Drei Lehren aus 2024, drei große Fragen zur ATP Tour 2025: Djokovic macht Deckel drauf, Frankreich hofft auf Youngster

Das vergangene Tennisjahr auf der ATP Tour bleibt in Erinnerung, wofür es erfreuliche wie bedenkliche Gründe gibt. Während Novak Djokovic seinen goldenen Traum verwirklichte, geht Branchenprimus Jannik Sinner mit einer Hypothek in die neue Saison. Derweil starten zwei französische Talente durch und sind auf dem Weg in die Spitze. Drei Erkenntnisse aus 2024 und drei wichtige Fragen für die Zukunft.

Djokovic im Olymp! Serbe holt Gold in Paris gegen Alcaraz

Quelle: Eurosport

Erst Andy Murray, dann Dominic Thiem und schließlich Rafael Nadal. Die ATP verlor in den vergangenen sechs Monaten drei ihrer charismatischsten Spieler.
Gleichzeitig gingen die vier Grand-Slam-Titel an Jannik Sinner und Carlos Alcaraz, mit 23 beziehungsweise 21 Jahren noch am Anfang ihrer Karrieren. Zwei sympathische Youngster, die das Bild ihrer Sportart künftig prägen dürften.
Alles gut also? Fast, wäre da nicht die Causa Sinner, die 2025 vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne verhandelt wird.
In Frankreich macht sich indes Hoffnung breit, hat man doch zwei Toptalente in seinen Reihen, die bereits vorsichtig in Richtung Weltspitze schielen.
Drei Erkenntnisse aus 2024, drei Fragen für 2025:

1. Neue Machtverhältnisse

21 Jahre lang in Folge haben die Big 3 um Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic mindestens ein Grand-Slam-Turnier gewonnen - achtmal gingen die vier Major-Kronen allesamt an die drei "Tenöre" des Tennissports.
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Sinner überragend: Djokovic sieht im Finale ohne Breakball alt aus

Quelle: Perform

Dann kam die Saison 2025 und damit die Wachablösung, die seit vielen Jahren immer wieder heraufbeschworen wurde. Sinner (Australian Open, US Open) und Alcaraz (French Open, Wimbledon) teilten sich die Grand-Slam-Titel auf. Djokovic stand nur in Wimbledon im Endspiel, Nadal bestritt aufgrund seiner Verletzung ganze 20 Matches und beendete seine Laufbahn im November beim Davis Cup.

2. Balla balla: Filzkugel-Frust greift um sich

Alexander Zverev beließ es nicht bei Kritik, der 27-Jährige wurde selbst aktiv und ging der Sache nach. Er nahm Kontakt auf zu den Herstellern der Tennisbälle, denn: "Weil die Firmen während der Pandemie Kosten sparen wollten, nutzen sie nun anderes Gummi-Material. Das macht die Bälle im Schnitt zwischen 30 und 60 Prozent langsamer als vor der Pandemie", monierte Zverev während der ATP Finals in Turin.
Die Qualität der Bälle, die nach dem Dafürhalten einiger Spieler zu schnell "aufgehen" und an Druck verlieren, ist zum Tennis-Politikum geworden. Auch die Tatsache, dass es (noch) keinen einheitlichen Spielball gibt und die Profis sich mitunter im Wochenrhythmus auf unterschiedliche Filzkugeln einstellen müssen, sorgte für Unmut. Die Bälle seien "so schlecht, mit denen kann man sich nur den Hintern abwischen", polterte Daniil Medvedev während einer Partie beim ATP Masters in Schanghai.
Hinzu kommt ein gesundheitlicher Aspekt. "Ich denke, es braucht etwas mehr Vereinheitlichung, um Verletzungen an den Handgelenken, Ellbogen und Schultern zu vermeiden", erklärte Djokovic bereits in der Saison 2023. Damit spielte der Serbe auf die Tatsache an, dass bei nachlassender Ballqualität mehr Kraft aufgewendet werden muss, um den Schlägen den nötigen Speed zu geben.

3. Die (fast) perfekte Karriere

Perfektion ist ein Zustand, der im Sport nicht zu erreichen ist. Am nächsten dran im Tennis war wohl Novak Djokovic. Der Serbe schloss im Sommer die letzte echte Lücke seiner Titelsammlung, holte Olympia-Gold in Paris.
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Highlights: Djokovic holt Gold in Final-Thriller gegen Alcaraz

Quelle: Eurosport

"Ich habe mein Herz, meine Seele, meinen Körper, meine Familie, einfach alles da reingepackt", sagte Djokovic im Exklusiv-Interview mit Eurosport: "Es war ein unglaubliches Match. Ich habe fast zwei Jahrzehnte lang auf diese Chance gewartet", so der Superstar, der im Olympia-Endspiel Carlos Alcaraz in die Knie zwang.
Mit der Goldmedaille ist die Sammlung komplett. 24 Grand-Slam-Titel, sieben Erfolge bei den ATP Finals, 40 Masters-Kronen, 428 Wochen an Platz eins der Weltrangliste, Davis-Cup-Champion mit Serbien - und nun auch noch Olympiasieger. 2024 sah die Krönung einer nahezu perfekten Laufbahn.

