Totale Implosion der Milliardenliga: Die neue Hyper-Kommerzveranstaltung Super League ist zwei Tage nach Ausrufung der großen Fußball-Revolution höchst spektakulär in sich zusammengekracht.
Manchester City, Manchester United, der FC Arsenal, der FC Liverpool und Tottenham Hotspur haben sich nach der großen Verkündung schon wieder aus der Super League des Fußballs zurückgezogen. Das gaben dier Premier-League-Klubs am Dienstagabend bekannt.
Nach der Ankündigung von zwölf Weltklubs, eine UEFA-unabhängige Superliga zu gründen, war ein Protesturm ausgebrochen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge knickten am Dienstag auch der FC Chelsea sowie Atlético Madrid ein und wollen nun nicht mehr teilnehmen. Auch der FC Barcelona und der AC Milan scheinen zu wackeln.
Champions League
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20/04/2021 AM 20:42
Manchester City "kann bestätigen, dass sich der Verein aus der Gruppe zurückzieht, die Pläne für eine Super League entwickelt", teilte der Premier-League-Tabellenführer in einem Einzeiler wenig später mit. Die vier weiteren Klubs schlossen sich an. Von Chelsea wurde eine entsprechende Mitteilung noch in der Nacht auf Mittwoch erwartet. "Wir haben einen Fehler gemacht, und dafür entschuldigen wir uns", teilte Arsenal mit.

Super League schon wieder vor dem Aus

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin kommentierte das Zerbröseln der Phalanx mit Genuss. "Ich freue mich sehr, City wieder in der europäischen Fußballfamilie begrüßen zu dürfen. Sie haben große Klugheit gezeigt", lobte der Slowene.
Damit steht die Superliga, für die ursprünglich zwölf Weltklubs vorgesehen waren, nach nicht einmal 48 Stunden vor dem Aus.
Aktuell bleiben aus Spanien noch Real Madrid, der FC Barcelona und Atlético Madrid sowie aus Italien Inter Mailand, der AC Mailand und Juventus Turin.
Bayern München, Borussia Dortmund und Paris St.-Germain erteilten zudem ebenso eindeutige wie schmerzhafte Absagen. Noch am späten Abend sollte eine Krisensitzung der Gründervereine beginnen.

Liverpools Mannschaft gegen die Super League

"Falls sich dies bewahrheitet, ist es (...) die absolut richtige Entscheidung", twitterte der britische Premierminister Boris Johnson erfreut: "Ich hoffe, dass andere Super-League-Klubs ihrem Vorbild folgen."
Die Mannschaft des FC Liverpool von Teammanager Jürgen Klopp hatte sich am Abend bereits geschlossen gegen die Super League gestellt. "Wir mögen sie nicht und wir wollen sie nicht. Das ist unsere gemeinsame Position", twitterte Reds-Kapitän Jordan Henderson am Dienstagabend: "Unsere Hingabe zum Sport und seinen Fans ist absolut und bedingungslos." Die Botschaft wurde von zahlreichen Mitspielern geteilt.
Klopp selbst hatte erklärt, er sei von der Entwicklung und der Bekanntgabe der zwölf Fußball-Großklubs überrumpelt worden.

Milliardenprojekt schon wieder gescheitert?

Das Multimilliardenprojekt der "Big 12", zwölf Weltklubs der Superreichen, angetrieben von JPMorgan, ist damit bereits zur Fehlzündung geworden - mit den klaren Siegern FIFA, UEFA und frisch reformierter Champions League, deren ebenfalls kommerzgetriebenen Änderungen die Fans dann wohl mit Freude schlucken werden.
Die große Revolution: Sie fällt womöglich doch aus. An der Stamford Bridge jubelten am Abend die Chelsea-Fans, die eigentlich protestieren wollten.
Am späten Abend bereiteten dann auch die anderen Premier-League-Klubs die Übergabe entsprechender Papiere vor. Zudem ist Manchester Uniteds Geschäftsführer Ed Woodward zurückgetreten.

