Rafael Nadal hat der Zeit mal wieder ein Schnippchen geschlagen und auch mit 36 Jahren "seinen" Grand-Slam-Wettbewerb gewonnen.
Die überragenden Leistungen des Superstars mögen alles überstrahlen, geboten war in Paris aber noch viel mehr - Erfreuliches und weniger Erfreuliches.
Besonders bitter endete das Turnier für Alexander Zverev und Alizé Cornet.
ATP Stuttgart
Zverev auf dem Weg zum ersten Grand-Slam-Titel? Murray mit klarer Meinung
06/06/2022 AM 16:29
Eine Demonstration der Stärke lieferte dagegen Iga Swiatek ab, die in beeindruckender Weise durch den Wettbewerb rauschte und völlig verdient die Coupe Suzanne Lenglen abräumte.
Zehn Punkte, die die French Open 2022 geprägt haben:

Das Drama - Zverev geht schreiend zu Boden

Drei Stunden und 13 Minuten lang lieferten sich Alexander Zverev und ein Rafael Nadal ein intensives Halbfinale auf Augenhöhe. Dann passierte es: Der Olympiasieger aus Hamburg schlug eine Vorhand und rutschte aus. Schreiend ging Zverev zu Boden, es war sofort klar, dass die Partie gelaufen war. Der 25-Jährige musste beim Stand von 6:7 (8:10), 6:6 aufgeben.

Das bittere Aus! Zverev knickt gegen Nadal fies um und muss aufgeben

Die Bilder, wie Zverev im Rollstuhl vom Platz gefahren wurde, gingen um die Welt. "Nach den ersten medizinischen Untersuchungen sieht es so aus, als habe ich mir mehrere Seitenbänder im rechten Fuß gerissen", schrieb Deutschlands Nummer eins später bei Instagram. Besonders bitter: Das Momentum schien gerade zugunsten von Zverev zu kippen, als das Unglück seinen Lauf nahm. Nadal ging als Sieger vom Platz und holte sich zwei Tage später seinen 14. Titel in Roland-Garros.

Die offenen Worte - Halep spricht über Panikattacke

Simona Halep hat nach ihrer überraschenden Zweitrunden-Niederlage gegen Zheng Qinwen erklärt, dass sie auf dem Platz eine Panikattacke erlitten habe. Die Folge: Die French-Open-Siegerin von 2018 ging nach 6:2, 2:1-Führung trotzdem als Verliererin vom Platz.

Halep nach Panikattacke exklusiv: "Es war schwer für mich zu atmen"

"Vielleicht habe ich mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt. Es ist einfach passiert und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte, denn das passiert mir nicht oft", sprach die Rumänin auf der Pressekonferenz offen über die Panikattacke. Die Aussagen von Halep könnten "wirklich einen positiven Einfluss auf andere haben, wenn sie mit einem psychischen Problem zu kämpfen haben. Dass sie den Mut haben, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen", lobte Ex-Profi und Eurosport-Experte Tim Henman den offenen Umgang mit dem Thema.

Der Streit - bei Ruud und Rune fliegen die Fetzen

Das Viertelfinale der beiden skandinavischen Shootingstars Casper Ruud und Holger Rune schrieb nicht nur sportlich Schlagzeilen. Der Däne, der das Match in vier Sätzen verlor, überzog den Norweger danach mit Vorwürfen. "Sein Team war eigentlich sehr nett, aber dann kommt er direkt zu mir und schreit mir 'Jaaa!' ins Gesicht." Infolge dessen meldeten sich die Eltern der beiden Skandinavier zu Wort und bezichtigten sich gegenseitig der Lüge.

Zoff mit der Box: Rune schickt die Mama raus

Rune hatte bereits während der Partie für Aufsehen gesorgt, als er in Richtung seiner Box schimpfte und Mutter Aneke aus dem Innenraum scheuchte. Die verließ daraufhin tatsächlich eine Zeit lang die Tribüne. Später dementierten beide, dass der Sohn die Mutter der Arena verwiesen habe.