1. Was passiert mit Jannik Sinner?

Zwei positive Tests im März auf das verbotene Steroid Clostebol, dann der Freispruch durch ein unabhängiges Gericht - der Fall Jannik Sinner, der erst im August publik wurde, hat Wellen geschlagen. Die Nummer eins der Welt argumentierte, die Substanz sei mittels einer Kontamination durch ein Mitglied des Betreuerteams in seinen Körper gelangt.
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Highlights: Sinner-Sause! Italiener erfüllt sich Traum vom Heimsieg

Quelle: SNTV

Während Sinner von einigen Kollegen Rückendeckung bekam, sahen andere eine Vorzugsbehandlung für den 23-Jährigen. Vor allem Simona Halep fühlte sich verschaukelt. Die Rumänin wurde aufgrund eines Dopingvergehens (Roxadustat) im September 2023 zunächst für vier Jahre gesperrt, später wurde die Strafe auf neun Monate reduziert. Es sei "ganz klar, dass über meinen Fall in einer ganz anderen Art geurteilt wurde und ich glaube, dass das überhaupt nicht fair ist", befand Halep. Ähnlich reagierte die zweimalige Grand-Slam-Turniersiegerin, als Iga Swiatek nach einem positiven Test im August auf die verbotene Substanz Trimetazidin nur für einen Monat gesperrt wurde. Es sei ihr "unmöglich, so etwas zu verstehen", schrieb Halep auf Instagram.
Allerdings ist zumindest Sinner noch nicht auf der sicheren Seite. Die Welt Anti-Dopingagentur WADA ist vor den Sportgerichtshof CAS in Lausanne gezogen, um "eine Sperre zwischen einem und zwei Jahren" zu erwirken. Wann genau die Entscheidung in der Sache fällt, ist noch unklar.

2. Kann Murray seinem Kumpel Djokovic helfen?

Mit der Verpflichtung von Murray als Coach ist Djokovic ein Coup gelungen. Der Serbe will mit der Hilfe seines guten Kumpels in der kommenden Saison den 25. Grand-Slam-Titel einfahren und damit Margaret Court übertreffen, die wie er selbst bei deren 24 steht.
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Wilander on what Murray will bring to Djokovic’s game and how it could test their relationship

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Neben der Euphorie um das neue Duo Djokovic/Murray ploppten umgehend Fragen auf, wie der Brite dem wahrscheinlich besten Tennisspieler der Geschichte helfen kann? "Andy hat gegen alle gespielt, gegen die Novak antreten wird. Er hat sie gesehen, mit ihnen trainiert. Er hat mit Spielern wie Sinner, Alcaraz, Daniil Medvedev, Stefanos Tsitsipas und Alexander Zverev gesprochen", erläuterte Tennis-Legende Mats Wilander im Exklusiv-Interview mit Eurosport. Murray werde Djokovic zwar keine Geheimnisse verraten können, "aber er hat eine andere Meinung, wenn es um den Stil geht, wie diese jüngeren Profis spielen".
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"Zusammenarbeit spornt mich an": Djokovic über Trainer Murray

Quelle: Perform

Djokovic bekannte unterdessen, dass ihn "diese neue Zusammenarbeit anspornt, um zu sehen, ob wir in unserem Sport noch Großes erreichen können". Eine erste Antwort auf diese Frage wird es schon im Januar bei den Australian Open in Melbourne (12. bis 26. Januar live im TV bei Eurosport 1 und discovery+) geben.

3. Neue Youngster in der Weltspitze?

15 Spieler in den Top 100 des ATP-Rankings sind aktuell noch keine 23 Jahre alt, Alcaraz hat sich als einziger bereits in den Top 10 etabliert. Das muss aber nicht so bleiben, ganz im Gegenteil. In der Saison 2024 haben einige Youngster ihr Potenzial bereits unter Beweis gestellt.
Vor allem in Frankreich darf man sich Hoffnungen machen. Der 20-jährige Arthur Fils kletterte nach seinen Turniersiegen in Hamburg und Tokio auf Platz 20 in der Weltrangliste. "Ein unglaublicher Spieler", lobte Zverev das Toptalent. Fils habe gar "das Potenzial, ein Grand-Slam-Champion zu werden. Er hat so viel Power in den Grundschlägen wie kein anderer."
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"Ball des Turniers!" Fils düpiert Zverev in Bedrängnis

Quelle: Eurosport

Und dann ist da Giovanni Mpetshi Perricard. Der 21-Jährige ging als Nummer 205 des ATP-Rankings in die Saison, am Ende hatte er seine ersten beiden Tour-Titel (Lyon, Basel) auf dem Konto - und ist in der Weltrangliste an Position 31 notiert. Darüber hinaus war Mpetshi Perricard der beste Aufschläger des Jahres, wie das Serve Rating der ATP zeigt.
Neben den Franzosen wird 2025 verstärkt auf Jack Draper und Lorenzo Musetti zu achten sein. Die beiden 22-Jährigen haben die Spielzeit in den Top 20 abgeschlossen. Der Brite gewann auf Rasen in Stuttgart seinen ersten ATP-Titel und legte in Wien auf Hartplatz nach, der Italiener spielte konstant auf gutem Niveau und belohnte sich bei Olympia in Paris mit der Bronzemedaille im Einzel.
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Top 5 - Djokovic - Paris 2024 - Olympic Highlights

Quelle: Eurosport


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