US Open: Gleich fünf Spieler können die Nummer eins werden - Nadal, Tsitsipas und Co. kämpfen um Medvedevs Thron

Die US Open (29. August bis 11. September live bei discovery+) stehen in den Startlöchern. Neben dem Kampf um den letzten Grand-Slam-Titel des Jahres steht die Frage im Vordergrund, wer das prestigeträchtige Turnier in Flushing Meadows als neue Nummer eins der Welt verlässt. Immerhin haben gleich vier Spieler die große Chance, den aktuellen Spitzenreiter Daniil Medvedev vom Thron zu stoßen.

Carlos Alcaraz (l.) und Rafael Nadal

Fotocredit: Getty Images

Die US Open 2022 stehen unter ganz besonderen Vorzeichen.
Ab Montag (ab 17:00 Uhr) kämpft die Herren-Konkurrenz in Flushing Meadows nicht nur um den begehrten letzten Grand-Slam-Titel des Jahres, sondern auch um die Spitze der Weltrangliste.
Immerhin wurde jene Ehre gerade einmal 27 Spielern in der Tennis-Historie zuteil. Aktuell grüßt Daniil Medvedev, der als Titelverteidiger in New York antritt, vom Platz an der Sonne. Doch hinter dem 26-Jährigen herrscht ordentliches Gedränge.
Gleich vier Spieler haben bei den US Open die Chance, Medvedev vom Thron zu stoßen. Alexander Zverev (Knöchelverletzung) und Novak Djokovic (fehlender Coronaimpfschutz) können dagegen trotz ihrer gegenwärtig komfortablen Weltranglistenpositionen nicht in das Rennen um die Spitze des ATP-Rankings eingreifen.
Diese fünf Spieler könnten New York als Nummer eins der Welt verlassen.

ATP-Weltrangliste (Stand: 29.08.):

PlatzSpielerPunkte
1.Daniil Medvedev6885
2.Alexander Zverev (keine Teilnahme bei den US Open)5760
3.Rafael Nadal5630
4.Carlos Alcaraz5190
5.Stefanos Tsitsipas4890
6.Novak Djokovic (keine Teilnahme bei den US Open)4770
7.Casper Ruud4695

Schlechte Ausgangslage für Titelverteidiger Medvedev

Es klingt paradox, doch der aktuelle Spitzenreiter geht mit der vermeintlich schlechtesten Ausgangslage in das Rennen um die Nummer eins der Welt. Als Titelverteidiger in New York ist er dazu verdammt, seinen Coup aus dem Vorjahr zu wiederholen, um im ATP-Ranking keine Punkte zu verlieren.
Medvedev muss bei der 142. Auflage der US Open in New York, wo er zum Auftakt auf Lokalmatador Stefan Kozlov (ab 18:00 Uhr im Liveticker) trifft, daher mindestens das Endspiel am 11. September erreichen, um nicht zum bereits zweiten Mal in diesem Kalenderjahr vom Tennis-Thron zu purzeln.
Als große Favoriten sieht Mischa Zverev den 26-Jährigen in Flushing Meadows jedoch nicht. "Wenn er seine beste Leistung bringt, dann gewinnt er 99 Prozent seiner Matches. Wenn ich aber auf ehemalige Weltranglistenerste wie Nadal, Roger Federer oder Djokovic schaue, sehe ich deutliche Unterschiede. Die haben in diesen Phasen oft wie von einem anderen Stern gespielt", erklärte der 35-Jährige im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de und führte weiter aus:
"Wenn die Drei auf ihrem höchsten Level gespielt haben, war klar, dass sie niemand bezwingen kann. Bei Medvedev ist das anders. Aus meiner Sicht hat der Gegner immer eine Chance, ihn zu schlagen - was freilich nichts daran ändert, dass er ein herausragender Tennisspieler ist."
Beim Masters in Cincinnati musste Medvedev im Halbfinale gegen Stefanos Tsitsipas die Segel streichen, in Montreal war bereits in Runde zwei gegen Nick Kyrgios Endstation. Nicht gerade optimale Voraussetzungen für die Mission Titelverteidigung.
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Daniil Medvedev bei den US Open

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ATP-Ranking: Nadal in der Pole-Position

