Die Laune von Robert Lewandowski hätte besser nicht sein können.
Der amtierende Weltfußballer scherzte gemeinsam mit seinem kongenialen Offensivpartner Thomas Müller, dick eingepackt auf der Tribüne der menschenleeren Allianz Arena, während auf dem Rasen die letzten Zeigerumdrehungen des Südschlagers zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart angebrochen waren.
Gleichwohl hatte Lewandowski vor seiner vorzeitigen Auswechslung (70. für Eric Maxim Choupo-Moting) höchstpersönlich dafür gesorgt, dass seine Mannschaftskollegen auf dem Feld trotz nummerischer Unterzahl die Schlussminuten ruhig ausklingen lassen konnten.
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Der Torjäger schnürte bereits in der ersten Halbzeit gegen den insgesamt überforderten Aufsteiger einen Dreierpack (18./23./39.), sein neunter Mehrfach-Pack in dieser Spielzeit, und war damit hauptverantwortlich für den 4:0 (4:0)-Kantersieg des deutschen Rekordmeisters am 26. Bundesliga-Spieltag.

Davies-Rot erweckt Bayern zum Leben

Dabei hatte der Nachmittag für die Münchener alles andere als vielversprechend begonnen. Alphonso Davies musste nach nicht einmal zwölf Minuten und einem überharten Einsteigen gegen VfB-Abräumer Wataru Endo mit der Roten Karte vom Feld. Doch anstatt den FC Bayern zu schwächen, stachelte der Platzverweis den Triple-Sieger augenscheinlich nur noch mehr an.
"Ich freue mich, wie wir die erste Halbzeit gespielt haben. Nach der Roten Karte sind wir aufgewacht. Wir haben nicht perfekt gespielt. Es war eine Herausforderung für uns, mit zehn Spielern Torchancen zu kreieren. Nach dem ersten Tor wollten wir weiter nach vorne spielen und versuchen, das zweite Tor zu erzielen", zeigte sich Matchwinner Lewandowski am "Sky"-Mikrofon sichtlich zufrieden.
Kein Wunder, schließlich stellte er mit seinen Saisontreffern 33 bis 35 nicht nur einen neuen persönlichen Torrekord binnen einer Spielzeit auf, sondern übernahm mit nunmehr 271 Treffern Platz zwei von Klaus Fischer (268) in der "ewigen" Bundesliga-Torschützenliste.

Robert Lewandowski - FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

40-Tore-Marke: Lewandowski jagt Bayern-Ikone Müller

Der letzten Spieler, der innerhalb einer Saison häufiger als 35 Mal einnetzte, war übrigens ein gewisser Gerd Müller - vor 48 Jahren (1972/73 - 36 Tore).
In der Liste für die meisten Torerfolge in einer Spielzeit reiht sich der Pole nun schon auf Platz vier ein. Lediglich Bayern-Legende Müller gelangen in drei Spielzeiten mehr Treffer (36, 38, 40) als Lewandowski, dem allerdings noch acht Spiele zur Verfügung stehen, um sein Konto weiter auszubauen.
Ganz nebenbei verringerte er auch noch den Rückstand auf den Fabelrekord von Müller (40 Tore) aus der Saison 1971/72 auf fünf Treffer. Mit der sagenumwobenen Bestmarke seines einstigen Vorgängers beschäftigt sich Lewandowski nach eigenen Aussagen aktuell jedoch nicht.

Lewandowski will geduldig bleiben

"Ich denke von Spiel zu Spiel und nicht daran, wie viele Tore ich noch brauche. Ich will nicht zu viel darüber nachdenken. Die Belastung ist hoch, alle drei Tage zu spielen. Jetzt kommt die Nationalmannschaft und dann sind wir auch noch in der Champions League. Das ist wichtig. Ich muss geduldig bleiben", gab sich der 32-Jährige gewohnt diplomatisch.
Schalke-Ikone Fischer ist sich dagegen sicher, dass Lewandowski die 40-Tore-Marke knacken wird - und sogar noch mehr.
"Es ist davon auszugehen, dass Gerd Müller eingeholt wird. Wenn Robert Lewandowski noch drei Jahre bei Bayern München bleibt und gesund bleibt, kann er durchaus auch den ewigen Rekord von Gerd Müller knacken", sagte der 71-Jährige im Interview mit "Spox" und "Goal" zur magischen Müller-Marke von insgesamt 365 Bundesliga-Toren.

Lewandowski auf dem Weg zu neuem Fabelrekord?

Doch erstmal eins nach dem anderen. Die 40 Saisontore-Marke sind das Nahziel - doch geht sogar noch mehr? Statistisch trifft er diese Saison alle 60 Bundesliga-Minuten. Bei seiner aktuellen Quote von 1,4 Toren pro Partie würde der Ausnahmestürmer hochgerechnet am Saisonende gar auf 47 Treffer kommen.
Zieht man zusätzlich Lewandowskis Leistungen aus der Hinserie in den verbleibenden acht Spielen zurate, scheint eine derartige Ausbeute durchaus im Bereich des Möglichen. In der Hinrunde durfte Lewandowski gegen RB Leipzig (3:3), Union Berlin (1:1), Wolfsburg (2:1), Leverkusen (2:1), Mainz (5:2), Gladbach (2:3), Freiburg (2:1) und Augsburg (1:0) insgesamt zehn Mal jubeln.
Sollte ihm jenes Kunststück auch in der Rückrunde gelingen, käme er in der Endabrechnung auf 45 Tore.

"Einfach sagenhaft"

"Das ist absoluter Wahnsinn", schwärmte "Sky"-Experte Dietmar Hamann vom amtierenden Weltfußballer: "So, wie er im Moment trifft, hat er möglicherweise nach 30 Spieltagen den Rekord von Gerd Müller schon geknackt. In der Form, in der er aktuell ist, gibt es keinen besseren. Was er im Moment leistet, ist einfach sagenhaft."
Auch die Gäste aus Stuttgart mussten die Qualitäten des Polen neidlos anerkennen. Auf die Frage, wie er die Leistung von Lewandowski in den ersten 45 Minuten beurteile, antwortete Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger: "Irgendwas über Weltklasse. Die Chancen, die er nutzt, wie er sich bewegt - besser geht es einfach nicht. Letzte Woche (gegen Werder Bremen; Anm. d. Red.) hatte er ein wenig Pech, dafür sind ihm heute die Bälle direkt vor die Füße gefallen."
Zum Leidwesen des Aufsteigers, der am Ende des Tages nicht mehr als eine Vorspeise für Lewandowski und dessen schier unersättlichem Torhunger war.
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