Das Interesse an der Bundesliga ist in jüngerer Vergangenheit erheblich gesunken.
Dies legt zumindest eine Studie der Votingapp "FanQ", die in Zusammenarbeit mit der Organisation "FC PlayFair!" entstanden ist, nahe. 70 Prozent der 6200 befragten Fußballfans gaben Anfang Juni an, dass ihr Interesse am deutschen Oberhaus abgenommen habe.
Über die Gründe wurde im Anschluss spekuliert, auf der Hand liegen dürfte die mäßige Spannung – immerhin tütete der FC Bayern in der abgelaufenen Saison seine zehnte Meisterschaft in Folge ein. Auch der Abstieg der Traditionsklubs Schalke 04 oder Werder Bremen, die über eine große Fanbasis verfügen, wird nicht unbedingt zur Attraktivitätssteigerung beigetragen haben.
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UPDATE 27/06/2022 UM 12:08 UHR
Dass sich das Blatt nun in der kommenden Spielzeit wenden könnte und BVB-Chef und DFL-Aufsichtsratboss Hans-Joachim Watzke auf einen neuen Bundesliga-Boom hofft, liegt nicht bloß an der Rückkehr der beiden Größen.
Zwar kehrt in Erling Haaland ein Superstar mit internationaler Strahlkraft Deutschland den Rücken, auch ein Abgang Robert Lewandowskis würde den Glamour-Faktor sicherlich senken – auf der anderen Seite blieben international umworbene Spieler wie Niklas Süle, Nico Schlotterbeck (wechseln beide nach Dortmund) sowie Patrik Schick, Florian Wirtz (beide verlängerten ihre Verträge bei Bayer Leverkusen bis 2027) oder Christopher Nkunku (verlängerte bei RB Leipzig bis 2026) der deutschen Beletage treu.
Vor allem aber dürften einige Neuankömmlinge das Attraktivitätslevel der Bundesliga künftig erheblich steigern. Eurosport stellt sechs von ihnen vor.

1.) Sadio Mané (FC Bayern)

Sadio Mané wechselt in der Bundesliga – vor einigen Wochen klang diese potenzielle Zeile noch nach reinster Utopie. Mittlerweile ist aus einem zunächst abenteuerlich anmutenden Gerücht jedoch Realität geworden.
Der Angreifer vom FC Liverpool stürmt künftig für den FC Bayern, der deutsche Rekordmeister überwies im Gegenzug eine Sockelablöse (ohne Boni) von 32 Millionen Euro an die Merseyside. Er sei gleich "Feuer und Flamme" gewesen, als er vom Interesse der Münchner erfahren habe, sagte Mané der "Bild". Er ergänzte: "Für mich war es der richtige Verein zur richtigen Zeit."
Mit dem Senegalesen schlägt ein Weltstar in der Bundesrepublik auf. Champions-League-Titel, englische Meisterschaft und der Triumph beim Afrika Cup schmücken Manés Vita. Sechs Jahre lang prägte er das spektakuläre Offensivspiel der Reds unter Trainer Jürgen Klopp mit, zählte zu den unangefochtenen Stammspielern bei Liverpool.

Sadio Mané - FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Sein Arbeitsnachweis in der englischen Hafenstadt: 269 Pflichtspiele, 120 Tore und 48 Vorlagen. Neben seiner fußballerischen Klasse wusste Mané offenbar auch charakterlich zu überzeugen. "Er hat im ersten Gespräch einen sehr, sehr selbstlosen Eindruck gemacht", verriet Bayern-Coach Julian Nagelsmann.
Er schob nach: "Das ist außergewöhnlich bei einem Spieler mit einem so großen Namen. Er hat ganz zurückhaltend gesagt, er kann sich jede Position vorstellen. Man erlebt selten in einem ersten Gespräch, dass sich ein Spieler total in den Dienst des Vereins stellt." Danach sei "der Drang noch größer" gewesen, Mané zu den Bayern zu holen.
Beim Fixieren des Transfers sahen sich Nagelsmanns Bosse Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn übrigens mit prominenter Konkurrenz konfrontiert: Wie Manés PR-Berater Bacary Cissé im Gespräch mit "RMC" verriet, buhlte auch Paris Saint-Germain um die Dienste seines Klienten.

