Finalturnier in Lissabon: Warum sich Europa vor dem FC Bayern fürchtet
Der letzte Akt einer äußerst ungewöhnlichen Saison steht unmittelbar bevor. Das Finalturnier der Champions League bietet den 12 verbliebenen Teams die große Chance, ihre Spielzeit zu vergolden. Nicht zuletzt auch dem FC Bayern. Ganz Europa traut dem Rekordmeister den Gewinn des Henkelpotts zu. Zwei Außenseiter könnten den vermeintlichen Favoriten jedoch einen Strich durch die Rechnung machen.
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Elf Spiele, elf Siege.
Der FC Bayern marschierte seit dem Restart auf nationaler Ebene von Sieg zu Sieg. Nach dem vorzeitigen Gewinn des 30. Meistertitels in der Bundesliga krönte sich die Mannschaft von Trainer Hansi Flick in Berlin auch zum DFB-Pokalsieger (4:2 gegen Bayern Leverkusen).
Kein Wunder also, dass der Rekordmeister nach jener Erfolgsserie auf das zweite Triple der Vereinsgeschichte schielt. "Wir haben noch einen dritten Pokal, in dem wir noch vertreten sind und natürlich auch große Ziele haben", erklärte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge vor wenigen Wochen und betonte:
"Alle, die 2013 schon dabei waren, wissen, dass es ein langer und schwieriger Weg ist. Aber wenn ich euch in den letzten Wochen und Monaten so beobachtet habe, ist es ein Weg, der möglich ist."
Das sehen auch die Eurosport-Journalisten aus den verschiedensten europäischen Ländern so. Unmittelbar vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs haben die Experten den FC Bayern als großen Favoriten für das Champions-League-Finalturnier in Lissabon auserkoren.
"Der FC Bayern weiß, wie man die Champions League gewinnt"
"Der FC Bayern hat alles in der eigenen Hand. Sie haben eine erfahrene Mannschaft und wissen, wie man die Champions League gewinnt. Vor allem aber haben sie sowohl defensiv als auch offensiv eine bessere individuelle Qualität als alle anderen Teams. Außerdem verfügen sie über sehr dominante Spieler, die den Unterschied machen können", erklärt Vincent Bregevin von Eurosport in Paris.
Der Fußball-Experte sieht darüber hinaus in der rund einmonatigen Wettkampfpause einen entscheidenden Vorteil für die Münchener im Kampf um den Henkelpott.
"Sie haben nach Abschluss der Bundesliga im Juni ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Frische. Bayern hat wahrscheinlich die beste Mannschaft in diesem Turnier, gepaart mit der bestmöglichen Vorbereitung", so Bregevin weiter.
Einziger Schwachpunkt der Bayern könnte nach Ansicht des Franzosen die Verletzung von Rechtsverteidiger Benjamin Pavard sein. "Aber auch das sollten sie kompensieren können", ist er sich sicher.
Bayerns steiniger Weg ins CL-Endspiel
Der Weg zum Triple wird für den FC Bayern jedoch alles andere als ein Spaziergang. Der erste Prüfstein auf dem Weg zu Europas Krone ist der FC Chelsea, den der deutsche Meister vor knapp fünf Monaten im Achtelfinal-Hinspiel auswärts souverän mit 3:0 bezwang.
Im Viertelfinale würde zunächst der Sieger des Duells FC Barcelona gegen SSC Neapel (Hinspiel 1:1) warten, ehe sich der FCB in der Vorschlussrunde mit Manchester City, Real Madrid, Juventus Turin oder Olympique Lyon auseinandersetzen müsste.
Trotzdem ist die Favoritenrolle für Tobias Hlusiak von Eurosport in München vor dem Restart der Königsklasse klar verteilt.
"Bayern und Manchester City scheinen die offensichtlichen Favoriten in Bezug auf ihre Leistungen nach dem Neustart zu sein", konstatiert er. Der Fußball-Experte hat jedoch noch einen anderen Topklub ganz oben auf seiner Liste.
"Ich würde Paris Saint-Germain keinesfalls abschreiben. Dies könnte ihr Jahr werden. Immerhin fordert die Auslosung sie fast dazu auf, das Finale zu erreichen, da sie 'nur' gegen Bergamo und (vielleicht) Atlético antreten müssen", ergänzte Hlusiak.
CL-Finalturnier: Atalanta der große Geheimfavorit?
Der französische Meister präsentierte sich nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor wenigen Wochen durchaus in ansprechender Verfassung und sicherte sich sowohl den Coup de la Ligue als auch den Coup de France. Einzig der Ausfall von Superstar Kylian Mbappé sorgte in Paris für Kopfzerbrechen.
Mit Atalanta Bergamo wartet auf die Elf von Thomas Tuchel zudem so etwas wie die Mannschaft der Stunde auf europäischer Bühne. Die Lombarden verloren im gesamten Kalenderjahr 2020 lediglich drei Partien und sorgten mit ihrer Offensivpower (98 Tore in der Serie A) für Furore.
Pete Sharland von Eurosport in London traut Atalanta daher auch in der Champions League den großen Wurf zu.
"Die größte Überraschung könnte meiner Meinung nach Atalanta Bergamo werden. Sie waren brillant seit dem Neustart der Serie A und ich bin zuversichtlich, dass sie PSG schlagen werden, besonders wenn Mbappé nicht spielen kann. Sie sind wahrscheinlich das beste Team, das es derzeit in Europa gibt. Ihre Offensive kann jeden Gegner überrollen", schwärmte der Experte vom Team um den deutschen Linksverteidiger Robin Gosens.
"Perfekter Modus für Atlético Madrid und Diego Simeone"
Der größte Anwärter auf den Henkelpott ist für Sharland aber weder Atalanta noch ManCity oder der FC Bayern. Seiner Meinung nach kommt der neue Titelträger aus Spanien.
"Die meisten werden Bayern als den großen Favoriten nennen, aber ehrlich gesagt denke ich, dass dieser Modus perfekt für Atlético Madrid und Diego Simeone ist. Sie müssen nur drei Spiele gewinnen, um sich zum Champion zu krönen. Atlético hat bereits die beste Mannschaft Europas, den FC Liverpool, geschlagen (3:2 nach Verlängerung) und sie haben mit RB Leipzig ohne Timo Werner den perfekten Auftaktgegner", so Sharland.
Der FC Bayern musste bereits in der jüngeren Vergangenheit äußerst schlechte Erfahrungen mit den Rojiblancos machen (Halbfinal-Aus 2015/16). Ein Wiedersehen könnte es jedoch frühestens in einem Endspiel am 23. August geben. Ob es soweit überhaupt kommt, werden die kommenden drei Wochen zeigen.
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