Davon kann auch Nadal ein Lied singen. Der Grand-Slam-Rekordchampion zog sich im Juli diesen Jahres beim Rasen-Klassiker in Wimbledon einen Bauchmuskelriss zu, weshalb er gar sein Halbfinale gegen Kyrgios absagen musste.
Nach rund sechswöchiger Pause kehrte er bei der US-Open-Generalprobe in Cincinnati auf den Platz zurück, wo er jedoch sein Auftaktmatch gegen den späteren Turniersieger Borna Coric verlor.
Dennoch ist der 36-Jährige aufgrund der Tatsache, dass er 2021 beim letzten Grand-Slam-Turnier des Kalenderjahres nicht antreten konnte und daher keine Punkte verteidigen muss, der heißeste Anwärter auf die Spitze der Weltrangliste.
Schafft es Nadal, seinen Triumph aus dem Jahr 2019 zu wiederholen, ist ihm der Platz an der Spitze nicht mehr zu nehmen. Selbst ein Finaleinzug könnte dem Mallorquiner schon reichen, um zum insgesamt neunten Mal in seiner Karriere die Nummer eins der Welt zu werden. In diesem Fall dürfte jedoch keiner der anderen Kandidaten das Endspiel erreichen.
Mischa Zverev sieht den viermaligen US-Open-Sieger allerdings genau wie Medvedev in New York nicht ganz vorne. "Für mich sind Rafa und Daniil gar nicht so sehr in der Rolle der Favoriten. Nadal hat seit Wimbledon nur das Masters in Cincinnati gespielt und dort sein Auftaktmatch verloren", merkte der 35-Jährige an.
Somit steht sowohl hinter der Form als auch dem Gesundheitszustand des Routiniers wie so häufig in der jüngeren Vergangenheit ein großes Fragezeichen.

US Open: Schett rechnet Alcaraz Chancen aus

Genau wie Landsmann Nadal greift auch Shootingstar Alcaraz im zarten Alter von nur 19 Jahren nach der Tennis-Krone. Dem Aufsteiger des Jahres 2022 könnte unter Umständen schon ein Finaleinzug in New York reichen, um Lleyton Hewitt als jüngste Nummer eins der Tennis-Historie (20 Jahre, 8 Monaten und 23 Tagen) zu verdrängen. Sein erster Grand-Slam-Sieg würde ihm jenen Rekord garantieren.
Eurosport-Expertin Barbara Schett rechnet dem Youngster dafür durchaus gute Chancen aus. "2021 hat er zum ersten Mal den großen Durchbruch bei den US Open geschafft. Körperlich war er nicht ganz in der Lage, über das Viertelfinale hinauszukommen - aber Carlos ist inzwischen ein anderer Spieler, vor allem körperlich", so die ehemalige Top-Ten-Spielerin.
Im Vorjahr schaltete Alcaraz bei seinem US-Open-Debüt unter anderem Tsitsipas aus, ehe er im Viertelfinale gegen Félix Auger-Aliassime verletzungsbedingt aufgeben musste. Der Mann aus Murcia hat seit jeher speziell in physischer Hinsicht deutlich zugelegt und feierte in diesem Jahr in Miami seinen ersten Hardplatz-Titel.
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Carlos Alcaraz

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Schlägt Tsitsipas' Stunde in New York?

Etwaige Erfolge auf Hardplatz liegen bei Tsitsipas dagegen schon mehr als zweieinhalb Jahre zurück (Marseille 2020).
Der Grieche hat als derzeitige Nummer fünf der Welt bei den US Open trotzdem die große Chance, erstmals das ATP-Ranking anzuführen. Dafür müsste Tsitsipas allerdings das Turnier gewinnen und hoffen, dass Nadal nicht das Endspiel erreicht. Andernfalls hätte Tsitsipas trotz des Gewinns seines ersten Grand-Slam-Titels das Nachsehen. Die Finalteilnahme alleine könnte auch reichen, dafür müsste aber die Konkurrenz entsprechend patzen.
Nach Ansicht von Eurosport-Expertin Schett habe Tsitsipas "gute Chancen, sehr weit zu kommen." Jene Prognose kommt nicht von Ungefähr: Beim Masters in CIncinnati erreichte der French-Open-Finalist des Vorjahres das Endspiel, in dem er sich jedoch etwas überraschend Coric geschlagen geben musste.
Auf dem Weg ins Finale nahm Tsitsipas allerdings durchaus große Namen wie Medvedev, John Isner und Diego Schwartzman aus dem Turnier.

Ruud will Tennis-Märchen krönen

Der letzte im Bunde der möglichen Medvedev-Nachfolger ist Casper Ruud, der damit sein persönliches Tennis-Märchen krönen könnte.
Der 23-Jährige müsste dafür aber genau wie Tsitsipas entweder die US Open gewinnen oder mindestens das Endspiel erreichen und auf Schützenhilfe hoffen. Das Zünglein an der Wage ist dabei auch im Fall des Norwegers Nadal, der Ruud selbst bei einer Finalniederlage in der Weltrangliste auf Distanz halten würde.
Die vergangenen Ergebnisse der Nummer fünf der Welt, der bereits bei den French Open in das Endspiel vordrang, lassen jedoch nicht gerade auf einen möglichen Turniersieg in Flushing Meadows schließen. In Cincinnati scheiterte Ruud zum Auftakt sensationell an Lokalmatador Ben Shelton. Sein bislang einziger Turniersieg auf Hartplatz datiert vom Oktober des vergangenen Jahres in San Diego.
Bei den US Open kam der Youngster bislang nie über die 3. Runde hinaus. Im Vorjahr schied er bereits in Runde zwei gegen Überraschungsmann Botic van de Zandschulp aus.
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Quelle: Eurosport

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