2.) Ryan Gravenberch (FC Bayern)

Deutlich geringerer Bekanntheitsgrad als Mané, aber dennoch ein Transfer, der aufhorchen ließ: Ryan Gravenberch von Ajax Amsterdam schließt sich ebenfalls dem FC Bayern an. Für den 20-jährigen Niederländer werden übereinstimmenden Medienberichten rund 19 Millionen Euro fällig.
Gravenberch hat seine Qualitäten während seiner Zeit in den Niederlanden bereits unter Beweis gestellt, trotz seines noch recht jungen Alters stehen über hundert Spiele für Ajax zu Buche, 14 Mal stand Gravenberch in der Champions League auf dem Platz, zudem kann er zehn Einsätze in der Elftal verweisen (ein Tor).
Der 1,90-Mann, der im zentralen Mittelfeld beheimatet ist, gilt seit geraumer Zeit als Zukunftsversprechen, zu Beginn seiner Karriere wurde er regelmäßig mit Paul Pogba verglichen. Der Grund: Ähnlich wie der Franzose verfügt der Youngster über große Stärken im physischen Bereich. Gravenberch ist präsent und aufmerksam im Zweikampf, bringt aber dennoch eine hervorragende Ausbildung im technischen Bereich mit.

Bayern-Neuzugang Ryan Gravenberch (l.) mit Hasan Salihamidzic

Fotocredit: Getty Images

Die Bayern erhoffen sich von ihrem Neuzugang Ballsicherheit und Balleroberungen sowie Raumgewinne im Spiel nach vorne. Salihamidzic schwärmte im Anschluss an die Verpflichtung in den höchsten Tönen von Gravenberch.
"Er ist eines der größten Talente in Europa. Er hat große Stärken im Mittelfeld, eine tolle Technik und die Fähigkeit, Situationen auf engstem Raum zu lösen", sagte der Bayern-Sportvorstand und schob nach: "Er ist torgefährlich, kann aber auch verteidigen. Er ist ein Spieler mit Allrounder-Qualitäten. Bei uns wird er die nächsten Schritte machen."
Zunächst wird Gravenberch im Gegensatz zu Mané vermutlich nicht zum sofortigen Stammpersonal zählen. Mit Leon Goretzka und Joshua Kimmich muss er sich mit qualitativ hochwertigen Nebenbuhlern auseinandersetzen, erwarten dürfen die Bayern-Fans dennoch einiges.

3.) Sébastien Haller (Borussia Dortmund)

Offiziell vermeldet wurde der Transfer zwar noch nicht, dass Sébastien Haller künftig für Borussia Dortmund stürmt, ist aber nur noch Formsache. Der ivorische Angreifer hat im Ruhrgebiet bereits den Medizincheck absolviert, zudem soll er einen Vierjahresvertrag beim Vizemeister unterzeichnet haben.
Haller ist neben Gravenbech und Noussair Mazraoui (wechselt ebenfalls zum FC Bayern) der dritte schmerzliche Abgang für Ajax Amsterdam. Beim BVB soll Haller, der den Schwarz-Gelben mindestens 30 Millionen Euro wert ist, die Lücke schließen, die Erling Haaland nach seinem Wechsel zu Manchester City hinterlässt.
Mit Haller wechselt ein bekanntes Gesicht zurück in die Bundesliga. Zwischen 2017 und 2019 stürmte Haller für Eintracht Frankfurt und wusste an der Seite von Ante Rebic und Luka Jovic zu gefallen. Besonders in der Saison 2018/19 überzeugte das Trio, das aufgrund seiner Durchschlagskraft den Beinamen "Büffelherde" erhielt.

Sebastien Haller

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In insgesamt 77 Pflichtspielen für die Hessen steuerte er 33 Tore und 19 Vorlagen bei. Dies veranlasste seinerzeit West Ham United, 50 Millionen Euro für Haller locker zu machen. Nachdem sein Intermezzo in England nur bedingt von Erfolg gekrönt war, ging es 2021 weiter nach Amsterdam, wo er mittlerweile wieder vollends in die Spur fand (65 Spiele, 47 Tore – in der vergangenen Saison traf er in acht Champions-League-Spielen alleine elfmal).
Mit Haller bekommt Dortmund einen typischen Mittelstürmer. Der 15-malige Nationalspieler der Elfenbeinküste ist körperlich robust, aber dennoch technisch beschlagen. Seine größte Stärke – und das dürfte anhand der Statistiken nicht verwundern – ist allerdings sein Abschluss.

4.) Karim Adeyemi (Borussia Dortmund)

Borussia Dortmund ist in diesem Sommer ganz besonders auf dem Transfermarkt aktiv. Nebst Haller, Schlotterbeck, Süle und Salih Özcan (kommt aus Köln) wechselt ein vielversprechendes Top-Talent zu den Westfalen: Karim Adeyemi.
Der gebürtige Münchner, der einst als Neunjähriger beim FC Bayern aussortiert wurde und anschließend bei der SpVgg Ungterhaching ausgebildet wurde, sorgte in den vergangenen Jahren bei Red Bull Salzburg für mächtig Furore.
Im Alter von 16 Jahren war Adeyemi in die Mozartstadt gewechselt, wo er zunächst im Salzburger Farmteam FC Liefering geparkt wurde, ehe er 2019 in die erste Mannschaft der Roten Bullen stieß. In drei Jahren gelangen Adeyemi 33 Treffer in 91 Pflichtspielen, mit vier Toren in elf Champions-League-Partien brachte er seinen Namen auch auf europäischem Top-Niveau bereits aufs Tableau.