Super League: Das "dreckige Dutzend" wackelt gehörig

Bis zu der aufregenden Wende hatte es ausgesehen, als wollten Real Madrid, der FC Liverpool und Konsorten ihr Ding gegen alle Widerstände durchziehen - dafür wurden sie als "dreckiges Dutzend" angesehen.
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Die Fans der deutschen Fußball-Granden müssen sich nicht sorgen. Der deutsche Rekordmeister FC Bayern und auch dessen Rivale Borussia Dortmund schließen eine Teilnahme definitiv aus. "Ich darf im Namen des Vorstandes ausdrücklich feststellen, dass der FC Bayern nicht an der Super League teilnimmt", sagte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge und betonte: "Der FC Bayern steht solidarisch zur Bundesliga. Für den FC Bayern ist die Champions League der weltweit beste Klubwettbewerb."
Auch der BVB wird auf keinen Fall im neuen Konstrukt mitspielen. Intern ist SID-Informationen zufolge "in Stein gemeißelt", dass sich der Klub den Plänen von bisher zwölf europäischen Giganten keinesfalls anschließen wird. Ohnehin liegt dem Verein von der Liga bisher weder eine Anfrage noch ein konkretes Angebot noch eine Friststellung vor. Aufgrund börsenrechtlicher Pflichten gestaltet sich eine glasklare Kommunikation jedoch schwierig.
"Wichtig ist, dass wir die Wurzeln nicht verlieren - und mit dieser Super League hätten wir die Wurzeln verloren und die Nationalmannschaften gefährdet", sagte derweil Lothar Matthäus bei "Sky": "Wir können stolz auf unsere Mannschaften sein, weil sie von Anfang an Nein gesagt haben. Denen gebührt ein großes Lob. Das ist ein tolles Zeichen für unseren Fußball, den wir lieben, der uns begeistert."

UEFA und FIFA suchen Konfrontation

Die großen Fußball-Verbände und ihre drei neu gewählten deutschen Topfunktionäre hatten sich auf den gemeinsamen Kampf gegen die Abtrünnigen eingeschworen. Rechtlich wurden die Chancen der Rebellen gut eingeschätzt: "Rein juristisch betrachtet hat die UEFA keine Chance, ihre Drohungen durchzusetzen", sagte die renommierte Sportrecht-Fachanwältin Anne Jakob dem SID: "Die Tendenz ist tatsächlich, die Märkte zu öffnen und Konkurrenzligen zuzulassen. Das Recht in Europa sieht das so vor."

Real-Präsident Pérez sicher: "Sie werden uns nicht ausschließen"

Trotzdem suchten der Weltverband FIFA (mit dem neuen Council-Mitglied Peter Peters), die Europäische Fußball-Union (UEFA) mit dem wiedergewählten Rainer Koch und Karl-Heinz Rummenigge in der Exekutive sowie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Konfrontation. Die 55 Mitglieder der UEFA verabschiedeten zum Abschluss ihres Kongresses einstimmig eine Resolution gegen die Super League.
Das war im DFB-Sinne. "Die Vereine und ihre Nachwuchsmannschaften sollten von allen Wettbewerben ausgeschlossen werden, bis sie wieder an ihre vielen Anhänger denken, die sie erst zu den größten Klubs der Welt gemacht haben - und nicht nur an ihre Geldbeutel", sagte Präsident Fritz Keller.

FIFA-Boss Infantino droht den Abtrünnigen

Auch Weltverbandsboss Gianni Infantino stellte in Richtung der Liga klar, dass es "keinen Zweifel an der Ablehnung der FIFA" gebe, und er drohte mit Auswirkungen. "Wenn einige sich entscheiden, ihren eigenen Weg zu gehen, dann müssen sie mit den Konsequenzen leben", äußerte der Schweizer: "Entweder bist du drin, oder du bist draußen. Man kann nicht halb drin und halb draußen sein."

Rein oder raus: FIFA-Präsident Infantino warnt die Super League

Die Abtrünnigen sind bzw. waren Liverpool, ManUnited, ManCity, Tottenham Hotspur, der FC Arsenal, Chelsea, Real Madrid, Barcelona, Atletico, Juventus Turin, der AC Mailand und Inter Mailand.
Real-Präsident Florentino Pérez wollte sich keineswegs drohen lassen. "Madrid wird nicht aus der Champions League geschmissen, definitiv nicht", sagte der als ESL-Chef vorgesehene Spanier: "Auch nicht sonst wer. Das ist unmöglich. Auch die Spieler können ruhig bleiben."

"Will den Fußball retten": Pérez verteidigt Super League

Pep Guardiola sah das anders und stellte sich am Nachmittag schon gegen die Super League. Es habe für ihn nichts mit Sport zu tun, sagte der Teammanager des Tabellenführers der englischen Premier League, "wenn es keinen Zusammenhang gibt zwischen Aufwand und Erfolg, wenn der Erfolg garantiert und es egal ist, wenn du verlierst".
14 Premier-League-Klubs hatten die sechs englischen Klubs zuvor schärfstens verurteilt und zum Rückzug aufgefordert. Am Abend fiel das Kartenhaus dann bereits krachend in sich zusammen.

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(SID)

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