Tadej Pogacar legt beim UAE Team Emirates Sahne-Jahr hin - Vergleiche zum "Kannibalen" Eddy Merckx drängen sich auf

Tadej Pogacar hat seine überragende Saison nach einem 75-km-Solo mit dem EM-Titel im Straßenrennen garniert. Der Slowene fährt in einer eigenen Liga, steht allein in diesem Jahr bei 18 Siegen - und weckt Erinnerungen an einen, den sie einst den "Kannibalen" nannten: Eddy Merckx. Zwischen den großen Jahren des Belgiers und jenen von Pogacar liegen rund 50 Jahre - und doch liegt der Vergleich nahe.

Highlights: Pogacar mit Monster-Solo zu Gold - schwarzer Tag für Vingegaard

Quelle: Eurosport

Tadej Pogacar schwebt über allen im Radsport, abgehoben aber hat er nicht. Ein Lächeln für die Zuschauer, ein Selfie hier, Shakehands mit den schärfsten Rivalen da - der 27-Jährige präsentiert sich locker, nahbar.
Am kommenden Sonntag können Fans sogar im direkten Duell gegen Pogacar antreten: Der Superstar trommelt seit Monaten auf Instagram für die "Pogi Challenge", einem kleinen Rennen über knapp 1200 Höhenmeter hinauf zum Gipfel des Krvavec in Slowenien. Pogacar startet kurz nach den Hobbyfahrern und wird versuchen, sie alle einzuholen. Vorsorglich versorgte er die Amateure mit Tipps. "Schaut euch meine Rennen an und sucht nach meinen Schwachstellen", riet Pogacar.
Schwachstellen? Ja, es gibt sie tatsächlich. Pogacar ist keine Maschine, wie das WM-Zeitfahren vor knapp zwei Wochen in Ruanda zeigte. Der Slowene kassierte mehr als zweieinhalb Minuten auf Weltmeister Remco Evenepoel, wurde "nur" Vierter und verpasste eine Medaille.
Es ist die vielleicht einzige "echte" Niederlage, die Pogacar in dieser Saison einstecken musste. Die nicht aus einer Strategie heraus oder aufgrund dessen entstand, dass er nicht auf Sieg fuhr, wie etwa beim GP de Montréal, wo er seinem Teamkollegen Brandon McNulty den Vortritt auf der Zielgeraden ließ.

Ullrich adelt Pogacar: "Der Eddy Merckx unserer Zeit"

Ansonsten aber haben die Erfolge und Leistungen des begnadeten Allrounders im Jahr 2025 historische Dimensionen. "Tadej ist einfach dieses Mega-Talent. Der eine, der immer ein Stück besser ist, der Eddy Merckx unserer Zeit", befand Deutschlands Rad-Ikone Jan Ullrich im Gespräch mit dem "SID".
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Highlights: Pogacar nach Mega-Solo erneut Weltmeister

Quelle: Eurosport

Was Pogacars Siege einzigartig mache, sei die Tatsache, dass er "Gewissheiten durchbricht, die es früher gab. Zu meiner Zeit galt noch mehr die Fokussierung auf einzelne Events", berichtete Ullrich. Pogacar aber fahre - und gewinne - die unterschiedlichsten Rennen in kurzer Zeit.
Im ersten Halbjahr triumphierte der Mann vom UAE Team Emirates beim "Heimspiel" UAE Tour, aber auch bei der Strade Bianche, der Flandern-Rundfahrt, beim Flèche Wallonne, bei Lüttich - Bastogne - Lüttich sowie dem Critérium du Dauphiné.
Danach legte Pogacar eine kurze Pause ein, ehe er bei der Tour de France angriff und seinen Titel verteidigte.

Pogacar macht leise Hoffnung der Konkurrenz zunichte

Im Sommer zeigte sich der Dominator allerdings nachdenklich. Die Tour sei "wirklich hart gewesen, eine der schwierigsten, die ich gefahren bin", räumte Pogacar im Interview mit dem slowenischen Sender "RTV SLO" ein. Er zähle "tatsächlich die Jahre bis zu meinem Rücktritt. Ich habe früh angefangen zu gewinnen, und es könnten schlechtere Ergebnisse kommen."
Natürlich wirbelten die Aussagen Staub auf in der Szene, wenngleich Pogacar versicherte, die Tour schon noch ein paar Mal bestreiten zu wollen.
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Tadej Pogacar bei der Rad-EM 2025

Fotocredit: Imago

Die Vuelta a España, die ihm als einzige Grand Tour in der Titelsammlung noch fehlt, ließ er dagegen in dieser Saison erneut aus. Stattdessen fuhr Pogacar zwei Rennen in Kanada (Platz 29 beim GP de Québec, Platz zwei beim GP de Montréal) und kassierte im Anschluss die bittere Zeitfahr-Niederlage bei der WM in Ruanda. Sollte die Konkurrenz die leise Hoffnung gehabt haben, dass dem Überflieger nun die Puste ausgeht, wurde diese gnadenlos zunichtegemacht.