Karim Adeyemi (r.) mit dem künftigen BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl

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Die starken Leistungen des pfeilschnellen Angreifers, der sowohl an vorderster Front als auch hinter den Spitzen sowie auf den Außenbahnen eingesetzt werden kann, blieben auch Neu-Bundestrainer Hansi Flick nicht verborgen. Anfang September vergangenen Jahres feierte Adeyemi sein Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft.
Im Rennen um Adeyemi setzte sich Dortmund dem Vernehmen nach nicht nur gegen Bundesliga-Konkurrent RB Leipzig, sondern auch gegen den FC Barcelona und Manchester United durch. Auch Ex-Klub FC Bayern soll seinen Hut zwischenzeitlich in den Ring geworfen haben. "Als kleiner Junge war ich fasziniert vom schwarzgelben Tempofußball. Deshalb stand für mich schnell fest, dass ich gerne zum BVB wechseln möchte, als ich vom Dortmunder Interesse erfahren habe", begründete der 20-Jährige seinen Schritt.

5.) Adam Hlozek (Bayer Leverkusen)

Hinsichtlich der Verpflichtung vielversprechender Talente ist auch Bayer Leverkusen einmal mehr tätig geworden. Die Rheinländer, die in den vergangenen Jahren bereits mit den Transfers von Juwelen wie Wirtz, Moussa Diaby oder Jeremie Frimpong ganze Arbeit geleistet haben, sicherten sich vor wenigen Wochen Adam Hlozek von Sparta Prag.
13 Millionen Euro ließ sich Bayer 04 Hlozeks Dienste kosten. Der junge Tscheche, der in der Nationalmannschaft mit nur 19 Jahren schon zum Stammpersonal zählt, besticht vor allem mit seiner Flexibilität. Hlozek kann auf der Neun, als hängende Spitze oder Flügelstürmer agieren.

Adam Hlozek wechselt zu Bayer Leverkusen

Fotocredit: Twitter

"Seine Vielseitigkeit, Power und vor allem seine Abschlussstärke werden unserem Offensivspiel weitere Variationsmöglichkeiten geben", freute sich Sportdirektor Simon Rolfes im Rahmen der offiziellen Vorstellung. Hlozek selbst attestierte seinem neuen Verein "wunderschönen Fußball."
Im Vorfeld des Transfers hatte nicht nur die Werkself Hlozek auf dem Schirm. Auch der FC Bayern, Borussia Dortmund und der FC Arsenal warfen ein Auge auf den Offensivspezialisten, der spanische Klub FC Sevilla soll sogar kurz vor dem Abschluss des Deals versucht haben, Leverkusen dazwischenzufunken.
Letztlich blieb Hlozek jedoch bei seiner Entscheidung. Sicherlich auch, weil Bayer 04 in puncto Talenteausbildung einen hervorragenden Ruf genießt.

6.) Mario Götze (Eintracht Frankfurt)

Lange deutete alles darauf hin, dass Götze gemeinsam mit Trainer Roger Schmidt zu Benfica Lissabon wechseln würde. Immerhin hatte Schmidt dem WM-Helden von 2014 bei der PSV Eindhoven dabei geholfen, seine Karriere wieder anzukurbeln.
Seit seinem Wechsel von Borussia Dortmund in die Niederlande war Götze etwas von der Bildfläche der deutschen Medienlandschaft verschwunden. Der Umstand, nicht mehr vollumfänglich im Rampenlicht zu stehen, tat dem Mittelfeldspieler aber merklich gut. In 76 Spielen machte er mit 18 Toren und 18 Vorlagen auf sich aufmerksam.

Mario Götze ist eine der Hauptattraktionen bei der Eintracht

Fotocredit: Imago

Doch Götze folgte dem Lockruf aus der portugiesischen Hauptstadt nicht, sondern wechselte überraschend zurück in sein Heimatland. Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt erhielt den Zuschlag und der 30-Jährige damit die Chance, sich in der Champions League neu zu beweisen.
"Dieser Klub hat ein großartiges Fundament. Vom Stadion über die Fans bis zur Stadt passt alles zu mir", sagte Götze bei seiner Vorstellung. "Ich freue mich total auf die Rückkehr in die Bundesliga." Dies dürfte auf Gegenseitigkeit beruhen. Mit Götze ist sie nämlich um einen großen Namen reicher.
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