Als Lucien Favre Mitte Dezember des vergangenen Jahres von seinen Aufgaben als Cheftrainer von Borussia Dortmund entbunden wurde, legte sich die Führungsriege des Vizemeisters schnell auf seinen Nachfolger fest.
Edin Terzic - bis dahin als Assistent des Schweizers im Verein tätig - übernahm und wurde sogleich mit einem Treueschwur bis zum Saisonende ausgestattet. Dann wolle man weitersehen, hieß es von den BVB-Bossen.
Ebenso schnell wie der 38-Jährige aber auf den Chefsessel gehoben wurde, hatten sich aber bereits Gerüchte verselbstständigt, wonach Terzic die laufende Saison zu Ende bringen, danach aber ein anderer, erfahrenerer Trainer übernehmen solle.
Bundesliga
Vor Kracher gegen Dortmund: So denkt Rose über die BVB-Gerüchte
21/01/2021 AM 18:50
Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Manager Michael Zorc und die anderen Entscheidungsträger hätten mehr als ein Auge auf Marco Rose geworfen, hieß es schnell.
Die Gerüchte halten sich bis heute hartnäckig und wurden weder von der einen noch der anderen Seite wirklich klar dementiert.

Terzic und der BVB gegen Rose und Gladbach unter Druck

Am Freitag (20:30 Uhr im Liveticker) nun treffen Dortmund und Mönchengladbach zum großen Borussen-Duell und Rückrundenauftakt aufeinander - und damit auch Terzic und Rose.
Und während "Fohlen-Dompteur" Rose nach dem Sieg über Bremen alles im Griff zu haben scheint, ist das Spiel für seinen BVB-Konterpart schon in doppeltem Sinne richtungweisend.
Terzic muss dringend mit einem starken Ergebnis und überzeugenden Spiel beweisen, dass der starke Auftritt aus der zweiten Halbzeit des Spitzenspiels bei RB Leipzig (3:1) von vor eineinhalb Wochen keine Eintagsfliege war.
Ansonsten nämlich liest sich die Bilanz des Trainers durchaus ernüchternd.

Edin Terzic ist seit 13. Dezember 2020 Cheftrainer bei Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Auch Terzic kann das Auf und Ab des BVB nicht stoppen

Zwar fuhr man - neben Leipzig - noch Bundesliga-Siege gegen Bremen (2:1) und Wolfsburg (2:0) ein und kam im Pokal bei Zweitligist Braunschweig (2:0) weiter. Dem gegenüber stehen aber Niederlagen bei Union Berlin (1:2) und Leverkusen (1:2) und ein Unentschieden zuhause gegen Mainz (1:1).
Terzics Punkteschnitt von 1,6 Zählern aus sechs Bundesligaspielen ist der schwächste Start eines Dortmunder Trainers seit Thomas Doll im Jahr 2007. Dessen damalige Mannschaft ist obendrein qualitativ mit dem heutigen Team nicht im Ansatz zu vergleichen.
Durch die von enormen Schwankungen gekennzeichneten Performances hat sich die Borussia mittlerweile mehr oder weniger deutlich aus dem Titelrennen verabschiedet. Sechs Niederlagen nach 17 Spielen sind deutlich zu viel für ganz hohe Ansprüche.
Bei zehn Punkten Rückstand auf Tabellenführer FC Bayern und Rang vier nach der Hälfte der Spielzeit ist sogar das absolute Minimalziel Champions-League-Qualifikation in Gefahr. "In der Liga hinken wir schon einige Punkte unseren Vorstellungen und Ansprüchen hinterher", sagte Sportdirektor Michael Zorc am Donnerstag.

Zorc weist kritische Pressefrage scharf zurück: "Eine Frechheit!"

Bosz schlägt Terzic in direktem Duell

Diese Gemengelage bewog Terzic dazu, schon am Tag nach der Pleite bei Bayer, die Zügel doch merklich anzuziehen.
"Qualität ist immer das Ergebnis von Talent plus Mentalität. Heute haben wir uns zu viel auf unser Talent verlassen", hatte er gesagt und damit die rund um den BVB schon so häufig geführte Mentalitätsdebatte wiedereröffnet.
"Wir waren mit der Körpersprache nicht einverstanden, wie schnell wir bei Misserfolgen negativ wurden. Wir wissen, dass wir es besser können. Wir wollen das einfach nicht mehr zulassen", präzisierte er am Donnerstag.
Der Trainer-Novize merkt, dass eine weitere Pleite gegen Mönchengladbach nicht nur für die Ziele des Vereins, sondern auch für seine persönliche Zukunftsplanung nicht zuträglich sein dürfte. Im Duell mit seinem Schattenmann Rose käme dem 38-Jährigen auch ein Ausrufezeichen auf Trainerebene sehr gelegen.
Am Dienstagabend war er dem ehemaligen BVB-Coach Peter Bosz über weite Strecken taktisch unterlegen gewesen.
Terzics Team ließ - bis auf eine Viertelstunde Mitte der zweiten 45 Minuten - eine klare taktische Marschroute vermissen, während Bosz immer wieder mit kurzen prägnanten Pressingkommandos das Aufbauspiel der Borussia zu Nichte machte.

Marco Rose ist seit 2019 Trainer von Borussia Mönchengladbach

Fotocredit: Getty Images

Rose hat den Stil, den Dortmund will

Auch Rose dürfte dies gesehen und selbiges Mittel ohnehin längst auf dem Zettel haben. Der 44-Jährige wird auch aufgrund seiner klaren, unverschnörkelten Spielidee vom BVB umworben.
Der ehemalige Bundesligaspieler von Mainz 05 hat Salzburger Vergangenheit und dort den Spielstil entwickelt, der ihn nun mit Mönchengladbach erst in die Bundesliga-Spitzengruppe und dieses Jahr durch die schwere Vorrundengruppe in der Champions League mit Real Madrid und Inter Mailand führte.
Rose vermischt "Vollgas-Veranstaltungen" mit Emotionalität und defensiver Absicherung. Eine Mischung, die in Dortmund die Hoffnung auf eine rosige Zukunft schürt.
Auch Terzic - das ließ er ab und an schon durchblicken - möchte ähnlich spielen lassen. Der Unterschied ist: Rose hat bereits nachgewiesen, dass er es auf Dauer erfolgreich kann.
Mit einem Sieg gegen den BVB würde er am Freitagabend an den Dortmundern vorbeiziehen - und weitere Argumente für eine offizielle Anfrage Schwarz-Gelben sammeln.
Für Terzic und seine Borussia ist das Spiel also gleich doppelt wegweisend: Es geht um die Zukunft des Trainers und die Minimalziele des Vereins.
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