Pogacar düpiert Rivalen mit zwei Traum-Soli

Innerhalb einer Woche holte sich Pogacar Gold im Straßenrennen bei der WM und EM. Und wie: Bei den Weltmeisterschaften düpierte er das Peloton mit einem 66-Kilometer-Solo, bei den europäischen Titelkämpfen hängte er die Konkurrenz sogar schon 75 km vor der Ziellinie ab.
"Ein Phänomen. Er betreibt praktisch eine andere Sportart", musste Belgiens Nationaltrainer Serge Pauwels gegenüber "VTM" einräumen.
18 Siege hat Pogacar in diesem Jahr bereits angehäuft - und das muss noch nicht alles gewesen sein. Am Dienstag (11:25 Uhr bei Eurosport und discovery+) geht der 27-Jährige beim italienischen Eintagesrennen Tre Valli Varesine an den Start, am Samstag (14:20 Uhr live bei Eurosport und discovery+) steht die Lombardei-Rundfahrt an, die zu den fünf Monumenten des Radsports gehört - und seit 2021 viermal in Serie von Pogacar gewonnen wurde. Und kommt damit dem "Kannibalen" ziemlich nahe.

Statistiken zum Staunen: Merckx contra Pogacar

Der Ausnahmeathlet ist drauf und dran, sein unglaubliches Jahr noch unglaublicher zu machen. Bleibt die Frage: Bewegt Pogacar sich in den Sphären von Merckx, hat er den "Kannibalen" gar übertroffen oder liegt er noch ein wenig darunter? Eine eindeutige Antwort kann es naturgemäß nicht geben, dazu sind die Zeiten und Bedingungen zu weit auseinander.
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Tadej Pogacar (l.) konkurriert mit den Erfolgen des großen Eddy Merckx (re.)

Fotocredit: Getty Images

Bei Merckx gelten die Jahre von 1970 bis 1974 als die größten. 1972 etwa holte der Belgier 33 Siege, gewann zwei Grand Tours und drei Monumente. Ein Vergleich mit Pogacars letzter abgeschlossener Saison 2024 zeigt: Mit 25 Erfolgen, zwei Grand Tours (Giro d'Italia & Tour de France) und zwei Monumenten liegt er ein wenig darunter - holte dafür aber WM-Gold. Aber: Merckx fuhr seine Meriten an 127 Renntagen ein, Pogacar saß bei ähnlicher Ausbeute "nur" 58 Tage im Sattel. Wie also gewichten? Schwierig.
Sicher ist, dass der "Merckx unserer Zeit" (Ullrich) einen vergleichbaren Titelhunger hat wie das Original. Hinzu kommt sein Mut. Beim EM-Titel am vergangenen Sonntag setzte sich Pogacar bereits zum 50. Mal (!) in seiner Karriere als Solist durch. Er riskiert, er begeistert, er dominiert. Kurzum: Pogacar fährt eine der größten Saisons der Geschichte.

PogacarS 18 Siege im Jahr 2025 auf einen Blick:

  • 3. Etappe UAE Tour
  • 7. Etappe UAE Tour
  • Gesamtwertung UAE Tour
  • Strade Bianche
  • Flandern-Rundfahrt
  • La Flèche Wallonne
  • Lüttich–Bastogne–Lüttich
  • 1. Etappe Critérium du Dauphiné
  • 6. Etappe Critérium du Dauphiné
  • 7. Etappe Critérium du Dauphiné
  • Gesamtwertung Critérium du Dauphiné
  • 4. Etappe Tour de France
  • 7. Etappe Tour de France
  • 12. Etappe Tour de France
  • 13. Etappe Tour de France
  • Gesamtwertung Tour de France
  • WM-Gold Straßenrennen
  • EM-Gold Straßenrennen
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Evenepoel erneut distanziert: Pogacar auf Weg zu EM-Gold nicht aufzuhalten

Quelle: Eurosport


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