Am 8. Mai 2019 stand Alexander Zverev in der Caja Magica in Madrid und applaudierte dem Mann, dessen Karriere er soeben durch einen 6:4, 6:1-Erfolg beendet hatte: David Ferrer.
"Wir werden ihn vermissen und ich hoffe, dass er dem Tennis nicht komplett verloren geht", erklärte damals Zverev nach der Partie.
Nun, die Hoffnung erfüllte sich. Keine 15 Monate später gab der Hamburger bekannt, dass er sich nach einer Testphase dazu entschieden habe, Ferrer dauerhaft als Coach zu engagieren. Man verstehe sich "unglaublich gut".
Tennis
Paukenschlag vor Saisonstart: Ferrer trennt sich von Zverev
07/01/2021 AM 19:23
Tatsächlich machte sich der Einfluss von Ferrer schnell und positiv bemerkbar.
Zverev erzielte nicht nur spielerische Fortschritte, sondern zeigte sich auf dem Platz wesentlich ausgeglichener. Die Zeiten, als in schwierigen Momenten der Schläger flog oder gleich zerdeppert wurde, waren erst einmal vorbei. Der 23-Jährige offenbarte plötzlich die Qualitäten, die Ferrer als Profi ausgezeichnet hatten. Er blieb ruhig, fokussiert und seinem Spiel treu.

Becker: Darum passt Ferrer zu Zverev

Obwohl Ferrer bei den US Open infolge der Corona-Pandemie nicht vor Ort dabei war, erreichte Zverev sein erstes Grand-Slam-Finale, das er nach großem Kampf in fünf Sätzen gegen Dominic Thiem verlor. "Diese Partnerschaft gefällt mir", befand Eurosport-Experte Boris Becker.

Historisches US-Open-Finale: Thiem gewinnt Final-Krimi gegen Zverev

Vor allem im Training könne der Deutsche enorm profitieren. "Ferrer kann noch mit der Weltspitze mithalten. Es ist für die Trainingsübungen sehr praktisch, wenn du auf der anderen Seite des Netzes einen hast, der noch genauso gut spielt wie noch vor einem Jahr, wenngleich er natürlich einen Schritt langsamer geworden ist", so der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger.
Diese Zusammenarbeit trug im Herbst weiterhin reichlich Früchte. Nach dem Achtelfinale bei den French Open gewann Zverev die beiden ATP-Turniere von Köln und stand im Endspiel des Masters von Paris.

Ex-Freundin erhebt schwere Vorwürfe gegen Zverev

Ein Segen für Zverev, der in den vergangenen Monaten auch abseits des sportlichen Geschehens kräftig für Schlagzeilen sorgte.
Ende Oktober gab Ex-Freundin Brenda Patea bekannt, dass sie ein Kind vom deutschen Tennisstar erwarte. Nur Stunden später bezichtigte Olga Sharypova, die zuvor eine Beziehung mit Zverev hatte, den Weltranglisten-Siebten der häuslichen Gewalt.
Schwere Vorwürfe, die Zverev bestritt. Sportlich gilt die Konzentration nun dem Saisonstart. Ab 1. Februar schlägt er beim ATP Cup in Melbourne für Deutschland auf, eine Woche später beginnen an Ort und Stelle die Australian Open.
Mit Ferrer an seiner Seite, so schien es, würde sich der sportliche Höhenflug höchstwahrscheinlich fortsetzen. Pustekuchen!

Warum beenden Zverev und Ferrer das Projekt?

Am 7. Januar gaben beide Seiten das Ende ihrer Zusammenarbeit bekannt - und auch wenn es um die Weihnachtszeit herum leise Gerüchte gegeben hatte, war die Meldung ein Paukenschlag. Warum nur beenden Zverev und Ferrer ein dermaßen erfolgreiches Projekt?

Alexander Zverev and David Ferrer

Fotocredit: Getty Images

Um etwaigen Spekulationen um ein Zerwürfnis zuvorzukommen, betonte der Spanier umgehend, dass "absolut nichts vorgefallen" sei. "Alles ist noch in Ordnung", so der 38-Jährige, der durchblicken ließ, dass er während der Corona-Pandemie in erster Linie für seine Familie da sein wolle. "Natürlich steht meine Familie über all dem. Ich möchte mich zuerst auf sie konzentrieren", erläuterte der Coach und schob die schwer interpretierbare Aussage hinterher: "Wir dachten, die Zeit sei reif, aber am Ende war sie es nicht."

Ferrero, Lendl, Ferrer - und jetzt?

Für Zverev stellt sich nun die Frage, wie es weitergehen soll ohne Trainer. Zunächst übernimmt - mal wieder - Vater Alexander Zverev senior das Coaching. Es wird wohl nur eine Übergangslösung bleiben, wobei sich die Suche nach einem neuen Toptrainer kompliziert gestalten könnte.
Vor Ferrer hatte Zverev mit Juan Carlos Ferrero und Ivan Lendl zusammengearbeitet. Beide Engagements endeten nach wenigen Monaten und waren von schrillen Misstönen begleitet. Ferrero habe sich "respektlos" verhalten, begründete Zverev im März 2018 seine Entscheidung, den Spanier nach nur sieben Monaten zu entlassen.
Lendl wiederum nahm seinerseits im Juli 2019 nach zehn Monaten während des ATP-Turniers von Hamburg seinen Hut - offenbar, ohne seinen Spieler vorher darüber zu informieren. "Es war etwas überraschend, dass er es während des Turniers gemacht hat und ich es durch die Medien erfahren habe", wunderte sich Zverev damals.
Mit wem der Hamburger in Zukunft trainiert, ist völlig offen. Wie schon in den vergangenen Jahren wird wohl der Name Boris Becker in den Medien aufploppen, doch der hatte sich in dieser Hinsicht bislang immer auffallend zurückhaltend gegeben. Ob der 53-Jährige, der einst Novak Djokovic mit großem Erfolg coachte, sich inzwischen ein Engagement im Team Zverev vorstellen kann, bleibt vorerst sein Geheimnis.
Fest steht nur, dass Zverev gut beraten wäre, wenn er sich einstweilen an das hält, was ihm Ferrer im vergangenen halben Jahr mit auf den Weg gegeben hat.
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