Ruud wehrt sich gegen Vorwürfe von Rune: "Eine Schande"

Zu guter Letzt bezeichnete der spätere Finalist Ruud im Exklusiv-Interview bei Eurosport die Anschuldigungen seines Gegners Rune ihm gegenüber "als Schande". Das Ganze sei eine "große Lüge" und haben nie stattgefunden.

Das beste Match - Kerber liefert Riesenfight

Es hätte sicher auch bei den Herren eine Reihe an Partien gegeben, die in diese Rubrik passen. Wir aber entscheiden uns für Angelique Kerber und ihren epischen Krimi in der 1. Runde. Zwei Tage nach ihrem Turniersieg in Straßburg drehte die Deutsche einen Satzrückstand noch in einen 2:6, 6:3, 7:5-Sieg gegen die Polin Magdalena Frech. Im Entscheidungssatz wehrte die dreimalige Grand-Slam-Siegerin gar zwei Matchbälle ab.

Emotionales Interview: Kerber macht La Ola mit den Fans

"Ich habe heute mein Herz auf dem Platz gelassen, alles was ich hatte. Ich bin so froh, dass ich das Match gewonnen habe. Es war nicht einfach, sie hat das Match ihres Lebens gespielt", sagte eine emotionale und gelöste Kerber im exklusiven Interview mit Eurosport. "Das sind tolle Bilder, tolle Emotionen. Mit Herz, mit Wille, mit Leidenschaft", applaudierte auch Bundestrainerin Barbara Rittner. Die Fans auf der Anlage honorierten den Auftritt mit La Ola.

Die Debatte - Ansetzungen werden zum Problem

Wer spielt wie oft auf dem Court Philippe-Chatrier? Welche Partien kommen in die Night Session ab 21:00 Uhr? Bevorzugen die Veranstalter bestimmte Spieler? Alles Fragen, die während des Turniers von Roland-Garros bei einigen Profis für erhöhten Pulsschlag sorgten. So etwa bei Alexander Zverev.

Zverev exklusiv: "Alcaraz bekommt das, was er will"

"Carlos Alcaraz spielt gefühlt jedes Match auf dem Chatrier", befand der Weltranglistendritte vor dem Viertelfinale gegen den Spanier. "In unserer Hälfte sollte mehr aufgeteilt sein, wer wann spielt. Er hat jetzt zum zweiten Mal ein Nacht-Match hintereinander und ich gehe davon aus, dass es übermorgen zum dritten Mal so kommt."

Viertelfinale: Löwe Zverev knackt Wunderkind Alcaraz - Highlights

Nicht ganz fair aus Sicht des Deutschen, denn "ich habe noch kein Nacht-Match gespielt". Daraus zog der Hamburger den Schluss, dass es "offensichtlich" sei, "in welche Richtung es vorangeht und wen das Turnier weiterhaben will." Dazu sei ein Spiel auf dem Chatrier "komplett anders" und fühle sich an, "als ob du auf einen anderen Kontinent kommst". Dennoch schlug Zverev den 19-Jährigen in vier Sätzen.

Der Abschied - Tsonga sagt au revoir

Jo Wilfried Tsonga hatte bereits vorher angekündigt, seine Laufbahn nach den French Open zu beenden. Der Franzose zeigte dabei in Runde eins gegen Casper Ruud noch einmal ein großes Match und riss die Fans mit. Als der Routinier im ersten Satz den Tiebreak gewann, war die Stimmung auf dem Siedepunkt.

"Gänsehaut": Tennis-Welt verneigt sich vor Phänomen Tsonga

Nach vier Sätzen und 3:49 Stunden ging die Laufbahn von Tsonga unter frenetischem Applaus zu Ende. Beim letzten Aufschlag hatte die ehemalige Nummer fünf der Welt gar Tränen in den Augen. Tsongas größter Erfolg war - neben 18 Titeln auf der Tour, darunter die Masters-Erfolge 2008 in Paris und 2014 Toronto - der Einzug ins Australian-Open-Finale im Jahr 2008. Darüber hinaus gewann er 2012 im Doppel Silber bei den Olympischen Spielen in London sowie 2017 mit Frankreich den Davis Cup.

