februar live bei Eurosport und bei discovery+). Geigers Fokus richtet sich nun auf Tagessiege. "Mein Ziel ist, dass wenn mir mal so ein Richtiger rausrutscht, ich die ganz vorne mal vor den Latz stoßen kann. Aber da muss ich geduldig bleiben", meinte er.
Und zu seinen Formdellen: "Es geht mal nach vorne, dann geht es mal ein kleines Stück zurück. Das gehört dazu." Mit Platz elf müsse er "zufrieden sein". Auch wenn es eigentlich nicht sein Anspruch ist.
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Zu unsauber im Flug: Geiger verpasst Angriff in der Gesamtwertung
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3.) Raimund etabliert sich als Nummer drei
Zu den Lichtblicken beim DSV gehört dieser Tage eindeutig Philipp Raimund. Im Sommer dem A-Kader zugehörig war der 22-Jährige vor der Tournee in den Continental Cup geschickt worden, wo er sich mit zwei Siegen und einem zweiten Platz ordentlich Selbstvertrauen holte und nun beim Prestigeevent mit Rang 14 und 15 glänzte.
In Garmisch nach dem ersten Durchgang mit 125,5 Metern "nur" 20. sprang das Küken im DSV-Team mit seinem zweiten Sprung 9,5 Meter weiter und sicherte sich so das nächste Top-15-Ergebnis.
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Raimund begeistert Garmisch mit 135 Metern
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"Es war nicht ganz so sauber wie in Oberstdorf, aber insgesamt auf einem guten Niveau. Ich kann stolz auf mich sein", meinte er. Die Kulisse habe ihn "auf jeden Fall getragen. Der erste Sprung war nicht ganz so sauber. Der zweite war aber einer meiner besten in der gesamten Tournee", erzählte der 22-Jährige hinterher gewohnt auskunftsfreudig.
Mit seiner unbekümmerten, lockeren Art ist Raimund im DSV-Ranking bei der Tournee an Markus Eisenbichler, Pius Paschke, Stephan Leyhe und Constantin Schmid vorbeigesprungen und etabliert sich als neue Nummer drei im Team.
"Es fühlt sich schon ganz gut an, muss ich sagen", sagte er in Garmisch: "Das hätte ich mir ehrlich gesagt nicht träumen lassen." Seine Sprünge liefen "aktuell wie am Schnürchen, das gibt mir die gewisse Lockerheit". Er nehme "es ernst, aber nicht zu ernst".
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Ski Jumping - Four Hills Garmisch Partenkirchen : RAIMUND Philipp in german
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Ein Luftikus ist er deswegen aber nicht. "Es stecken 17 Jahre harte Arbeit dahinter", gab er zu bedenken. Eine Kulisse wie in Garmisch - 20.000 waren am Neujahrstag an der Großen Olympiaschanze - scheint ihn jedoch eher zu beflügeln als zu hemmen.
"Es ist großartig hier zu sein und die ganzen Leute zu sehen, die mich anfeuern. Da öffnet sich mein Herz", sagte Raimund.
Für Eurosport-Experte Schmitt wächst der 22-Jährige mit solchen Leistungen im DSV-Team "zu einer richtigen Größe heran. Es ist ganz toll, wie er das macht. Er hat Potenzial. Es ist schön, dass er sich in dieser Form präsentieren kann."
Für Innsbruck hat sich Raimund bereits das nächste Husarenstück vorgenommen. "Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht, ich habe richtig Bock auf den Bergisel", sagte er: "Es ist eine meiner Lieblingsschanzen."
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Bester Deutscher in Garmisch: Wellinger fliegt erneut in die Top acht
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