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US Open: Jannik Sinner steht nach positiven Dopingproben in New York vor dem schwersten Gang seiner bisherigen Laufbahn
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Publiziert 26/08/2024 um 13:46 GMT+2 Uhr
Jannik Sinner beherrscht die Schlagzeilen vor den US Open. Die Tatsache, dass die beiden positiven Tests auf das verbotene Steroid Clostebol sechs Tage vor Beginn des New Yorker Grand-Slam-Turniers öffentlich wurden, macht die Situation für die Nummer eins der Welt noch kniffliger. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Sinner steht vor dem schwierigsten Gang seiner bisherigen Laufbahn.
Tennis : Mats Wilander's reaction about Sinner doping story
Quelle: Eurosport
Bei aller Kritik an Jannik Sinner, an der merkwürdigen Erklärung für die positiven Dopingproben und am Freispruch durch die Tennis Integrity Agency (ITIA) und ein unabhängiges Gericht - ein Aspekt der Affäre geht fast ein wenig unter.
"Es ist unglaublich, dass Jannik so spielen konnte, wie er es tat, während das alles passierte", bringt es die ehemalige Top-Ten-Spielerin Barbara Schett im Eurosport-Interview auf den Punkt.
In der Tat: Nach den beiden Clostebol-Befunden vom 10. und 18. März gewann Sinner Ende März das ATP Masters von Miami, im Juni holte er den Titel beim 500er-Rasenevent von Halle und wiederum eine Woche vor den US Open triumphierte er beim Masters von Cincinnati. Dazu erreichte der Südtiroler bei den French Open das Halbfinale, in Wimbledon stieß er bis ins Viertelfinale vor.
All das mit dem Wissen um die beiden positiven Dopingproben und die Gefahr, dass deren Veröffentlichung einen Sturm auslösen würde - auch wenn oder gerade weil der 23-Jährige freigesprochen wurde und um eine Sperre herumkam.
Coach Cahill offen: Sinner "zermürbt"
Hat Sinner das einfach so weggesteckt? Nein. Die Angelegenheit habe ihn "körperlich und geistig zermürbt", gab Coach Daren Cahill im Gespräch mit "ESPN" zu. Sein Schützling sei "oft krank gewesen und bekam eine Mandelentzündung, weshalb er die Olympischen Spiele verpasste".
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Zu gut für Tiafoe: Sinner gewinnt Masters in Cincinnati
Quelle: SNTV
Selbst bei den großen Erfolgen, wie in Cincinnati, sei Sinner gehemmet gewesen. "Wenn man ein Fan von Jannik ist, hat man eine große Veränderung in seiner Körpersprache, seiner Körperlichkeit auf dem Platz und seiner Begeisterung gesehen", so der 58-Jährige. Diese Veränderungen hat Sinner aber extrem gut cachiert. "Ich kenne Jannik als Spieler sehr gut, aber ich habe es nicht bemerkt", räumt Tennis-Legende Mats Wilander bei Eurosport ein.
Wie reagieren die US-Open-Fans auf Sinner?
Der siebenmalige Grand-Slam-Turniersieger ist sich indes sicher, dass das Thema den Weltranglistenersten bei den US Open beeinflussen wird. "Ob er besser oder schlechter spielen wird", könne er nicht einschätzen, führt Wilander aus. "Wahrscheinlich wirkt es sich weniger aus, wenn er in einem Match ist oder trainiert." Es seien eher die Situationen außerhalb des Platzes, die schwierig werden könnten. Die Fragen in "Pressekonferenzen, Fernsehinterviews, Radiointerviews, in den sozialen Medien werden stets dieselben sein", glaubt der Eurosport-Experte.
Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass Sinner sich auf dem Court komplett freimachen kann von der Thematik. "Es wird interessant, wie die Fans reagieren, wenn er das Arthur-Ashe-Stadion betritt. Jannik muss sich eine Elefantenhaut, ein dickes Fell zulegen", vermutet Schett. Zumal Sinner in Runde eins mit Mackenzie McDonald einen US-Gegner zugelost bekam, was das Publikum per se schon eher gegen ihn einnehmen könnte. In Runde zwei, auch das steht bereits fest, würde mit Alex Michelsen oder Eliot Spizzirri ein weiterer US-Herausforderer warten.
Sinner so stabil und cool wie Djokovic?
Sinner steht ein schwerer Gang bevor, mit gerade einmal 23 Jahren. Das ist der große Unterschied zu Novak Djokovic, der in der Vergangenheit - aus anderen Gründen - sehr schwierige Phasen durchlebt hat.
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Wilander exklusiv: "Erwarte Djokovic so gut wie noch nie"
Quelle: Eurosport
Der Serbe war bereits in seinen 30ern, als er kurz vor den Australian Open 2022 des Landes verwiesen wurde, bei den US Open eine Linienrichterin abschoss oder während der Corona-Pandemie eine umstrittene Turnierserie startete. Der Gegenwind kam aus allen denkbaren Ecken und hatte mitunter Orkanstärke. Nur: Djokovic hat es meisterhaft verstanden, die negativen Emotionen zu seinem Vorteil zu nutzen und weiter von Erfolg zu Erfolg zu eilen.
Kritik aus dem Kollegenkreis für Sinner
Man kann Sinner fast nur wünschen, dass er in New York ein gnädiges Publikum vorfindet. Schwer genug wird es ohnehin, denn auch aus dem Kollegenkreis kamen harsche Töne. Vor allem Nick Kyrgios und Denis Shapovalov, die ebenfalls bei den US Open aufschlagen, übten massiv Kritik daran, dass der Italiener ohne Sperre weitermachen darf. Nicht auszuschließen, dass sich die Herren auf der Anlage im Billie Jean King National Tennis Center über den Weg laufen - oder gar im Match aufeinandertreffen.
Sinner selbst schrieb auf X, dass er "diese herausfordernde und zutiefst unglückliche Zeit jetzt hinter mir lassen" werde. Das wird allerdings eine Herkulesaufgabe. "Es muss seltsam für ihn sein, dass er negative Presse bekommt. Das ist das erste Mal in seiner Karriere, dass das passiert", gibt Schett zu bedenken. Hinzu kommt: Theoretisch könnte der Australian-Open-Champion noch gesperrt werden, nachdem die - zunächst nicht involvierte - Welt-Anti-Doping-Agentur WADA erklärt hat, die Sache einer genauen Prüfung zu unterziehen.
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Sinner: "Nehme Titel als Geburtstagsgeschenk mit"
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Immerhin bekommt Sinner in der bislang ungemütlichsten Karrierephase auch Rückendeckung. "Jannik ist wirklich gut für das Spiel, die Rivalität zwischen ihm und Carlos Alcaraz ist schon episch. Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass es sich um einen kompletten Unfall von Jannik und seinem Team handelt", sagt Tennis-Ikone Wilander. "Ich danke der Dopingorganisation, dass sie ihn freigesprochen hat."
Der Freispruch ist das eine, nun aber steht Sinner der schwerste Gang bevor.
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Sinner: "Muss physisch besser werden für die US Open"
Quelle: SNTV
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