Lothar Matthäus holte am Montag den Vorschlaghammer raus.
"Ich kann in den letzten Wochen kein Konzept hinter den sportlichen Entscheidungen erkennen. Es gibt keine erste Elf und kein Gerüst, auf das man sich verlassen kann", ließ der "Sky"-Experte in seiner Kolumne "So sehe ich das" sowohl an den Profis als auch an den Verantwortlichen von Borussia Dortmund kein gutes Haar.
Und damit nicht genug: "Unterm Strich holt dieses Team einfach viel zu selten alles aus sich heraus. Sie schießen Tore, die Weltklasse sind, und verhalten sich dann regelmäßig bei Standardsituationen wie eine Amateurmannschaft", führte Matthäus seine Schimpftirade fort.
Bundesliga
Transfer-News vom Dienstag: Diese BVB-Stars könnten gehen
26/01/2021 AM 07:58
Gänzlich falsch liegt der Rekordnationalspieler mit seiner Generalkritik am zuletzt schwächelnden BVB nicht. Schließlich wechselten sich beachtliche Auftritte wie gegen den VfL Wolfsburg (2:0) und RB Leipzig (3:1) mit unterdurchschnittlichen Leistungen wie gegen Union Berlin (1:2) und eben Mainz 05 (1:1) ab.

Tiefpunkt nach Pleite gegen Gladbach

Vorläufiger Tiefpunkt einer bislang äußerst mittelprächtigen Spielzeit waren die Pleiten binnen vier Tagen gegen die beiden Konkurrenten im Kampf um die Champions-League-Plätze, Bayer Leverkusen (1:2) und Borussia Mönchengladbach (2:4) sowie der damit verbundene Absturz in der Tabelle auf Rang sieben.
"Bei den Ansprüchen und der Qualität sind wir damit nicht zufrieden", stellte Trainer Edin Terzic nach der jüngsten Niederlage im Borussen-Duell fest. Auch Julian Brandt bezeichnete die Situation als "extrem enttäuschend". Man bekomme momentan "zu einfache Gegentore", bemängelte der Nationalspieler und stellte fest: "Das ist eine Momentaufnahme, die für jeden Borussen nicht so schön ist."
Trotzdem hat der 24-Jährige die Hoffnung auf eine schnelle Besserung nicht aufgegeben. "Das kann sich innerhalb von zwei, drei, vier Wochen wieder ändern. Nichtsdestotrotz müssen wir aufpassen, wir müssen punkten."
Besonders im Kampf um die Champions-League-Plätze ist dies unabdingbar - von mehr ganz zu schweigen.

Marco Reus, Mats Hummels und Roman Bürki - Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Traum von der Meisterschaft früh geplatzt

Obwohl der BVB "offiziell kein Saisonziel mehr ausgeben wird", wie Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor Beginn der Spielzeit verlauten ließ, wird der ein oder andere am Borsigplatz womöglich doch heimlich von der ersten deutschen Meisterschaft seit der Saison 2011/12 geträumt haben.
"Wir werden darauf angewiesen sein, wie die Bayern sich präsentieren", erklärte Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl in der Sommervorbereitung und ergänzte: "Sie haben einen Geist entwickelt - davor muss man einfach Respekt haben. Aber wir werden angreifen."
Die Realität ist aktuell jedoch eine andere: Mit einem Rückstand von mittlerweile 13 Zählern auf Abo-Meister Bayern München ist der Traum vom Titel mit ziemlicher Sicherheit bereits nach 18 Spieltagen ausgeträumt.
Zweifelsohne ärgerlich, aber nicht weiter schlimm. Immerhin liegt der eigene Anspruch anscheinend eher darin, die zweite Kraft im deutschen Fußball hinter dem Rekordmeister zu sein.

Selbst Dortmunds Minimalziel in Gefahr

Doch bei nur 29 Punkten aus 18 Partien ist nun auch jenes Unterfangen stark in Gefahr, sodass sich der BVB langsam aber sicher an das Minimalziel Platz vier und damit den letzten Strohhalm für die Champions-League-Teilnahme klammern muss. Eine entsprechende Anpassung der Saisonziele geht damit selbstverständlich einher.
Dass die Schwarz-Gelben im Rennen um die Königsklasse bei bereits sieben Saisonniederlagen noch nicht gänzlich außen vor sind, hat viel mit der Inkonstanz der Konkurrenz zu tun.
Sowohl Gladbach, das nicht zuletzt aufgrund der Doppelbelastung lange Zeit nur hinterherhinkte, als auch Wolfsburg und das Überraschungsteam Union Berlin konnten sich nicht entscheidend vom amtierenden Vize-Meister absetzten.
Trotzdem muss man in Dortmund weiter den Blick nach links und rechten richten, da nun auch mit der formstarken Eintracht aus Frankfurt (fünf Siege in den vergangenen sechs Partien) ein weiterer Klub mit in der Verlosung um Platz vier ist.

BVB droht der Super-GAU

"Die Champions-League-Qualifikation muss über allem stehen - bei jedem", forderte Sportdirektor Michael Zorc daher eindrücklich.
Kein Wunder, immerhin käme ein Verpassen der Königsklasse einem Super-GAU gleich. Schließlich werden die Klub-Bosse die beiden offensiven Aushängeschilder Jadon Sancho und Erling Haaland mit der Perspektive der Europa League wohl kaum über den Sommer hinaus halten können.
Ähnliches gilt für die anhaltende Trainerfrage, die wie ein Damoklesschwert über dem Signal Iduna Park schwebt. Es ist nur schwer vorstellbar, dass ein Trainer vom Kaliber Marco Rose den Weg nach Dortmund findet, wenn er bei seinem derzeitigen Klub gleiche oder sogar bessere sportliche Aussichten vorfindet.
Nun sind also sowohl die Spieler als auch die Verantwortlichen gefragt, die Scherben der vergangenen Wochen aufzuheben und die Saison doch noch zu einem annehmbaren Ende zu bringen.
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