Die große Frage - wie entscheidet sich Nadal?

Fast noch spannender als die Frage, ob Rafael Nadal seinen 14. Titel holt, war jene nach der Zukunft des Sandplatzkönigs. Nicht wenige erwarteten, dass es die letzten French Open des Mallorquiners werden. Nadal selbst hatte die Spekulationen nach dem Achtelfinale gegen Félix Auger-Aliassime befeuert. "Ich stehe im Viertelfinale von Roland-Garros und genieße es einfach, dass ich noch ein Jahr hier bin. Jedes Match könnte mein letztes hier in Roland-Garros sein", so der Routinier.

Große Worte eines großen Champs: Nadals Rede umweht ein Hauch von Abschied

Nach dem Endspiel dann die Erlösung für seine Fans im Speziellen und die Tennis-Szenen im Allgemeinen. "Ich weiß nicht, was in Zukunft passiert, aber ich versuche weiterzumachen", verkündete Nadal. Der Jubel der Zuschauer war ohrenbetäubend. "Ich glaube, der größte Moment des Turniers war: Rafa kommt wahrscheinlich wieder", war auch Eurosport-Experte Mischa Zverev ergriffen.

Die Sensation - nur eine Top-Ten-Spielerin im Achtelfinale

Die French Open hatten nicht einmal Halbzeit, da war noch eine Top-Ten-Spielerin dabei. Iga Swiatek löste am siebten von 15 Wettkampftagen durch ein 6:3, 7:5 gegen Danka Kovinic das Ticket fürs Achtelfinale.

3. Runde: Swiatek muss gegen Kovinic beißen - Highlights

Zu der Zeit war die übrige Top-Ten-Prominenz um Paula Badosa, Aryna Sabalenka, Titelverteidigerin Barbora Krejcikova, Maria Sakkari, Anett Kontaveit, Ons Jabeur, Karolina Pliskova, Danielle Collins und Garbiñe Muguruza bereits aus dem Rennen. Da dürfte es kein Trost sei, dass Swiatek die "Ehre" der Elite mit dem Turniersieg rettete.

Das Zitat - Cornet kritisiert "diese Handvoll Idioten"

Alizé Cornet erlebte bei den French Open einen der schwersten Tage ihrer Karriere. Die letzte Französin im Einzelfeld der Damen musste ihr Drittrundenmatch gegen Zheng Qinwen aus China beim Stand von 0:6, 0:3 aufgeben. Viel schlimmer als die Adduktorenverletzung, die zum Abbruch führte, waren aber die Pfiffe von der Tribüne. "Das tut noch mehr weh als die Verletzung selbst", gestand Cornet.
Die meisten Menschen sind traurig mit mir und verstehen, was da passiert ist - aber diese Handvoll Idioten, das tut einem im Herzen weh.
Auf der Pressekonferenz stellte die 32-Jährige klar, dass sie die Vorwürfe keineswegs verallgemeinern wolle, schließlich wären nur "20, 30 oder 40 Personen" für die Schmähungen verantwortlich gewesen. Das Verhalten dieser "Handvoll Idioten" tue allerdings "im Herzen weh".

Die Lehre - Grand Slam ist eine andere Welt

Carlos Alcaraz galt nach seinen überragenden Leistungen und den vier Saisontiteln als heißer Kandidat auf den Sieg in Roland Garros - und das mit 19 Jahren. Und: Der Teenager spielte ein sehr starkes Turnier, wusste vollauf zu überzeugen. Dennoch war im Viertelfinale Endstation. Alexander Zverev erwies sich - im Unterschied zum Final-Duell beim Masters von Madrid - als eine Nummer zu groß auf der Grand-Slam-Bühne.

Top 5: Zverev und Alcaraz liefern grandiose Show am Netz

"Zum ersten Mal seit einiger Zeit sah er wie 19 aus", urteilte Tennis-Ikone John McEnroe im Eurosport-Interview. Nichtsdestotrotz habe Alcaraz "gekämpft und viel Herz gezeigt". Der Youngster darf die French Open ohne Wenn und Aber als Erfolg und wichtigen Karriereschritt verbuchen.
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